LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

David Coulthard, Ex-Formel 1-Pilot und Geschäftsmann, spricht über das Leben nach dem Motorsport, Gemeinsamkeiten von Liz Taylor und Red Bull sowie Berufswünsche seines Sohnes

Er sitzt ganz locker im Dreiteiler da und wartet auf die, die eigentlich seine Berufskollegen sind: David Coulthard, Ex-Formel-1-Fahrer, BBC-Kommentator, Berater und noch vieles mehr spricht später vor 850 Luxemburgern in der Philharmonie über Innovation und Gewinnstrategien. Darüber hat er sich mit dem CEO der Banque International à Luxembourg (BIL) schon kurz ausgetauscht. Die Bank, die ihn als Redner gebucht hat, lässt einige, kurze Interviews zu.

Der 44-Jährige, der die Formel 1 2008 verließ, lebt eigentlich mit seiner belgischen Frau Karen Minier, deren Tochter aus erster Beziehung und dem gemeinsamen Sohn Dayton in Monaco. Aber der gebürtige Schotte ist viel unterwegs in der Welt. Einmal im Jahr kommt er auch nach Luxemburg. Heute sitzt der Mann, der als Gentleman eines Sportes gilt, der von röhrenden Motoren und wundersamen Phänomenen wie Boxenludern lebt, ganz entspannt im Besprechungsraum.

Herr Coulthard, brauchen Unternehmer und Formel 1-Piloten die gleichen Qualitäten?

David Coulthard Der Formel 1-Sport ist ein Geschäft. Am Ende kommt es immer auf das Gleiche raus: Big Business, harte Arbeit, Teamarbeit. Als Fahrer hältst Du Dein Gesicht hin. Aber dahinter stehen noch tausend Leute, die mit zum Team gehören oder davon leben.

Sie waren in verschiedenen Teams. Für McLaren haben Sie rund 150 Grand Prix absolviert, aber Sie sind auch für Red Bull gefahren und in der DTM für Mercedes. Wird überall das Gleiche erwartet?

Coulthard In den Rennställen halten die Ehen nicht ewig, das ist einfach so. Wer einen Vertrag unterschreibt, bleibt nicht immer mit einer Marke zusammen. Was aber viele Leute nicht sehen wollen: Der Fahrer selbst ist auch Kunde und er ist nie zufrieden. Das gehört zum Job. Sonntag gewinnt er ein Rennen und am Montag beschwert er sich nach der Fahrt über alles, was nicht perfekt war. So werden die Wagen weiterentwickelt. Da muss man schon weiter gehen wollen, hungrig sein.

Was machen Sie seit Ihrem Karriereende genau? Managen Sie noch Hotels?

Coulthard Nein, 75 Prozent des Geschäfts habe ich jetzt verkauft. Ich habe eine ganze Reihe von Aufgaben. Für die BBC kommentiere ich, dann rede ich darüber, was ich in Rennen gemacht habe. Darüber hinaus berate ich Red Bull und Mercedes und andere, die ich nicht erwähnen werde. Für die Uhrenmarke TH Steel mache ich Werbung und dann sind da noch private Geldanlagen. Seit fünf Jahren bin ich bei Whisper Films aktiv, da gehören mir 20 Prozent. Channel 4 in Großbritannien hat sich an uns beteiligt. Wir konzentrieren uns auf Sportfilme. Wir haben für Sponsoren der Formel 1 wie Red Bull und Shell gearbeitet. Für UBS haben wir einen Film über den Grand Prix in Monaco gemacht. Jetzt haben wir einen Vertrag mit der National Football League, der NFL. Verstehen Sie etwas von American Football? Das ist deren Verband.

Nein, die Regeln habe ich nie verstanden. Aber ich habe mich gefragt, wie Sie Red Bull beraten. Die haben doch alle brüskiert mit ihrer Aktion, erst offen schlecht über ihren Motorlieferanten Renault zu reden und sich dann von ihm zu trennen, anschließend bei Ferrari nachzufragen und abzublitzen und am Ende bei Mercedes anzuklopfen und ebenfalls eine Absage zu erhalten. Jetzt stehen sie für die nächste Saison ohne Motor da...

Coulthard Ich denke, schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen, ist nie eine gute Sache. Meist macht man das aber, wenn die Beziehung schon vorbei ist, wenn die Enttäuschung so groß ist, dass man das nicht mehr verstecken kann. Red Bull - die ich in der Sache nicht beraten habe - geht es wie Richard Burton und Elisabeth Taylor. Die waren auch mehrfach verheiratet. Red Bull muss zurück zu der Frau, die er fallen lassen hat. Das ist nicht einfach...

Ebenfalls nicht einfach ist die Situation des Lotus-Teams, dessen Präsident der Luxemburger Gerard Lopez ist...

Coulthard Da scheint es ja jetzt eine Übereinkunft zu geben. Für Genii Capital ist es schwierig, weil sie nicht so viel Geld haben. Fünf Millionen für einen Motor ist eine Sache. Aber wenn der 20 Millionen kostet, ist das eine ganz andere Sache. Und wenn man die Differenz auftreiben muss, ist es schwierig... Genii hat ein anderes Geschäftsmodell und ist in verschiedenen Bereichen aktiv. Aber Lotus und Formel 1 sind bekannte Namen. Da hängen 700 Mitarbeiter dran, viele gute Leute.

Sie haben 2008 eine Motorsport-Journalistin geheiratet, mit der Sie einen Sohn haben. Will der auch Formel 1-Fahrer werden, so wie sein berühmter Vater, der mit elf Jahren anfing?

Coulthard Nun, er ist ja erst sieben Jahre alt. Ich möchte vor allem, dass er höflich, respektvoll,geborgen und glücklich ist. Wenn er Formel 1-Pilot werden will, kann er das machen. Aber im Moment wechselt das wöchentlich, mal ist es Feuerwehrmann, mal Archäologe. Da steht noch nichts fest.

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Zur Person: Der 1971 geborene Brite begann mit elf Jahren, Rennen zu fahren. Mit 22 Jahren übernahm er den Platz von Ayrton Senna im Team Williams und gewann ein Jahr später den ersten Grand Prix. Acht Jahre war er Rennfahrer für für McLaren, ab 2005 dann für das Red Bull Team. 2008 zog er sich aus der Formel 1 zurück und kommentiert seither für die BBC Rennen als Experte. Coulthard berät Red Bull und tritt regelmäßig als Redner auf. Er ist Mitglied der „Order of the British Empire“ und Botschafter für die Querschnittsgelähmten-Organisation „Wings of Life“. 2007 erschien seine Autobiographie „It is what it is“. Er fuhr 246 Grand Prix-Rennen und gewann 13 Mal. Coulthard hat einen Flugzeugabsturz überlebt und ist seit 2008 mit einer belgischen Motorsportjournalistin verheiratet, mit der er in Monaco lebt und eine Familie hat.

www.davidcoulthard.co.uk