ROM/LUXEMBURG
LJ MIT DPA

Coronavirus: Italien riegelt ganze Region ab - Fünfter Fall in Luxemburg

Die Zahl der Fälle von Coronavirus-Infizierten in Luxemburg liegt derzeit bei fünf. Nachdem am 29. Februar ein erster Fall gemeldet worden war, wurde am Samstagabend bereits ein vierter und gestern am späten Nachmittag ein fünfter gemeldet. Die betroffene Person befindet sich in Quarantäne, sie kehrte gerade aus dem Elsass zurück.

Sperrzonen in Norditalien

In Europa ist vor allem Italien von der Epidemie betroffen und greift hart durch im Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Die Regierung hat einen großen Teil des Nordens zur Sperrzone erklärt - und damit Chaos ausgelöst. 16 Millionen Menschen in der Region Lombardei mit der Metropole Mailand und in Städten wie Venedig oder Parma dürften nur noch bei triftigen Gründen aus der Gegend hinaus oder in sie hinein, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. In Süditalien warnten Regionen vor einen Ansturm von Menschen aus dem Norden. Die Regierung rief Touristen auf, die Sperrzone zu verlassen. Bahnhöfe und Flughäfen seien geöffnet.

Conte bestätigte weitreichende Verbote für das ganze Land. Alle Kinos, Theater, Museen, Sportclubs, Demonstrationen und viele andere Veranstaltungen müssen schließen oder fallen aus. Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum und die Vatikanischen Museen sind nun bis auf Weiteres geschlossen. Das traditionelle Angelusgebet von Papst Franziskus gibt es nur noch als Videoübertragung.

Die Sperrungen in der Lombardei und 14 anderen Provinzen gelten ab sofort bis zum 3. April. Conte sagte, es gebe keinen Stopp für Flüge und Züge. Es handle sich nicht um «rote Zonen». Aber eine Fahrt müsse einen Grund haben. Die Polizei könne Menschen anhalten und danach fragen. Wer zum Beispiel wegen der Arbeit in eine andere Gegend muss, muss bei Kontrollen ein Schreiben des Arbeitgebers vorlegen. Güterverkehr ist genehmigt. Auf den Autobahnen soll es Kontrollen an Ausfahrten geben. Verstöße gegen die Anweisung können mit bis zu drei Monaten Haft und einer Geldbuße von 260 Euro bestraft werden, berichteten Medien.

„Wir stehen vor einer nationalen Notlage“, sagte Conte. Von den Abriegelungen sind neben der Lombardei, dem wirtschaftlichen Herz Italiens, auch folgende Provinzen in der Emilia-Romagna, in Venetien, Piemont und in den Marken betroffen: Modena, Parma, Piacenza, Reggio Emilia, Rimini, Pesaro und Urbino, Alessandria, Asti, Novara, Verbano Cusio Ossola, Vercelli, Padua, Treviso und Venedig.

Reisende wussten aber zunächst nicht, welche Regel nun galt. Viele verließen noch in der Nacht die Sperrzone. „Bekannte sollten sich mit Freunden treffen und sind sofort aus Padua wieder rausgefahren. Sie hatten Panik, dass sie hierbleiben müssen“, erzählte Katrin Hupke, eine Deutsche, die in Padua lebt. Schlechte Information treibe die Menschen in die Flucht. Die Fluggesellschaft Alitalia kündigte an, von Montag an Mailand Malpensa nicht mehr anzufliegen.

Italien ist der Staat in Europa mit den meisten bestätigten Sars-CoV-2-Infektionen. Die Zahl der Infizierten und Toten steigt trotz umfangreicher Gegenmaßnahmen stetig an. Bis Sonntag zählten die Behörden mehr als 7.300 Menschen mit einer nachgewiesenen Infektion. Mehr als 360 von ihnen sind gestorben. Am meisten betroffen ist die Lombardei, gefolgt von der Emilia-Romagna und Venetien. Die Präsidenten südlicher Regionen wie Apulien, Sizilien oder Kampanien kündigten an, dass Menschen aus den Sperrzonen in häusliche Isolation oder Quarantäne müssten.

Weltweit 100.000 Infektionen - 3.500 Todesfälle

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete von Menschen, die in Mailand in Züge oder Busse stiegen, um die Stadt zu verlassen - ohne kontrolliert zu werden.

Die neuen Ankündigungen der Regierung dürften den Alltag der insgesamt rund 60 Millionen Bürger weiter verändern, nachdem die bisher schon getroffenen Maßnahmen wie landesweite Schulschließungen bereits viele tagtäglich treffen. „Wir haben zwei Ziele: Die Ausweitung der Ansteckung einzudämmen und eine Überlastung der Krankenhauseinrichtungen zu vermeiden“, erklärte Conte. Man dürfe die Zonen nur aus „ernsten und unvermeidlichen“ Anlässen betreten oder verlassen, etwa zum Zwecke der Arbeit oder aus familiären Gründen, hieß es.

Auch innerhalb der neuen Sperrzonen dürfen sich Bewohner nicht mehr völlig frei bewegen, wie der Premier ankündigte. „herrscht eine eingeschränkte Mobilität“, sagte er. Man solle sein Haus nur aus gutem Grund verlassen. Bars und Restaurants dürften nur von 6.00 bis 18.00 öffnen - und das nur, wenn sie dafür sorgten, dass zwischen den Gästen ein Abstand von mindestens einem Meter gewährleistet sei. Auch für Läden wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt.

Weltweit sind inzwischen mehr als 100.000 Infektionen und rund 3.500 Todesfälle registriert - die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle dürfte Experten zufolge noch weit darüber liegen. Die meisten Infektionen verlaufen weiterhin mild, ein Großteil der Betroffenen hat kaum Symptome oder kann nach einigen Tagen bis Wochen wieder geheilt aus der Klinik entlassen werden.

Auch in den Regionen um Luxemburg häufen sich die Fälle von Coronavirus-Infektionen. Im Département Moselle wurden der Nachrichtenagentur Agence France Presse zufolge bislang acht Fälle gemeldet. Die meisten ließen sich zurückverfolgen ins elsässische Mulhouse, wo Ende Februar ein großes evangelikales Treffen stattfand. Im Département Haut-Rhin werden die Schulen ab heute für 15 Tage geschlossen.

Belgien meldete gestern 31 neue Infektion. Bislang wurden 200 Infektionen im Nachbarland registriert, 53 davon in Wallonien. Die Behörden in Rheinland-Pfalz schließen wegen der Zunahme der Coronavirus-Infektionen vorsorglich sieben Schulen. Beim Chemiekonzern BASF ist zudem ein Mitarbeiter am Standort Ludwigshafen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hatte am Sonntagvormittag von bis dato 19 nachgewiesenen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Rheinland-Pfalz berichtet. Die Zahlen im Saarland halten sich bislang in Grenzen, hier wurden vier Infektionen gemeldet. Die Nähe des Bundeslandes zu Frankreich erweist sich als zusätzliches Einfallstor.

LJ mit DPA/AFP
Informationen des luxemburgischen Gesundheitsministeriums
zum Coronavirus: www.gouvernement.lu/coronavirus