LUXEMBURG
SVEN WOHL

Parlamentarische Debatte zum Chinesischunterricht in Luxemburgs Schulen offenbart die zahlreichen Vorzüge des Spracherwerbs

Das Erlernen der chinesischen Sprache birgt zahlreiche Vorteile. In dieser Hinsicht waren alle Sprecher in der gestrigen Debatte zum Chinesischunterricht in Luxemburgs Schulen einig. Angestossen wurde die Diskussion vom adr-Abgeordneten Fernand Kartheiser, der zwar die Möglichkeit, das Chinesische in unseren Schulen zu erlernen, positiv einschätzte, jedoch einige Fragen aufwirft und auch mit Kritik nicht geizt. „Es existiert keine einheitliche Vorgehensweise“, meint der Abgeordnete in seiner anfänglichen Rede. Außerdem glänze eine legale Basis für den Unterricht durch Abwesenheit, während man sich die Frage stellen muss, ob die Schüler durch das Chinesische nicht noch zusätzlich ihr Interesse am Latein verlieren würden. Auch sollte man beim Chinesischlernen seitens der Schüler keine falschen Hoffnungen schüren. Denn vom Niveau her würde es nachher kaum reichen, um auf eine chinesische Universität zu kommen.

Der CSV-Abgeordnete Claude Wiseler unterstützte die Forderungen seines Kollegen der adr. Doch er unterstrich dass auch eine Öffnung gegenüber anderen Kulturen bereits Grund genug sei, um eine Sprache zu lernen, und nicht unbedingt die Annahme auf einer chinesischen Universität. Beim Latein unterstrich der Abgeordnete dagegen, dass es nicht unbedingt wichtig sei, das Latein zu schützen, sondern es von Bedeutung sei, dessen Angebot weiterhin zu versichern. Man müsse sich global betrachtet der Frage stellen, ob die Sprachen, die im Rahmen des luxemburgischen Schulsystems erlernt werden, noch angemessen sei. Das Italienische beispielsweise spiele international nicht mehr eine große Rolle, andere hingegen durchaus.

Zahlreiche Vorteile

„Mehrsprachigkeit ist unsere zweite Muttersprache“, meinte der DP-Abgeordnete Gilles Baum und unterstreichte, wie die anderen Redner auch, die zahlreichen wirtschaftlichen Vorteile, welche das Erlernen der chinesischen Sprache für einen Schüler mit sich bringen könnte.

In seiner Stellungnahme ging der Minister auf die gesetzliche Basis des Großherzoglichen Reglements ein, das die Grundlage für den Chinesischunterricht darstellt. Hier wird sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 2004 bezogen, welche innovative pädagogische Projekte ermöglicht. Für das kommende Schuljar sei ein solche Projekt mit Bezug auf das Erlernen des Chinesischen im „Lycée Michel Rodange“ (LMRL). Das „Lycée Ermesinde“ in Mersch würde derweil das Modell des städtischen Athenées übernehmen. Die Modelle würden getestet und nach drei Jahren ausgewertet werden. Dann könne man über eine Anpassung des Gesetzes, welches den Schulunterricht regelt, nachdenken.

Was die Verdrängung des Lateinischen durch das Chinesische angehe, wusste der Minister zu berichten, dass die Attraktivität des Lateinischen, im Vergleich zum Englischen, bereits zuvor abgenommen hat. Das Chinesische würde hier nicht zusätzlich dazu beitragen, dass Schüler sich weniger für die tote Sprache interessieren.