TRIERCHRISTIAN SPIELMANN

Das Ballet „The Tramp“ erzählt das Leben des Schauspielers

Nach erfolgreichen Tanzstücken über das Leben von unter anderem Edith Piaf und Marc Chagall hat Sven Grützmacher, Leiter des Tanztheaters im Theater Trier, ein Ballett über Charlie Chaplin, den wohl besten Kinoregisseur und -schauspieler aller Zeiten erschaffen. „The Tramp“ feierte am Wochenende Premiere.

Eine Frau als Chaplin

Charles Spencer Chaplin wurde wahrscheinlich am 16. April 1889 im Süden von London geboren. Das Ballett, mit Musik aus Chaplins Filmen und Songs aus den 1930er, 1940er und 1950er Jahren untermalt, zeigt die wichtigsten Stationen in seinem Leben. Juliane Hlawati tanzt die Rolle Chaplins, dem sie mit ihrer kurzen Frisur sogar ähnelt.

„The Kid“ war ein wichtiger Film in Chaplins Karriere. Am Anfang tanzen Männer mit Melonen und Regenschirmen, und ein obdachloser Junge (Christin Braband) streunt zwischen ihnen umher. Inmitten dieses Gewühls taucht der erwachsene Chaplin auf, und man ahnt, dass der „Kid“ und er ein und dieselbe Person sind. Während sich Chaplin auf einem großen Stuhl sitzend die Kostüme seiner Filmfigur, dem Tramp, anzieht - Melone, Frack, übergroße Schuhe - den zwei Finger breiten Schnurrbart anklebt und seinen Stock als Gehhilfe benutzt, tanzt ein Paar auf der Bühne - seine Eltern - zu „Blame My Absent Minded Heart“ von Doris Day.

Unvergessliche Filme

Das blinde Blumenmädchen (Sandra Huber) aus „City Lights“ taucht auf der Bühne auf. Behutsam nähert sich der Tramp dem Mädchen, und eine Berührung genügt, dass sie ihn später wiedererkennt. Erinnerungen an einen der besten Chaplin-Filme werden wach, genau wie an die Emotionen, welche er auslöste. Zu dem Cole-Porter-Song „Night and Day“ taucht ein in Weiß gekleideter Rollschuhläufer (Robert Seipelt) auf, der um die Gunst der blinden Frau wirbt, eine Szene, die mit einer Slapstick-artigen Schlägerei endet.

Die Musik aus „Modern Times“ ertönt, und Männer und Frauen in Arbeitskleidung tanzen, während Maschinen auf die hintere Bühnenwand projiziert werden. Zu Vera Lynns „Dream When You’re Feeling Blue“ zeigt sich Chaplin als Frauenheld, mal romantisch, mal keck und frech.Chaplin steht nun im Boxring und kämpft gegen einen stärkeren Gegner. Die Szene aus „City Lights“ sorgt für ein paar Lacher, kommt sie dem Original nahe. Die Musik aus „The Great Dictator“ erklingt. Diktator Hynkel (Ayumi Noblet) sitzt in einer durchsichtigen Kugel. Chaplin befreit ihn und hält anschließend die Rede von Hynkels Doppelgänger, dem jüdischen Barbier, über die Freiheit der Menschen.

Die Szene fließt in ein trauriges Kapitel in Chaplins Leben über, dem Prozess im McCarthy-Regime, in dem er für einen Kommunisten gehalten wurde. Eine rote Teekanne mit einer Chaplin-Marionette rollt zu Vera Lynns Lied „We’ll Meet Again“ über die Bühne, und Chaplin steckt ihr eine Schweizer Flagge an: Er hat Amerika den Rücken gedreht und stirbt 1977 in Vevey.

„The Tramp“ ist in erster Linie eine außergewöhnliche Hommage an Chaplin, als denn ein Ballett für Freunde dieser Tanzkunst. Das Tanzstück von Sven Grützmacher sollte sich daher kein Chaplin-Fan entgehen lassen.


Weitere Informationen und Tickets unter www.theater-trier.de