LUXEMBURG-KIRCHBERG
CLAUDE MÜLLER

Goran Bregovic & His Wedding and Funeral Orchestra in der Philharmonie

Etwa hundert Konzerte pro Jahr bringt er bei seinen internationalen Tourneen mit seiner groß orchestralen Formation (19-köpfig!) auf die Bühnen der Welt, der „jugoslawische“ Komponist und Bandleader Gregor Bregovic.

Bekannt wurde der Orchesterchef in den 1980er und -90er Jahren hauptsächlich durch seine Filmmusiken für viel beachtete Produktionen. Dass schon sein erster Auftritt in der Philharmonie ein voller Erfolg war, ist gewusst. Seine Klasse stellt er am Montag im völlig ausgebuchten großen Konzertsaal der Philharmonie auf ein Neues unter Beweis .

Klangfeuerwerk

Ein grandioses Feuerwerk an Klangkombinationen verschiedenster balkanischer Kulturen, gespickt mit dem unvergleichlich dezenten Humor der uns fast exotisch anmutenden Mentalitäten bestimmten den Ablauf des spektakulären Programms mit nahtlosen Inszenierungen einer prächtigen Reise in eine wunderbare Welt, wo überschwänglicher Freudentaumel, tiefe Trauer und Besinnlichkeit dicht beieinander liegen.

Ein solch abwechslungsreiches, farbenreiches musikalische Spektakel live zu erleben hat schon absoluten Seltenheitswert.

Ein Fünf-Mann-Blasorchester, ein sechsstimmiger Männerchor, zwei bulgarische Vokalistinnen und ein Streichquartett boten abwechselnd in Einzelinterpretationen, a capella oder im Kollektiv einen Überblick über das einfallsreiche kompositorische Schaffen des Meisters, des Gitarristen, Arrangeurs und Leaders Gregor Bregovic.

Voluminöses Bläserensemble

So waren die meisten Werke suitenartig konzipiert und erinnerten zumindest am Anfang an die Strukturen von Carl Orffs „Carmina Burana“. Der farbenfrohe Cocktail aus Demonstrationen virtuoser Solisten und ergreifenden Arrangements der Extraklasse ließen die faszinierende Soiree zu einem raren Erlebnis mit pausenlosen, bewegenden und anspornenden Höhepunkten aufleben.

Das Besondere an dieser Performance ist ihre spontane Art, das Publikum mit der breit-gefächerten Plattform der Ausdruckskraft verschiedener Stimmungsbarometer in ihren Bann zu ziehen.

So konnte das Publikum sowohl Szenen aus freudigen Hochzeitsfeiern, als auch aus ergreifenden Begräbniszeremonien oder ausgelassenen Tanzveranstaltungen hautnah miterleben, immer mit einem Hauch von Nostalgie und heiler Welt perfekt publikumsgerecht verarbeitet.

Speziell der voluminöse Klangkörper des Bläserensembles mit seinen kontrapunktisch hochinteressanten Variationen und Kadenzen sorgten für den nötigen Drive, der das Spektakel immer wieder anfeuerte.

Fazit: Ein ungewöhnlich hochkarätiger Ausflug der besonderen Art und Weise in eine für uns traumhafte Märchenwelt, deren Inhalt aber unverblümt die Realität und das Ambiente der Sinti und Roma widerspiegelte.