DR. JEAN COLOMBERA

Nach einer jahrelangen Debatte hat der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe am 4. Mai 2016 ein neues Gesetz auf den Weg gebracht: Schwerkranke sollen schmerzlinderndes Cannabis von ihrer Krankenkasse bezahlt bekommen. Damit wird die illegale private Hanfplantage für Kranke endlich Vergangenheit. „Dank des Einsatzes schwerkranker Leute, wie dem Duisburger Lars Scheimann und dem Cannabisaktivisten Dr. Franjo Grotenhermen, die ich persönlich kenne und die sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Cannabis als Medizin salonfähig zu machen, ist endlich das Eis in Deutschland gebrochen“, sagt der Arzt und ehemalige adr-Abgeordnete Dr. Jean Colombera.

„Nach Verabschiedung des Gesetzes - voraussichtlich im Jahr 2017 - wird Deutschland zu den zehn Ländern mit den besten Möglichkeiten der medizinischen Nutzung von Cannabisprodukten durch ihre Bürger zählen. Diese Bundesregierung ist damit eine der fortschrittlichsten Regierungen der Welt, wenn es um Cannabis als Medizin geht, denn in den allermeisten der 200 Länder der Erde gibt es überhaupt keine Möglichkeiten zum Zugang zu Cannabis-basierten Medikamenten.

Viele gesellschaftlich relevante Gruppen wie Journalisten, Mediziner, Juristen und auch Politiker sind heute insgesamt besser informiert als vor zehn Jahren. Trotzdem bereitet das Thema Cannabis auch heute noch vielen Eltern, Politikern und anderen Personengruppen Angst, was rationales Handeln manchmal erschwert. Das Unwissen erweist sich als Bremse. Die Mediziner haben nie ein Wort über Cannabis als Medizin an ihren jeweiligen Universitäten gehört. Informierte Patienten suchen mit ihrer chronischen Krankheit verzweifelt nach einem Ausweg, wissen meistens viel über Cannabis, finden jedoch keinen Abnehmer, der sie anständig beraten würde. Politiker müssen erst mal überzeugt werden, halten sich an wissenschaftlichen Studien, die jedoch nur mit dem Tropfenzähler auftauchen. Denn die Pharmaindustrie hat sicherlich nicht viel Interesse an der Cannabisforschung, könnte diese doch den Arzneimarkt total umkrempeln. Also bleibt hier nur noch die Initiative eingefleischter Idealisten der ICRS (International Cannabis Research Society), die Beweise hervorbringen müssen - und das gelingt ihnen zum Wohl der Kranken immer mehr.

Und was passiert in Luxemburg? Ja, das Transportministerium darf weiterhin Cannabispatienten quälen, ihnen den Führerschein und damit oft ihre berufliche Perspektive und finanzielle Grundlage nehmen, ohne dass dies in irgendeiner Weise der Verkehrssicherheit dienen würde. Ja, das Gesundheitsministerium verweigert den Patienten mit dem Hinweis auf den angeblichen Cannabismissbrauch ein wirksames Medikament beispielsweise gegen ADHS oder posttraumatische Belastungsstörung und damit ein halbwegs normales Leben. Diese und andere Geschichten sind angesichts der vielen Ungerechtigkeiten und schweren Schicksale oft herzzerreißend.
Ich bin froh, dass alles ändert. Aber es ändert sich nicht über Nacht. Es bleibt noch viel Überzeugungsarbeit.

In Luxemburg wird viel über Nation Branding gesprochen. Hier haben die Politiker die Gelegenheit, das Land optimal in die Vitrine zu stellen. Lasst uns Deutschland folgen, anstatt auf die Franzosen zu warten, bis die überhaupt verstehen, was man alles mit Cannabis medizinisch erreichen kann! Also ihr Politiker: Tut etwas für die Gesundheit Eurer Bürger! Schließlich könnte es auch sein, dass Ihr eines Tages Cannabis bräuchtet.“