MERSCH
SIMONE MOLITOR

„De Superjhemp ënnert dem Röntgenbléck“: umfangreiche Ausstellung in Mersch

Lange bevor er im letzten Jahr zum Leinwandhelden im erfolgreichsten luxemburgischen Film aller Zeiten wurde, hatte Superjhemp sein Comic-Debüt. Mit dem ersten Album „De Superjhemp géint de Bommeleér“ 1988 begannen Lucien Czuga und Roger Leiner eine einzigartige Erfolgsgeschichte zu schreiben und zu malen. Innerhalb von drei Jahrzehnten folgten weitere 28 Alben. Diese „Success story“ wird nun in einer bunten und detailreichen Ausstellung im Literaturarchiv (CNL) in Mersch nachgezeichnet. Tief ins Luxusbuerg-Universum können die Besucher ab morgen eintauchen. Gleichzeitig wird ein Einblick in die allgemeine Geschichte der „Bande dessinée“ (BD) in Luxemburg geboten. Die Presse durfte sich bereits gestern ein Bild von „De Superjhemp ënnert dem Röntgenbléck“ machen.

Ein Meilenstein in der BD-Geschichte Luxemburgs

Was das Konzept hinter der Expo anbelangt, so sprach CNL-Direktor Claude D. Conter von verschiedenen Zielen. „Um erklären zu können, warum ,Superjhemp‘ ein solcher Meilenstein in der BD-Geschichte Luxemburgs ist, müssen wir erstmal die Vergangenheit des Comics und seine Entwicklung in unserem Land nachzeichnen und den Helden von Leinen/Czuga somit kontextualisieren“, meinte er einführend. Dann gehe es auch darum, die Zusammenarbeit von Roger Leiner und Lucien Czuga zu veranschaulichen. „Überraschend ist es, zu sehen, wie detailliert bereits das Storyboard von Lucien Czuga war, das er Roger Leiner zur Hand gab, damit dieser die Illustrationen anfertigen konnte. Eigentlich hat er ihm schon die Struktur der Bildtafel geliefert“, bemerkte Conter.

Zum ersten Mal überhaupt wird mit dieser Ausstellung das gesamte Universum von Luxusbuerg analysiert. „Es ist die wohl populärste BD, die es hier in Luxemburg gibt, mit geschätzt 250.000 verkauften Exemplaren. Das ist enorm. Jedoch hat diese Popularität kaum eine Nachwirkung in der Presse oder auch in der Forschung gefunden. Zwar wurden die ersten Alben gelegentlich rezensiert, meist wurden die Neuerscheinungen aber nur angekündigt. Eine richtige Auseinandersetzung mit dem Inhalt, den Protagonisten und den Konflikten, die beschrieben werden, gab es bislang nicht, abgesehen von einem Beitrag der Uni Luxemburg. Das wollen wir nun mit dieser Ausstellung leisten. Es geht nicht darum, einen Comic auf den Podest zu heben, sondern ihn, wie der Titel es bereits sagt, unter den Röntgenblick zu nehmen“.

Nun auch Comicarchiv

Erstmals wird darüber hinaus ein Einblick in den Fonds von Roger Leiner, der Ende 2016 verstarb, geboten, sowie gleichzeitig in den Vorlass von Lucien Czuga. Auch unveröffentlichte Zeichnungen werden gezeigt. „Mit diesen beiden umfassenden Beständen, genau wie vorher bereits mit der Sammlung von Félix Mersch, entwickelt sich das Literaturarchiv jetzt auch zu einem Comicarchiv. Vor drei Jahren haben wir die Entscheidung getroffen, Comicautoren und -zeichner ebenfalls in unserem Autorenlexikon zu berücksichtigen und ihnen den gleichen Stellenwert als Autoren zu geben“, sagte der Direktor des Literaturarchivs.

In fünf thematischen Ausstellungsräumen wird „Superjhemp“ dem Röntgenblick unterzogen, und mit ihm auch seine Schöpfer. Selbst eingefleischte Fans werden mit Sicherheit die eine oder andere Überraschung erleben.


Die Expo ist ab dem 5. Juni für das Publikum geöffnet und läuft

bis zum 29. November. Das „Journal“ wird in einem kommenden

Beitrag noch einmal im Detail auf die Inhalte zurückkommen.

Weitere Infos unter cnl.public.lu