LUXEMBURG
MARCO MENG

Apax und Luxempart trennen sich von Luxemburger Technikunternehmen

Worüber die Mitarbeiter schon am 31.12. informiert worden waren, wurde jetzt bestätigt: Das Luxemburger Technikunternehmen IEE (International Engineering Electronics) wird vollständig an ein Konsortium aus zwei chinesischen „strategischen Investoren“ und einen internationalen Finanzinvestor verkauft. Die Chinesen sollen dann Mehrheitseigner sein. Wer genau die Käufer sind, wollte man nicht verraten. Eine entsprechende Vereinbarung, die bereits unterschrieben ist, bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden, womit bis Ende Mai gerechnet wird.

IEE war 1989 von der Arbed und der staatlichen Investitionsbank SNCI gegründet worden.

Mit dem jetzigen Mehrheitseigner, der britischen Beteiligungsgesellschaft Apax, ist die Zahl der Beschäftigten in den letzten Jahren von 750 auf derzeit 1.600 gewachsen, auch die Einnahmen wuchsen von 70 auf mittlerweile 160 Millionen Euro, das Bruttoergebnis habe sich verdreifacht.

Zugang zum chinesischen und europäischen Markt

IEE-Geschäftsführer Hubert Jacobs van Merlen erklärt zum Eigentümerwechsel, die strategischen Ziele des Unternehmens und die Vision der neuen Aktionäre würden perfekt zusammenpassen. „Mit den neuen Anteilseignern wird IEE einen besseren Zugang zum chinesischen Markt haben, der uns enorme Wachstumsmöglichkeiten bietet. Zudem böte die starke Position in Europe von IEE die Möglichkeit, die Produkte der neuen Aktionäre hier zu verkaufen und das eigene Produktangebot effektiv zu erweitern.”

Bertrand Pivin vom 70%igen Hauptaktionär Apax Partners, auch Mitglied des IEE-Direktoriums, meint, die neuen Aktionäre seien der „ideale Partner, um IEE in seiner nächsten Entwicklungsphase zu unterstützen“. Mit je 10% sind auch BIP, Luxempart und das IEE-Management selbst am Unternehmen beteiligt.

IEE ist spezialisiert auf Sensortechnik. Die vom Unternehmen entwickelten Sensoren kommen vor allem bei Transport und Automationstechnik, Konsum und Medizin zum Einsatz. Seit 1994 arbeitet das Unternehmen auch für die Fahrzeugindustrie, die inzwischen Hauptabnehmer der IEE-Produkte wie Sensoren für Airbags und Sicherheitsgurt-Warnung ist. Das Unternehmen, das selbst etwa 300 Patente hält, gibt jährlich für Entwickler den „Innovation Award“. Jeder zehnte Mitarbeiter ist im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

Umsatzflaute der Autoindustrie

Die Krise der europäischen Autoindustrie dürfte auch bei IEE zu spüren sein. Schon einmal, 2001, hatte der Technologiebetrieb nach einem deutlichen Umsatzrückgang 60 Stellen abgebaut. 2007 wurde von den Anteilseignern eine 165 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung gestemmt, um das Unternehmen zu rekapitalisieren und den cash flow zu optimieren.

Unternehmenssprecherin Sara Nobels-Freeman versichert, es sei auch nach dieser Änderung der Besitzverhältnisse weder ein Stellenabbau noch ein Umzug der Luxemburger Zentrale geplant. Die chinesischen Investoren seien vielmehr an der guten Positionierung von IEE in Europa und den USA interessiert. Sie sprach dabei von einer „Win-Win“-Situation.

Tatsächlich ist für das Luxemburger Unternehmen China, wo man seit 2006 aktiv ist und eine Produktionsstätte betreibt, interessant, so wie auch der gesamte asiatische Markt. Erst Ende letzten Jahres hatte man in Japan eine Niederlassung eröffnet.

IEE beschäftigt in Luxemburg, Deutschland, der Slowakei, den USA, China, Südkorea sowie Japan und Singapur rund 1.600 Personen. Allein in Luxemburg etwa 900.