PASCAL STEINWACHS

Im Gegensatz zum Scheinriesen „Tur Tur“ aus Michael Endes Kinderbuchklassiker „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, der, je näher man ihm kommt, immer kleiner wird, und in Wirklichkeit sogar ein Mann von ganz normaler Größe ist, erscheint einem Luxemburg - und das dürfte insbesondere für aufmerksame Beobachter aus dem Ausland der Fall sein - immer größer, je mehr man sich mit dem Land befasst. Wenn deutsche oder andere europäische Politiker in den Medien also mal wieder von oben herab vom kleinen Luxemburg sprechen, dann sind das in der Regel frustrierte Provinzpolitiker, die sonst keine Möglichkeit haben, um auf sich aufmerksam zu machen; wirklich wichtige Politiker haben so was nicht nötig, und scheren sich keinen Deut um die Einwohnerzahl oder die Fläche eines Landes.

Dass es nicht auf die Größe ankommt, darauf wies jetzt noch einmal Staatsminister Bettel hin, der in den vergangenen Tagen auf offizieller Visite in China weilte, das nun aber einmal auch das bevölkerungsreichste Land dieser Erde und ebenfalls flächenmäßig der viertgrößte Staat dieser Welt ist, der sich inzwischen zur größten Exportnation entwickelt hat. Nein, auf die Größe kommt es in diesem Fall tatsächlich nicht an, und Komplexe muss Luxemburg in dieser Hinsicht wirklich nicht haben, und trotzdem ist es alles andere als selbstverständlich, dass ein Land wie Luxemburg von einem Land wie China auf höchster Ebene empfangen wird. Der Zeitpunkt dieser offiziellen Visite hätte allerdings nicht besser gewählt sein können, nämlich zu einem Moment, wo die USA sich von Europa abwenden und der Brexit dafür sorgt, dass der Finanzplatz Luxemburg, der sowieso schon die sechs größten chinesischen Banken beherbergt, noch attraktiver wird - auch für die Volksrepublik, die international immer wichtiger wird.

Dass Xavier Bettel keine Komplexe hat, wurde aber auch ersichtlich, als er den Präsidenten des ständigen Ausschusses des nationalen Volkskongresses, der seinen luxemburgischen Counterpart Mars Di Bartolomeo nach China einlud und Bettel darum bat, dies doch bitte dem Kammerpräsidenten mitzuteilen, höflich aber bestimmt daran erinnerte, dass in Luxemburg Gewaltentrennung herrsche.

In China ist Luxemburg jedenfalls „auf Augenhöhe“ empfangen worden, und wird dort als Partner angesehen, „mit dem man arbeiten“ könne, wie Xavier Bettel seine viertägige Visite zusammenfasste, die mehr als ein Höflichkeitsbesuch zum 45-jährigen Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern, die in diesem Jahr gefeiert werden, gewesen ist. Vielmehr konnten konkrete Resultate erzielt werden, unter anderem im Bereich der Logistik und des Transports, der Finanzen, der audiovisuellen Produktion und des Tourismus.

Solche Reisen auf höchster Ebene sind dann auch besonders für Länder wie Luxemburg ungemein wichtig, können hier doch ganz andere Kontakte geknöpft werden, als dies bei den Auslandsreisen gewöhnlicher Minister der Fall ist. Der Staatsminister figuriert bei solchen Reisen, genauso wie der Erbgroßherzog bei Wirtschaftsmissionen, als Türöffner, und wenn man dann auch noch die besondere Gabe hat, so wie Xavier Bettel quasi jeden für sich einzunehmen, dann kommt dies auch unserem Land zugute - fernab jeglicher „Luxembourg. Let’s make it happen“-Sprüche...