LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Ex-SREL-Agent André Kemmer: Keine Erklärung für Milles Lauschangriff auf Juncker

Junckers Informant bei der „Uhren“-Affäre um die heimliche Aufnahme Anfang 2007 eines Gesprächs zwischen den Premier und seinem damaligen Geheimdienstchef heißt André Kemmer. Was viele vermuteten, gab der ehemalige SREL-Agent gestern Nachmittag unter Eid vor der parlamentarischen „Enquête“-Kommission Geheimdienst zu. Die konnte sich erstmals mit dem Vorgang auseinandersetzen, denn es wird in der Angelegenheit nicht mehr ermittelt: Die Justiz hat befunden dass sie verjährt ist.

Monate später

Während er den damaligen Operationsleiter Frank Schneider - dieser sagte am 5. Februar vor dem Untersuchungsausschuss aus - am Tag nach dem Ereignis ins Bild gesetzt habe, ist der ausgebildete Polizist und Anti-Terrorismus-Experte, der damals zum SREL „detachiert“ war, erst im Laufe von 2008 - an das genaue Datum erinnerte sich der Zeuge gestern nicht - mit einer Kopie des Gesprächs zum Staatsminister gegangen. Kemmer verließ den Geheimdienst eigenen Aussagen zufolge Ende 2008 und wurde danach vom damaligen Außenhandelsdirektor Jean-Claude Knebeler im Wirtschaftsministerium rekrutiert, um eine „capacité d‘enquête et de recherche“ aufzubauen.

Das Rendez-vous mit Juncker arrangiert habe übrigens Roger Mandé, der Vertrauensmann des Staatsministers im Geheimdienst, von dem Schneider gesagt hatte, er sei auf Wunsch des Premiers zum SREL gekommen und habe dort gemacht, was er wollte.

Weshalb er die Dysfunktion im Geheimdienst erst nach so langer Zeit denunzierte, sagte Kemmer, er habe sich nach längerer Überlegung und nach Kenntnisnahme des Inhalts des brisanten Gesprächs, in dem von „komischen“ Vorgängen die Rede geht, „in der Pflicht“ gefühlt, es zu tun. außerdem habe er nicht gewusst wie viele Kopien des Gesprächs im Umlauf waren und Angst gehabt, dass das Ganze außer Kontrolle geraten könnte. André Kemmer war nicht nur der erste SREL-Agent, der von Milles Aktion wusste - er bereitete auf Milles Order hin die präparierte Uhr vor und fuhr seinen Chef, dessen Absichten er zu dem Zeitpunkt nicht gekannt haben will, sogar ins Staatsministerium - er brachte auch die verschlüsselte CD mit in den Geheimdienst, auf der sich der heimliche Mitschnitt eines Gesprächs Juncker/Großherzog befinden soll, mit in den Geheimdienst.

Der Draht zu M.

Besagte CD wurde Kemmer durch den Informanten M. zugespielt, den der Agent von gemeinsamen Sportaktivitäten kannte. Es sei das einzige Mal gewesen dass M., der Kontakt mit ehemaligen SREL-Agenten unterhalten habe, eine Information an ihn heran getragen habe, sagte Kemmer. Der verschlüsselte Datenträger und dessen brisanter Inhalt habe den Geheimdienst bedrückt. Schnell habe Mille um ein erstes Rendez-vous mit seinem Vorgesetzten gebeten, bei dem auch Schneider und Kemmer zugegen waren. Ein erstes Meeting, das „nicht so gut lief“, wie der Ex-Agent sich ausdrückte. Ob Mille das zweite Gespräch zum Thema aufnahm, um sich abzusichern, weiß André Kemmer nicht zu sagen. Auf jeden Fall habe die ganze Angelegenheit nach und nach zu einer „Malaise“ im Geheimdienst geführt. Er habe am Ende selbst „gewisse Divergenzen“ mit Marco Mille gehabt, sagte der Zeuge. Als die beiden Agenten Frank Schneider und Filipe Carmo ihren Abgang aus dem SREL ankündigten habe auch er sich nach neuen Karrieremöglichkeiten umgesehen. Beim oben genannten Treffen mit Juncker - dem einzigen in Sachen „Uhren-Affäre“, sei nicht über seine beruflichen Perspektiven gesprochen wurden, so Kemmer.