LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Der Luxemburger Yves Mignon lebt seit

Spätestens seit dem Film „Greencard“ mit Gérard Depardieu ist bekannt, wie begehrt die permanente Aufenthaltsgenehmigung für die USA ist. Jährlich bekommen tausende Menschen eine solche Genehmigung im Rahmen eines Lotterieverfahrens ein solches „Goldenes Ticket“ zugesprochen. Häufig müssen Bewerber aber viele Jahre warten, bis sie ausgewählt werden.

Wieso hat es Sie in die USA verschlagen?

Yves Mignon Nachdem ich einige Jahre in Luxemburg im Bereich Film und Video gearbeitet hatte, wollte ich zurück zur Schule. Ich besuchte damals in den 90er Jahren meine Freundin Laury, die ihren Bachelor in Florida machte. Ich war von amerikanischem Indie-Kino und amerikanischer Indiemusik der 90s fasziniert und dachte, es wäre interessant in den Staaten zu leben. Wir sind dann nach Chicago gezogen, wo ich am Columbia College Film und Video studierte und Laury Neurowissenschaften an der Loyola University.

War es von vornherein geplant, dort zu bleiben?

Mignon Es gab nie einen Plan, es hat sich so ergeben. Nach meinem Abschluss hatte ich eine Arbeitsgenehmigung und ein Visum für ein Jahr und arbeitete für Discreet Logic in Chicago. Ich war auch freiberuflich an anderen Projekten beteiligt. Viele meiner Freunde zogen nach Los Angeles und nachdem ich sie ein paar Mal dort besucht hatte, zogen wir auch dorthin. Meine Freundin machte ein Postdoktorat an der University of California, Los Angeles (UCLA) und irgendwie haben wir es geschafft mit Visa und Arbeitsgenehmigungen für eine Weile auszukommen. Ich hatte interessante Post-Production-Jobs, unter anderem bei der Jim Henson Company in Hollywood und bekam einen festen Arbeitsplatz bei Mamisi/Amenra, einer Firma von Wesley Snipes, die leider insolvent wurde.

Wie ist das Leben an der Westküste?

Mignon Nach sieben Jahren in Los Angeles hatte meine Frau die Möglichkeit, einen Job in San Diego, dem Biotech-Mekka, zu bekommen. Weil wir dachten, das Leben mit Kindern wäre einfacher im Süden, sind wir in einen Vorort von San Diego, Encinitas, umgezogen. Coastal Encinitas ist ein Strandort mit einer sehr relaxen Atmosphäre, wo Outdoor-Sport eine große Rolle spielt.

Miete und Immobilien sind vor allem an der Küste sehr teuer. Aber das nehmen wir mit in Kauf und genießen es, hier zu leben. Das Klima ist natürlich optimal, nie richtig kalt und aber auch nicht zu heiß. Herbst und Winter sind hier wirklich besonders idyllisch; wenn die Santa Ana-Winde wehen ist es schon ein spezielles Erlebnis. Trotz der Finanzkrise und Budgetkürzungen wird den Kindern hier viel geboten: Die Schulen sind ganz in Ordnung, Fußball-Clubs und Sportvereine haben es geschafft, mit wenig Geld viel zu bieten.

Wie haben Sie sich integriert?

Mignon Ich glaube gut. Aber ich würde nicht sagen, dass mein soziales Netzwerk jenem der durchschnittlichen Amerikaner entspricht. Manchmal merkt man schon, dass man eine andere Sensibilität hat als Ausländer, was ja auch interessant ist.

Gibt es irgendetwas aus dem Großherzogtum, das Sie vermissen?

Mignon Ich vermisse schon manchmal eine Stadt mit einem richtigen Zentrum. Die Möglichkeit, zu Fuß durch die Stadt zu spazieren, essen zu gehen und dann anderswo einen Kaffee zu trinken gibt es hier nicht richtig. So durch einen feuchten, grünen Wald zu laufen würde mich jetzt schon reizen. Es würde mich auch interessieren zu sehen, wie meine Kinder wären, würden sie in Luxemburg leben. Die europäische Selbstironie und das „laisser aller“ fehlt mir auch manchmal.

In welchem Bereich sind Sie derzeit beruflich aktiv?

Mignon Momentan bin ich „Stay-at-home-dad“. Ich habe ab und zu kleine Projekte, welche aber nicht genug Geld einbringen würden, um eine Familie zu unterhalten. Meine Frau hat eine gute Karriere im Biotech-Bereich und reist relativ viel, so dass ich mich um die Kinder kümmere.

Wie ist die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten?

Mignon Das hängt ganz vom Sektor ab. Die Post-Production im Bereich Film und Video ist in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent geschrumpft. Die Voraussage ist, dass dieser Sektor in den nächsten Jahren noch weitere 30 Prozent einbüßen wird. Biotech hat sich wieder etwas stabilisiert und im Bereich Informatik scheint es auch wieder besser zu laufen. Im Allgemeinen gibt es aber wenig Sicherheit und man muss schon seine Karriere managen. Das heißt immer wieder neue Gelegenheiten suchen und auch zur richtigen Zeit den Job wechseln, damit man nicht auf der Stelle tritt oder seinen Job verliert, weil die Firma insolvent wird.

War es schwierig, die Greencard zu bekommen?

Mignon Ja, das war schon eine sehr lange Prozedur. Zum Glück hat die UCLA, wo meine Frau arbeitete, uns „gesponsert“ und geholfen, die nötigen Papiere zusammen zu kriegen. Sogar mit all dieser Hilfe war es teuer und langwierig. Außerdem hatten wir keine Garantie, dass es wirklich klappen würde. Während der Greencard-Prozedur durften wir die USA auch nicht verlassen und dann bei der letzten Etappe hatten wir ein Interview bei der Zuwanderungsbehörde in Vancouver, das war schon recht nervenaufreibend.

Wie sehen die Menschen an der Westküste die radioaktive Bedrohung im Pazifik in der Folge des Unglücks in Fukushima?

Mignon Offiziell heißt es, dass die Strahlenbelastung im Pazifik nicht gesundheitsgefährdend ist. Es wurde zwar radioaktiv verseuchter Blauflossen-Thunfisch gefischt, trotzdem sind die meisten Leute nicht beunruhigt und es wird nicht viel darüber geredet.

Ich surfe drei bis vier Mal pro Woche und wundere mich schon, ob das gesundheitsgefährdend ist.

Wir scherzen auch unter Freunden, dass uns bald eine dritte Hand wächst, oder dass wir nachts leuchten werden. Glücklicherweise ist die Atomzentrale in San Onofre (30 Kilometer nördlich von Encinitas) in diesem Jahr abgeschaltet worden, weil es da zu mehreren Komplikationen kam.