LUXEMBURG
MARCO MENG

„Das Luxemburger Sozialmodell funktioniert nur so lange, wie es auch etwas zu verteilen gibt“

Cargolux muss Kosten reduzieren und effizienter werden. Die Gewerkschafter hatten zuletzt dazu eine Art Darlehen der Mitarbeiter an die Gesellschaft vorgeschlagen, sollte man nicht die Kompromisssumme von 12,5 Millionen Dollar Einsparungen bis Ende 2014 erzielen. Zurückzuzahlen sei dieses Darlehen, wenn das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schriebe. Cargolux-Interim-Geschäftsführer Richard Forson sowie Verwaltungsratspräsident von Cargolux und Luxair, Paul Helminger, dazu im Interview.

Wie gestern von Gewerkschaftsseite bekanntgegeben wurde, lehnt die Cargolux-Direktion die Gewerkschaftsvorschläge ab?

RICHARD Forson Nein, das ist nicht ganz korrekt. Am 5. Mai erhielten wir ein Schreiben der Gewerkschaften, die uns Vorschläge zur Kostenreduzierung machten und die wir prüften. In vier Punkten stimmen beide Seiten überein: bis 31.12. 2014 kann der alte Kollektivvertrag unterzeichnet werden, wenn man Kosteneinsparung von 12,5 Millionen Dollar bis Ende Dezember 2014 erreicht. Im August 2014 wollen wir das exakt kalkulieren, ob man die Summe erreichen wird, oder ob man – falls nicht – dann noch andere Maßnahmen zum Erreichen der Einsparung ergreifen muss. Dazu würde in diesem Fall dann auch gehören, zum Beispiel die Schichtzuschläge auf das gesetzliche Minimum zu beschränken. Womit wir nicht einverstanden sind, ist der Vorschlag der Gewerkschaften, dass die Belegschaft eine Art Darlehen an das Unternehmen zahlt. Das können wir nicht akzeptieren, weil es am Ende nicht die finanzielle Nachhaltigkeit des Unternehmens stützt. Wir wollen Kostenreduzierung. Ein Darlehen reduziert nicht die Kosten.

PAUL Helminger Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass die Einsparung von 12,5 Millionen durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerung erreicht werden kann und die Diskussion um ein „Darlehen“ im Falle, wenn nicht, rein hypothetisch ist.

Forson Die Vorstellung, sobald wieder Gewinn gemacht wird, werden alle Opfer, die die Belegschaft erbrachte, zurückgezahlt, ist zu kurzfristig gedacht. Was wir deswegen vorschlugen, ist: wenn man bis Ende 2014 einen Gewinn von 49 Millionen erzielt, erhalten die Mitarbeiter für Ihre Anstrengungen Kompensationen von maximal 2,5 Millionen Dollar. Man darf da übrigens auch nicht denken, mit diesen 49 Millionen Dollar Gewinn wäre man wieder ein nachhaltiges Unternehmen. Ich hoffe, man wird unseren Vorschlag akzeptieren, zumal das nur ein Teil der Maßnahmen ist, um die Gesellschaft wieder profitabel zu machen.

Wo kann man Kosten reduzieren oder mehr Profit machen?

Forson Bei Lieferanten, bei IT und vieles mehr. Es ist ja nicht so, als würden wir „nur die Mitarbeiter als Kostenfaktor“ sehen, sondern wir haben ja schon letztes Jahr 57 Millionen Dollar eingespart, ohne die Personalkosten überhaupt anzurühren.

Bei Luxair hörte man auch von Gewerkschaftsseite, die Direktion wolle keine Einigung wolle oder wolle das Luxemburger Sozialmodell abschaffen.

Helminger Wir könnten dort, wo wir heute sind, schon Ende letztes Jahr gestanden haben bei den vier Punkten Kollektivvertrag, Kostenreduzierung, Produktivitätssteigerung und notfalls andere Maßnahmen wie Kompensation. Das hatten wir im Herbst den Gewerkschaften vorgeschlagen, vor der Kündigung des Kollektivvertrags, und die hatten das abgelehnt mit der Begründung, das sei „Erpressung“. Wir wissen ja alle, dass Kosten gespart werden müssen, und auch wie man das erreicht. Nochmals: wenn man es durch Effizienzsteigerung erreicht, sind gar keine Maßnahmen, die das Personal treffen würden, nötig.

Und wenn die Mitarbeitervertreter einverstanden sind, wäre das Problem dann gelöst?

Forson Das wäre ein erster Schritt dazu. Wir befinden uns im Wettbewerb mit Airlines außerhalb der EU, wo die Bedingungen ganz andere sind, das darf man nicht vergessen.

Ist das nicht unfairer Wettbewerb?

Forson Natürlich ist es das. Jeden Tag aufs neue stehen wir in hartem Konkurrenzkampf. Kaum ist AirCargoGermany weg, schon kommt wie vor ein paar Tagen ein neuer Konkurrent, in Griechenland registriert und in Zentralfrankreich ansässig. Zudem funktioniert das Luxemburger Sozialmodell nur so lange, wie es auch etwas zu verteilen gibt. Ich hoffe darum aufrichtig, dass die Gewerkschaften unseren fairen Vorschlag akzeptieren.

Helminger Alle Investitionen, seien es am Findel der Freeport oder Healthcare oder das Logistikzentrum in Bettemburg, das alles macht nur Sinn, wenn es hier auch eine starke Frachtairline gibt. Logistik hat hier eine Zukunft, aber es geht nicht „um jeden Preis“. Nur wenn Cargolux erfolgreich ist, schafft der Sektor hier auch jobs: montan suchen wir Mechaniker. Die wollen wir ja nicht nur für ein, zwei Jahre ausbilden und beschäftigen.

Forson Deshalb sind jetzt Fortschritte nötig, die ja nicht nur gut für das Unternehmen, sondern letztlich auch für seine Mitarbeiter sind. Je schneller wir eine Einigung erzielen, umso besser.

Der LCGB-Gewerkschaftssekretär Aloyse Kapweiler kündigte uns gegenüber gestern schon an, den Cargolux-Vorschlag abzulehnen und vor das Nationale Schlichtungsamt zu wollen.