CLAUDE KARGER

Die entrüsteten Nachrichten über Luxemburg nach „LuxLeaks“ kommen und gehen, die Talkshows dazu ebenfalls. Wobei dort zwar mächtig - und richtig - über Moral und Unmoral diverser Praktiken diskutiert wird, bisher aber noch niemand bewies, dass diese Praktiken, die in vielen Ländern Standard sind, illegal wären. Nun, das alles hilft Luxemburg natürlich nicht aus der Patsche, genauso wenig wie der juncker‘sche Vorstoß, alle Nationen zu zwingen, ihre Ruling-Karten auf den Tisch zu legen. Die Regierung setzt deshalb auf Charme und Humor, weshalb ihr Chefdiplomat am Mittwochabend einen großen Auftritt im deutschen Ersten hatte, wo Madame Will den „wahnsinnig charmanten, sympathischen Außenminister“ mit offenen Armen empfing. Der spielte lieber klein, klein. Eine Auswahl: „Wir sind doch zu klein, um alles auf unseren Schultern zu tragen, was steuerpolitisch falsch gelaufen ist“ - „Als kleines Land haben wir keinen Platz für so viele Häuser, deshalb haben wir so viele Briefkästen“. Aber einen Satelliten habe man, „damit wir die Kavallerie hören, wenn sie kommt“, witzelte Asselborn in Anspielung auf eine Aussage seines Genossen Peer Steinbrück vor Jahren. Hinreißend. Allein die tiefrote Sahra verblieb gänzlich unbezirzt und findet noch immer, Luxemburg führe sich in Europa auf „wie ein Elefant im Porzellanladen“. Dann aber ein ganz kleiner und lieber.