LUXEMBURG
MARCO MENG

Arbeitsplätze gehen von Luxemburg nach Osteuropa

Der Finanzplatz befindet sich im Umbruch. Das heißt, vor allem die Bankenlandschaft, denn der Fondssektor vermeldet immer neue positive Zahlen.

In einem Interview mit dem „Wort“ hatte Thomas Fehr, Countrymanager der Commerzbank, am Wochenende bekannt gegeben, dass bei der Umstrukturierung der Bank Arbeitsplätze von Luxemburg hauptsächlich nach Polen verlagert werden. Man sei dazu mit den Personalvertretern im Gespräch und müsse wahrscheinlich auch einen Sozialplan ausarbeiten, hieß es.

Demnach sollen nicht bankenspezifische Back Office-Geschäftsfelder nicht zuletzt wegen der hohen Personalkosten nach Osteuropa ausgelagert werden. Die derzeit vier Commerzbankgesellschaften in Luxemburg mit ihren knapp 500 Mitarbeitern - Commerzbank International, Commerzbank Filiale Luxemburg, Commerz Fund Solution und Erste Europäische Pfandbrief- und Kommunalkreditbank - sollen zur Kosteneinsparung zu drei Gesellschaften verschmolzen werden.

Wie die Commerzbanksprecherin Christina Ascherl dem „Journal“ bestätigte, wolle man Commerzbank mit einer „zukunftsfähigen, effizienten und schlagkräftige Einheit am Finanzstandort Luxemburg“ aufstellen. Alle wesentlichen Geschäftsbereiche, inklusive International Wealth Management, sollen dabei in Luxemburg verbleiben. „Gleichzeitig werden die Kosten reduziert und bestimmte Einheiten ausgelagert“, bestätigt Ascherl. Sie könne aber erst konkrete Aussagen auf Personalfragen machen, „wenn die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen abgeschlossen sind.“ Countrymanager Fehr wird im „Wort“ zitiert, man wolle vor allem auf das luxemburgische Steuerreglement setzen und den hiesigen Standort künftig als Buchungsplattform für den Gesamtkonzern nutzen, was auf mehrfache Nachfrage bei der Commerzbank nicht bestätigt wurde. Zuletzt hatte die Bank 2010 durch den Kauf der Dresdner Bank und die Verschmelzung der Dresdner Bank Luxembourg mit der Commerzbank International rund 180 Arbeitsplätze in Luxemburg abgebaut; von dem 2012/2013 beschlossenen konzernweiten Abbau von rund 5.200 Stellen war Luxemburg nicht betroffen.

Deutsche Banken in Luxemburg schwächeln

Bei den deutschen Geldhäusern findet zweifellos ein Konsolidierungstrend statt, „der bereits in den vergangenen Jahren festzustellen war“, wie die Beratergesellschaft PWC in einer Analyse zu deutschen Banken in Luxemburg darlegt. Das verraten die Zahlen: Während insgesamt die Banken in Luxemburg nur einen leichten Rückgang des Gesamtergebnisses 2013 feststellten, betrug bei den deutschen Instituten der Rückgang auf 519,8 Millionen Euro ein Minus von knapp 44 Prozent.

Die Bilanzsumme deutscher Banken hatte sich von 2012 auf 2013 um 17,4 Milliarden verringert - und im Vorjahr schon um 28,3 Milliarden - wie auch die Forderungen an Kunden, ein traditionell starker Geschäftszweig deutscher Banken, sich um 2,8 Milliarden auf 47,7 Milliarden reduzierte. Dieser Rückgang bei deutschen Geldhäusern war dabei der siebte in Folge. Das bilanzwirksame Geschäft lag 2013 - für 2014 liegt die Gesamtbilanz noch nicht vor - damit laut PwC auf dem niedrigsten Niveau seit 1998. Als Konsequenz daraus reduzieren die meisten deutschen Banken am Finanzplatz ihren Personalbestand. 2013 waren das minus 158 Mitarbeiter gewesen, 14 davon bei der Commerzbank International.

Das große Bankensterben ist zwar bislang ausgeblieben, die Zahl der Beschäftigten hat sogar in den letzten zehn Jahren zugelegt, doch dass spätestens ab kommenden Januar das Werbeargument des Bankgeheimnisses nicht mehr greift und kommende Geschäftszweige wie Sukuk (islamische Anleihen) oder Renminbi (chinesische Währung) an Bedeutung gewinnen, scheinen besonders deutsche Geldhäuser zu spüren.