DÜSSELDORF
DOROTHEA HÜLSMEIER (DPA)

23-jährige Landschaftsökologin arbeitet sich mit digitalen Fantasy-Romanen zum Buch-Erfolg

Carina Zacharias konnte noch nicht schreiben, da sprach sie schon Geschichten auf Kassetten. „Carina, erzählst du mir eine Geschichte?“, fragte ihre Schwester, und Carina erfand für sie Gute-Nacht-Geschichten. „Sobald ich schreiben gelernt habe, fing ich an, Geschichten in Notizbücher zu schreiben“, erzählt die heute 23-jährige Aachenerin. Zu Weihnachten bekommen ihre Cousinen Geschichten als Geschenk. Ihre Fantasie ist unerschöpflich.

„Ich hatte schon immer eine Begeisterung für Geschichten und Bücher“, sagt Zacharias. Alles fing mit Kinderbüchern an wie „Luramos - der letzte Drache“ oder „Der Wunschbengel“. Da war sie 15. Nun nimmt ihre Schriftsteller-Karriere Fahrt auf. Der Bastei Lübbe Verlag hat ihren Fantasy-Roman „Emba - Bittersüße Lüge“ für junge Erwachsene zunächst in sein digitales Programm genommen. Als sogenanntes Print-on-demand-Buch wird es seit Anfang Oktober auch gedruckt, wenn es jemand kaufen möchte.

Das ist zwar Lichtjahre entfernt von den physischen Millionenauflagen der Harry Potter-Bücher, aber andererseits ist es schon ein riesiger Schritt, um aus der Masse der Autoren hervorzustechen, die tagtäglich Manuskripte bei Verlagen einsenden. „Am Ende bekommen die die Chance, die mit ihrem Inhalt überzeugen“, sagt Tina Pfeifer, die Sprecherin bei Bastei Lübbe.

Zweite Leidenschaft Umweltschutz

Dabei hat Zacharias eine zweite Leidenschaft: Umweltschutz. Parallel zu ihrer schriftstellerischen Arbeit lieferte die Landschaftsökologin ihre Masterarbeit über Lebensräume für Riesenpandas in China an der Universität Edinburgh ab. Dann nahm sie den nächsten Schritt als Autorin: ihr erster Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Herbst.

„Es wird immer gesagt, im digitalen Bereich komme ein Autor nicht so vor“, sagt Pfeifer. Auf der Buchmesse wurden Carina Zacharias und zwei weitere digitale Autorinnen dann aber „sichtbar“. Bei einem von Bastei Lübbe organisierten gemeinsamen „Bloggerfrühstück“ mit Donuts und Muffins knüpfte Zacharias direkte Kontakte zu ihren Kritikern im Netz. „Sie haben auch in ihren Blogs darüber berichtet.“

Weg zum gedruckten Buch über die digitale Schiene

Dass der Weg zum gedruckten Buch heute oft über die digitale Schiene führt, ist nicht ungewöhnlich. „Im digitalen Bereich kann man viel mehr ausprobieren mit neuen Autoren und neuen Stoffen“, sagt Pfeifer. Inzwischen ist bereits die Fortsetzung von „Emba“ digital veröffentlicht. Eine kleine, eingeschworene Fan-Gemeinde hat schon sehnsüchtig auf „Emba - Magische Wahrheit“ gewartet. Und im Netz wird das Buch eifrig von Lesern rezensiert.

Denn Band eins hörte mit einem klassischen Cliffhanger auf: Man möchte wissen, wie es weitergeht mit Emba, der Runar-Jägerin. Runare, das sind geheimnisvolle Ungeheuer, die aus reiner Energie bestehen. Embas Vater ist Chef eines Unternehmens, das die Menschheit mit Energie versorgt. Runare werden gejagt, aber sind sie wirklich so gefährlich? Energiekrise und Umweltzerstörung spielen nicht nur in der realen Welt der Ökologin Zacharias, sondern auch in der fiktiven Welt von Emba eine große Rolle. Und natürlich geht es in dem Roman auch um Liebe.

Eigentlich hatte sich Zacharias als Praktikantin bei Bastei Lübbe beworben. Falls es nicht mit dem Traumberuf Autorin klappen sollte, wollte sie zumindest einmal Verlagsluft schnuppern. Für ein Praktikum war es zu kurzfristig, aber im Gespräch wurde der Verlag neugierig und fragte, ob Zacharias eine Leseprobe schicken wolle. „Emba lag in der Schublade bei mir“, sagt Zacharias. „Das habe ich gemailt.“

Als nicht arrivierter Autor sei es im Jugendbuch- und Kinderbuchbereich schwierig, in den Markt reinzukommen, sagt Margit Müller, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen. Einige veröffentlichten ihre Werke erst einmal elektronisch. „Den typischen Weg gibt es nicht“, sagt Müller. „Die Schwierigkeit ist, unter der Masse hervorzustechen.“ Es gebe pro Jahr 9.900 Neuerscheinungen allein im Kinder- und Jugendbuchbereich. Wenn eine Autorin aber zur Frankfurter Buchmesse eingeladen werde, sei das bereits ein Zeichen, dass der Verlag Potenzial in ihr sehe und eine junge interessierte Zielgruppe erwarte, sagt Müller.

Inzwischen versucht sich Zacharias am „magischen Realismus“. „Ein Manuskript ist schon fertig und der Verlag prüft es.“ Das Buch handelt von einem sehr schüchternen Jungen, der auf unerklärliche Weise unsichtbar wird. „Es ist so, wie auch extrem schüchterne Menschen sich manchmal wünschen, nicht gesehen zu werden“, sagt Zacharias. Bastei Lübbe aber möchte nach „Emba“ eine ganze Fantasy-Reihe von Zacharias. „Ein Konzept habe ich schon geschickt“, sagt sie. „Es wurde abgenickt und daran arbeite ich jetzt.“