LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Marco Houwen, Chairman LU-CIX, erklärt, was auf den „Luxembourg Internet Days“ los ist

Rund 1.200 Teilnehmer kamen am Dienstag in die Handelskammer, um das Neueste in Sachen Cybersecurity, Cloud und Datenmanagement zu erfahren. Es war vor allem Fachpublikum, das sich mit Netzwerken und Cloudsicherheit beschäftigte, während sich heute das Thema E-Commerce an ein breiteres Publikum wendet. Marco Houwen, Chairman der LU-CIX asbl, kennt die Schwerpunkte bestens, wie er nachfolgend erklärt.

Herr Houwen, was hat sich seit vergangenem Jahr getan?

Marco Houwen Wir sind dabei, das DDoS-Scrubbing-Servicecenter aufzubauen. Dabei geht es um Anfragen an einen Server, die so zahlreich sind, das sie ihn lahm legen. Diese Massenangriffe im Internet sind ein

großes Problem. Wir sind das erste Land der Welt, das sich dagegen schützen kann und eine Strategie ausarbeitet. Ende 2020 soll alles stehen. Zur Zeit sind wir in der proof-of-concept-Phase.

Haben Sie dazu Anfragen von Unternehmen?

Houwen Das geht nicht, weil wir nicht für den Markt arbeiten, sondern für das Land. Wir unterstehen dem „Haut-Commissariat à la protection nationale“. Da geht es beispielsweise um den Schutz des Flughafens oder des Finanzplatzes im Falle eines Angriffs auf deren Netzwerke.

Sie sind aber durchaus in Datenzentren präsent?

Houwen Ja, in den meisten Datenzentren in Luxemburg sind wir wegen unserer Kunden vertreten. Wir bieten einen Backbone respektive einen Link mit hoher Kapazität, den wir zur Verfügung stellen.

Welche Bedeutung hat die Ansiedlung der EU- Gremien?

Houwen Für Luxemburg ist das ein weiterer Baustein, der auch positiv für die Innovation sein dürfte. Wir werden als Schaltstelle des Verkehrs neue Aufgaben erfüllen. Da gibt es „Meluxina“, den Hochleistungsrechner mit einer Leistung von zehn Petaflops. Das sind zehn Millionen Milliarden oder 10 hoch 18 Rechenoperationen pro Sekunde, damit spielen wir international vorn mit. Das Projekt gliedert sich in die europäische Hochleistungsrechner-Initiative EuroHPC ein, die ihren Sitz ebenfalls in Luxemburg hat.

Welche Vor- und Nachteile hat Luxemburg im Bereich Daten?

Houwen Hier hat man schon vor langer Zeit damit angefangen, Sicherheit bei Daten als Thema zu sehen. Daher verfügen wir im Land über eine Sicherheitskultur, die sehr hoch ist. Darüber hinaus haben wir hier verschiedene Gremien und Einrichtungen, die international bekannt und sehr respektiert sind. Wir sehen eigentlich keine Nachteile im Datenbereich für Luxemburg. Luxemburg ist natürlich durch seine überschaubare Grösse einer relativ grossen räumlichen Konzentration der Daten ausgesetzt.

Heute geht es um das Thema Cloud. Wie sieht es mit der Datensicherheit im Land aus?

Houwen Am ersten Tag der Konferenz haben wir immer ein fachspezifisches Thema - diesmal Cloud - und am zweiten Tag ein Thema für das breite Publikum. In diesem Jahr wird es um E-Commerce gehen. Das Thema Sicherheit war ein ausdrücklicher Wunsch unserer Mitglieder. Es ist technisch breit gefächert, wie die Vorträge schon gezeigt haben.

Lëtzebuerger Journal

Luxembourg Internet Days

Die „Luxembourg Internet Days“ finden 2019 in einem historischen Jahr statt: Vor einem halben Jahrhundert, am 29. Oktober 1969, gelang es nämlich an der „University of California“ in Los Angeles, die erste Verbindung zwischen zwei Rechnern mit unterschiedlichen Betriebssystemen herzustellen, die rund 500 Kilometer auseinanderlagen. Es war die Initialzündung für das, was wir heute „Internet“ nennen und das heute nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken ist. Auf der linken Seite finden sie die Meilensteine der Internet-Entwicklung.
Mittlerweile zählt die LU-CIX, das auch Mitglied in der „European Internet Exchange Association“ ist, 69 Mitglieder. 80 Netzwerke sind in LU-CIX zusammengeschlossen, die den ersten Tag der „Internet Days“ gestern der Netzwerk- und Cloud-Sicherheit widmete. Heute dann geht es in der Handelskammer um Aspekte des digitalen Wandels, darunter etwa den Nutzen der digitalen Möglichkeiten für die Redynamisierung der Stadtzentren.
Außerdem ist Frankreich sozusagen das „Gastland“ bei den diesjährigen „Internet Days“, ist doch der Pariser Aufruf für Vertrauen und Sicherheit im Cyberspace genau ein Jahr her. Es geht dabei darum, an einem Strang zu ziehen, um etwa die Vorbeugung und die Widerstandsfähigkeit angesichts böswilliger Online-Aktivitäten zu verbessern, die Zugänglichkeit und die Funktionsfähigkeit des Internets zu schützen, gemeinsam Einmischungen in Wahlen vorzubeugen, die Verbreitung von Schad-Software zu unterbinden, die Sicherheit digitaler Produkte und Dienstleistungen zu stärken und gemeinsam gegen Missachtung von geistigem Eigentum im Internet vorzugehen. clk