CLAUDE KARGER

Überall Finanzzocker, Lebensmittelbetrüger, Untertunneler des Rechtsstaats. Und dann schmeißt auch noch der Papst hin, weil er glaubt, den Anforderungen des Chefs nicht mehr gerecht zu werden. Wir leben in einer Zeit großer Umwälzungen und Glaubenserschütterungen. Das „Land“ stellte gestern zudem fest, dass unsere von vielen als „stockkonservativ und gottesfürchtiges Marienland“ empfundene Gesellschaft vielleicht sogar dabei ist, sich ins Gegenteil umzukehren und „trotz hundertjähriger CSV-Herrschaft“ sogar zu einem liberalen Vorreiter werden könnte. Der Autor erinnert an den Kampf für die Legalisierung der Sterbehilfe, bei dem „die CSV, die katholische Kirche, der Großherzog, das Luxemburger Wort und Gleichgesinnte in der Öffentlichkeit in die Minderheit versetzt worden waren“. Heute bringt ein CSV-Minister die Homo-ehe auf den Weg - auch, wie der Autor mutmaßt, weil die Christsozialen nicht wieder in die konservative Ecke gedrängt werden wollen - und sogar die Einführung des Ausländerwahlrechts bei den Parlamentswahlen ist im Gespräch. Umfragen zeigen, dass die Öffnungen akzeptiert werden. Die Gesellschaft ist also „weltoffener geworden, als Teile von ihr selbst wahrhaben wollen“, so der Autor. Und das ist auch gut so.