LUXEMBURG
LJ

Geheimdienst und GovCERT sollen von Schwachstelle gewusst haben

Die Debatte um die sogenannten „Chamber-Leaks“ spitzt sich zu: Nach Informationen des Radiosenders 100,7 sollen der Geheimdienst SREL und das Computer-Eingreifteam des GovCERT bereits vorab von den öffentlich zugängigen Dokumenten gewusst haben. Der Radiosender hatte zuerst von den Schwachstellen auf der Webseite der Abgeordnetenkammer berichtet. Neuen Informationen des Senders zufolge sollen die Chamber und ihre Partner bereits von den Problemen gewusst, die Schwachstelle aber nicht berichtet haben. So seien die Probleme bereits am 6. März bekannt gewesen, es sei aber nichts unternommen worden - aufmerksam wurden GovCERT über dieselbe Twitter-Nachricht, die auch dem Radiosender am 6. März vorlag.

Glasklarer „Whistleblower“-Fall

Daraufhin sei die Geheimdienstchefin Doris Woltz und in weiterer Folge die Abgeordnetenkammer informiert worden. Chamberpräsident Mars Di Bartolomeo habe die Botschaft indes dem Anschein nach nicht erreicht: Dieser zeigte sich im 100,7-Interview 24 Stunden später überrascht von dem Datenleck. Inzwischen ermittelt die Justiz. Zudem sei erst zu spät am 7. März auf die Schwachstelle reagiert worden. Die Chronologie zeige, dass erst die Berichterstattung des Senders für eine Reaktion seitens der Chamber gesorgt habe. Dies, obwohl die Schwachstelle bereits 2015 existierte und auch 2017 für Probleme gesorgt habe. Es stelle sich die Frage, warum das Problem nicht gründlich beseitigt wurde. Zudem scheine es an automatisierten Schutz- und Kontrollmaßnahmen auf der Webseite zu fehlen. Die „Association luxembourgeoise des journalistes professionnels“ (ALJP) zeigte sich ebenfalls in einer Pressemitteilung sehr besorgt über die jüngsten Entwicklungen in der Affäre. Es handle sich ganz offensichtlich um einen eindeutigen „Whistleblower“-Fall mit einem aufmerksamen Bürger, bei dem es „offensichtliche Einschüchterungsversuche gegeben hat“, wie die ALJP feststellt. Dies sei nicht zu tolerieren. Die Vereinigung weist deshalb auch darauf hin, dass es im Großherzogtum auch weiterhin keinen allumfassenden Schutz für „Whistleblower“ gebe - ein Missstand, der nicht im öffentlichen Interesse sein könne.