LUXEMBURG
MARA KROTH

Ivan Cardoso interviewt Start-up-Gründer, während er mit ihnen durch Luxemburg fährt

Ivan Cardoso (23) ist der Startup Chauffeur. Der Luxemburger studiert „International Business“ in Rotterdam und hat im August letzten Jahres sein zweites Start-up ins Leben gerufen. Als Startup Chauffeur lädt er Gründer auf eine Rundfahrt ein, bei welcher sie im Autositz vor laufender Kamera sämtliche Fragen beantworten. Was gefragt wird, entscheiden die Zuschauer vorab in den sozialen Netzwerken. Ivan kreiert somit eine Transparenz in der Startup- Szene, die Neu- Gründer in ihrem Vorhaben motivieren und inspirieren soll. Auf der anderen Seite möchte er Gründern eine Plattform geben, um sie bekannter zu machen.

Was macht der Startup Chauffeur?

Ivan Cardoso Der Startup Chauffeur bin ich selbst. Ich ziehe meinen Anzug, meine Handschuhe und meine Chauffeur-Mütze an und steige in mein Auto. Bei dem Konzept geht es um eine Interview-Reihe, in der inspirierende Startup-Gründer die Fragen von Leuten beantworten, die vorher auf sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #askfounders gestellt wurden. Ich fahre die Gründer durch die Stadt und sie beantworten im Auto vor laufender Kamera die Fragen, die meine Follower interessieren. Die Videos haben eine Dauer von maximal zehn bis fünfzehn Minuten und werden im Anschluss von mir auf YouTube hochgeladen. Auf Facebook, Twitter, Instagram und Linkedin kann man dem Startup Chauffeur folgen und die Interviews sehen.

Warum hast Du den Startup Chauffeur ins Leben gerufen?

Cardoso Bevor ich mit Startup Chauffeur angefangen habe, hatte ich mein erstes Start-up „Anycity“ gegründet. Damals kamen viele Freunde und Bekannte auf mich zu, die nie geglaubt hätten, dass ich etwas gründen würde. Die haben mir richtig viele Fragen gestellt, beispielsweise, wie ich das mit dem Startup gemacht habe und dass sie auch gerne eines gründen würden. Auf der anderen Seite habe ich selbst viele coole Gründer kennengelernt und mir hat es enorm geholfen, mit inspirierenden Gründern zu sprechen. Ihnen Fragen zu stellen und von ihnen zu lernen bedeutete, mich selbst besser kennenzulernen. Sehr viele Leute kennen jedoch keine Gründer, daher dachte ich mir: Wieso verbinde ich nicht beides in einem coolen, catchy Konzept? Außerdem können die Leute selbst die Fragen stellen, damit sie etwas lernen. Daher Startup Chauffeur und nicht nur ich.

Was ist Dir wichtig, wenn Du Gründer für ein Interview aussuchst?

Cardoso Ich versuche, mich so breit gefächert wie möglich aufzustellen, damit es so interessant wie nur möglich für meine Zuschauer wird. Jemanden, der ein Buch geschrieben hat, finde ich genauso cool wie jemanden, der ein Tech Start-up gegründet hat. Es soll für jeden etwas dabei sein. Mir ist es außerdem wichtig, 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen vor der Kamera zu haben. Ich will zeigen, dass es auch richtig viele Powerfrauen da draußen gibt und dafür gab es auch schon richtig gutes Feedback von den weiblichen Zuschauerinnen.

Dann schaue ich mir noch an, was die Leute bisher erreicht haben, wie die Entstehungs-Story ist, aber auch, wie das Team aufgestellt ist. Wollen die wirklich was zurückgeben oder stellen sie sich selbst in den Vordergrund? Hier höre ich auf mein Bauchgefühl.

Wie sieht die Zukunft für Dich aus und was möchtest Du gerne erreichen?

Cardoso Ich habe kürzlich mein erstes Sponsoring von RTL Luxemburg und Losch Luxemburg erhalten. Das Auto, welches ich in den Interviews fahre, wird von Losch gestellt und dafür bin ich sehr dankbar. Mein Ziel ist es natürlich, in der Zukunft noch mehr Sponsoren und Partner anzuziehen, damit es in der Zukunft auch profitabel für mich wird.

Das ultimative Ziel wäre natürlich, dass Start-ups oder Firmen mich dafür bezahlen, dass ich zu ihnen komme und ihre Leute vor Ort interviewe. International würde ich gerne die Gründer-Szene entdecken, noch mehr inspirierende Gründer kennen lernen und somit noch mehr Leute inspirieren. Das ist mein Hauptziel. Bis jetzt sind schon zwei Leute auf mich zugekommen und haben gesagt, dass sie ein Start-up gegründet haben wegen mir. Da hatte ich schon Pipi in den Augen, denn das fand ich richtig bewegend.

Du hast schon einige Gründer aus Rotterdam, wo Du studierst, mitgenommen, aber auch sehr viele luxemburgische Gründer. Was fällt Dir besonders in der luxemburgischen Start-up Szene auf?

Cardoso Luxemburg liegt zentral, die Startup- Szene ist sehr offen und die Wege sind extrem kurz. Wenn du etwas machst, was „Value“ hat, das die Leute gerne sehen und cool finden, dann kommst du hier in Luxemburg sehr viel leichter an die richtigen Menschen ran, die dich weiter bringen können. Das Netzwerk ist sehr offen und auch kleiner, was einiges erleichtert im Gegensatz zu größeren Städten wie zum Beispiel Amsterdam oder Berlin. Dort sehen ich den größten Vorteil für Start-ups. Hier kann man sich niederlassen und dann über die Grenzen ausbreiten, um international zu werden.