LUXEMBURG
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Luxemburger Band vertritt auf Weltfunkkonferenz in Ägypten EU-Positionen

Der Sänger will nach dem Mikrofon greifen - aber da ist nichts mehr. Er dreht sich zum Gitarristen um, der eben noch lustvoll gespielt hat. Jetzt blickt er entsetzt auf seine leeren Hände. Dem Drummer ergeht es nicht besser. Und das Publikum, das eben noch die Konzerthalle füllte: Fehlt. Dann taucht ein Schriftzug auf: „Helft uns, Funkfrequenzen für die Kultur und Kreativindustrie zu sichern, die von der Zuordnung an mobile Netzbetreiber bedroht sind“. So sieht der Spot aus, in dem die Luxemburger Band CHEAK! auftritt. Den haben sie nicht egal wo, sondern in Ägypten auf der Weltfunkkonferenz vorgeführt: Als Gewinner eines Wettbewerbs für den Clip.

Ohne Frequenzen - keine Musik

CHEAK! wurde nämlich im Sommer ausgewählt, die Position der europäischen Kultur- und Kreativwirtschaft auf der Weltfunkkonferenz zu vertreten - mit einem Video. Der zwei Minuten lange Clip zeigt, wie die Band in der Rockhal auftritt, ihren Hit „Lover’s Lane“ singt, zunächst ihre Frequenzen und dann ihre Fans verliert. Ergo: Ohne Frequenzen für Funkmikrofone gibt es auch keine Musik! In vielen Ländern sind diese Frequenzen nun tatsächlich in Gefahr, vor allem in Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Italien und Großbritannien.

Funkmikrofone werden in der Kultur- und Kreativwirtschaft, der Veranstaltungsbranche, bei Sportereignissen und in vielen Freizeit- und Hobbyanwendungen genutzt. Jedes Mikrofon braucht eine eigene Frequenz, um funktionieren zu können. Diese Frequenzen liegen meist im UHF-Spektrum zwischen 470 und 694 Megahertz (MHz). Dort teilen sich die Mikrofone den Bereich mit der terrestrischen Übertragung von Fernsehen und Radio. Dieser Bereich könnte aber bei der Weltfunkkonferenz, die noch bis zum 22. November tagt, verloren gehen.

CHEAK! wurde aus 42 Bands ausgewählt

Die Initiative „SOS - Save Our Spectrum“ kämpft gegen diese Bedrohung. Zu jeder Weltfunkkonferenz, die alle vier Jahre stattfindet, präsentiert sie einen Videoclip, der auf die Anliegen der Kultur hinweist. In diesem Jahr wurden dafür 42 Bands aus mehreren Ländern gecastet. Die Wahl fiel erstmals auf ein luxemburgisches Ensemble. CHEAK! konnte mit ihrem Lied „Lover’s Lane“ überzeugen, das gleichzeitig als eingängig und exzentrisch empfunden wurde: Lebensfreude pur.

„Wir wollen ein Gefühl von Jugend und Freiheit vermitteln; die Freude am Feiern und am Leben.“ Das sagen Loup Schwartz, Kevin Heinen, Denis Schumacher und David Marx, vier junge Musiker aus Luxemburg, die die Band CHEAK! im Frühjahr diesen Jahres gegründet haben. Im November 2018 haben sie ihre erste EP in Lissabon aufgenommen und im April dieses Jahrs feierten sie ihre große Release-Party in der Rockhal. Doch dann ging es ganz schnell noch größer hinaus.

Die Produktion des Videos und der Kampagne erfolgte in Luxemburg, durch die jungen Start-Ups Sonic Invasion und FOQUS, die im 1535° Creative Hub Differdingen beheimatet sind. Das Video wurde Ende September in der Rockhal mit Hilfe von 40 Statisten aus Luxemburg gedreht. Auf der nun tagenden Weltfunkkonferenz in Ägypten geht es viral - und hat viel mehr Views und Klicks an die meisten Videos der anderen Gruppen und sogar des Veranstalters. Auch die Botschaft wird klar vermittelt: Sollten die Frequenzen, die bisher für Kultur und Medien genutzt werden, verloren gehen, werden Live-Events in Europa immer schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich. Anders als politische Resolutionen und akademische Papiere spricht der Clip Herz und Gefühle an.

 

Link zum Video: www.facebook.com/cheakband sowie www.sos-save-our-spectrum.org/video/

Wir haben über die Band bereits im Frühjahr berichtet: tinyurl.com/cheakjournal