BERLIN
KIM GREIS

Die Deutsche Chemische Gesellschaft feierte ihr 150-jähriges Bestehen

Die Deutsche Chemische Gesellschaft wurde 1867 von August Wilhelm von Hofmann gegründet. Sie war eine der ersten ihrer Art und deutlich am Aufschwung der deutschen chemischen Industrie beteiligt. Die Gesellschaft vereinigt industrielle und akademische Forscher. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) umbenannt. Seitdem ist viel passiert, die deutsche chemische Industrie hat ihrer Vorreiterrolle mit weltweit führenden Konzernen wie Merck und BASF gefestigt und die Forschung zählt zu den Besten weltweit. Die GDCh ist auch Herausgeber des weltweit renommierten Journals „Angewandte Chemie“. Die Geburtstagsfeier dauerte vom 10. bis zum 14. September 2017.

Dem Geburtstag wurde ausgiebig mit einer pompösen Eröffnungsfeier gehuldigt. Diese fand im Berliner Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt statt und als Besucher merkte man ganz schnell, dass sich viele Größen der deutschen Chemie hier versammelt hatten. Neben der Begrüßung durch die Präsidentin der GDCh gab es zahlreiche Ansprachen und Glückwünsche durch verschiedene internationale chemische Gesellschaften sowie die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka. Im Anschluss wurden Ehrenmitgliedschaften verteilt und der Nobelpreisträger Roald Hoffmann wurde mit dem neu gegründeten Primo Levi-Preis ausgezeichnet. Primo Levi war ein italienischer Chemiker, der trotz seiner jüdischen Herkunft 1941 ein Chemiestudium abschließen konnte. Er schloss sich der Resistenza an, wurde jedoch festgenommen und in das Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz deportiert. Aufgrund seiner Ausbildung wurde er von dem Schlimmsten verschont und überlebte. Nach dem Krieg arbeitete er weiter als Chemiker, jedoch verarbeitete er seine Erlebnisse in zahlreichen Büchern (Ist das ein Mensch?, Das periodische System), durch die er einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Plenarvorträge: François Diederich,ein Chemiker aus Luxemburg

Auch vom wissenschaftlichen Programm her wurde der runde Geburtstag ausgiebig gefeiert. Neben den Nobelpreisträgern Ben Feringa, Robert Grubbs, William Moerner und Jack Szostak hielten zahlreiche weitere renommierte Wissenschaftler Plenarvorträge. Unter ihnen auch François Diederich. Der luxemburgische Professor für organische Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich berichtete über strukturbasiertes Wirkstoffdesign und wie man durch das Entschlüsseln von schwachen intermolekularen Wechselwirkungen, neue Mittel gegen Krankheiten entwickeln kann. Weitere Plenarvorträge handelten von der Herstellung von Impfstoffen aus Zuckern, der Entwicklung neuer Formen von Nanocarbon und mögliche Anwendungen oder der Entstehung von Leben aus Molekülen. Viele Redner wussten zu überzeugen, so nahm der Redner David Leigh den Titel seiner Präsentation „Die Magie von molekularen Maschinen“ sehr ernst und integrierte einige verblüffende Zaubertricks in seinen Vortrag.

Nach den Plenarvorträgen fanden zahlreiche kleinere Symposien über viele Teilbereiche der Chemie statt. Neben den Hauptbereichen Organik, Anorganik, Elektrochemie und Analytik wurde auch in kleineren Bereichen wie Nuklear- und Photochemie über die neuesten Errungenschaften in der Forschung berichtet. Im Symposium für Analytik wurden teilweise ganz aktuelle Probleme angesprochen, wie zum Beispiel die Dieselproblematik, Doping oder das Schreddern von Küken. Es wurden neue Methoden vorgestellt, wie man das Geschlecht von Küken, bevor sich Nervenzellen im Ei bilden, spektroskopisch bestimmen kann. Der Dopinganalytiker und -experte Mario Thevis erzählte einige Anekdoten aus seinem Alltag, mit denen er auf sportlichen Großevents konfrontiert wird.

Gelungenes Event mit einer starken Botschaft

Neben zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen, die natürlich den größten Teil einer solchen Konferenz ausmachen, gab es viele andere Veranstaltungen, wie eine Jobbörse oder einen Innovationsmarathon, auf der die Bundesministerin für Energie und Wirtschaft, Brigitte Zypries, einen Vortrag hielt. Zudem gab es Aussteller, die das Event permanent begleitet haben, wie etwa Merck, Evonik und Thermo Fisher. Dabei machten die Aussteller Werbung für ihre Chemikalien und Messgeräte und verteilten auch zahlreiche Goodies an die Besucher.

Auf dem Forum wurde außerdem die Frage aufgeworfen, warum man als Nichtchemiker glauben soll, dass die Welt die Chemie braucht, da man viel zu oft nur von den negativen Begebenheiten hört, nicht jedoch von den vielen positiven Errungenschaften, die in zahlreichen Journalen publiziert werden und auch tatsächlich Anwendung finden. Viele Probleme in der modernen Welt können nur mithilfe der Chemie gelöst werden und sie ist auch nötig, damit zahlreiche alltägliche Dinge überhaupt möglich sind. Es ist also nur folgerichtig, dass die chemische Forschung massiv subventioniert werden muss.

Vor allem auf der Eröffnungsfeier wurden die Redebeiträge dazu genutzt, um zu unterstreichen, dass die Chemie eine internationale Disziplin ist und in ihr keine nationalen Grenzen oder Mauern existieren. Die Chemie lebt vom Austausch, nicht nur zwischen Industrie und akademischer Forschung, sondern vor allem zwischen den Wissenschaftlern. Nur gemeinsam kann man etwas erreichen - gerade heute ein starkes und wichtiges Statement.