LUXEMBURG
LJ

ArcelorMittal-Generalversammlung in schwierigem Umfeld - Etienne Schneider nun im Verwaltungsrat

Knapp zehn Minuten dauerte laut Sitzungsbericht die ordentliche und außerordentliche Generalversammlung der ArcelorMittal-Aktionäre am Samstag. Sie wurde erstmals wegen der Covid-19-Krise per Videokonferenz abgehalten. Das Unternehmen hatte Vorkehrungen getroffen, damit die Teilhaber auch elektronisch abstimmen konnten. Knapp 68 Prozent der Stimmrechte waren beim „Conference Call“ vertreten. Neben einer Kapitalerhöhung von rund 74,8 Millionen Dollar auf 485,3 Millionen, aufgeteilt auf 1.361.418.599 Aktien - dies war Gegenstand der außerordentlichen Generalversammlung - standen vor allem Personalfragen im Mittelpunkt der ordentlichen Generalversammlung.

Die Mandate des Verwaltungsratsvorsitzenden und CEO Lakshmi Mittal sowie der Verwaltungsratsmitglieder Bruno Lafont und Michel Wurth wurden so um weitere drei Jahre verlängert. Neu dabei sind der ArcelorMittal-Finanzchef und Sohn Lakshmis, Aditya Mittal und Etienne Schneider, der noch bis Februar Luxemburger Wirtschaftsminister war. Der LSAP-Politiker folgt so im ArcelorMittal-Verwaltungsrat auf Jeannot Krecké als Vertreter des luxemburgischen Staates, der 1,27 Prozent an dem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg hält.

171.000 Dollar

Kreckés Mandat war erst bei der Generalversammlung 2019 verlängert worden. Der ehemalige LSAP-Wirtschaftsminister (2004 bis 2012), den bei seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt Etienne Schneider beerbte, hatte im Dezember durchblicken lassen, sein Mandat „aus persönlichen Gründen“ zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt wurde schon spekuliert, dass Etienne Schneider von der Regierung als Nachfolger vorgeschlagen würde. Der sprach damals von „Gerüchten“, allerdings haben die sich nun offensichtlich bewahrheitet. Krecké bekam im vergangenen Jahr laut „Remuneration Report“ von ArcelorMittal rund 171.000 Dollar für sein Mandat im Verwaltungsrat.

Schneider dürfte ebenfalls als unabhängiger Direktor in den Vorstand des russischen Konglomerats Sistema einziehen und dort auf Jeannot Krecké nachfolgen. Am 27. Juni hält der seine Generalversammlung ab.

Aber zurück zu ArcelorMittal: Von „challenging times“ - „herausfordernden Zeiten“ - sprach CEO Lakshmi Mittal bei der Generalversammlung. Die Pandemie hat die weltweite Stahlnachfrage scharf gebremst. Der Stahlgigant hatte seine Wachstumsprognose Anfang Mai gestrichen. Das Unternehmen musste im ersten Quartal einen Verlust von 1,1 Milliarden US-Dollar hinnehmen und rechnet mit einer weiteren Ergebnisverschlechterung zwischen 400 und 600 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Produktionskapazitäten wurden zurückgefahren, Investitionsprogramme gesenkt und die Dividende gekappt.