LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Gefahren durch neue Antennen sind bei 5G nicht besorgniserregend, sondern verlangen laut Experten erstmal nach Messung und Monitoring

5G bringt nicht nur eine schnellere Übertragung größerer Datenmengen, sondern auch eine neue Antennentechnik mit sich. Da stellt sich die Frage, ob das ein Problem für die Gesundheit ist.

Die Gesundheitsrisiken hängen direkt mit der Strahlung zusammen. Bei 5G geht es um sogenannte nichtionisierende Strahlung, deren Wirkung auf den Menschen von der Intensität und Frequenz abhängt. Doch unter dem Begriff 5G versteht man eine Reihe von Mobilfunktechniken. Neben den terrestrischen Frequenzen wird auch der Einsatz von Satelliten diskutiert.

Strenge Werte in Luxemburg

Für die Sicherheit beim Thema Strahlung gibt es zum einen den internationale Standard der „International Commission on non-ionizing radiation protection“ (ICNIRP; englisch für Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung), zum anderen nationale, wobei Luxemburg sich an Belgien und Italien anlehnt, was die Gesetzgebung angeht. Die Höchstwerte sind hier im Land strenger als die des ICNIRP. Die Höchstwerte unterscheiden nicht zwischen den verschiedenen Technologien von Mobilfunk (2G, 3G, 4G, 5G). 5G erfolgt zunächst in Frequenzbereichen, wie sie bereits jetzt für den Mobilfunk und für WLAN verwendet werden.

Doch möglich ist auch die Nutzung von so genannten „adaptiven Antennen“ (Beamfoming Antennen). Diese sind in der Lage, die abgestrahlte Leistung gezielt auf einzelne Nutzerinnen und Nutzer zu fokussieren. Längerfristig soll 5G aber auch in einem höheren Frequenzbereich zur Anwendung kommen, man spricht hier auch von „Millimeterwellen“. Diese dringen aus physikalischem Grund weniger tief in den Körper ein. Bei der Einwirkung solcher Strahlung auf den Menschen bestehen aber aus wissenschaftlicher Sicht noch Unklarheiten. Für ihre Nutzung sollen viele Basisstationen auf Masten, Gebäuden oder Ampeln stehen. Solche Vorrichtungen hält ein Experte für weniger schädlich. Denn für Prof. Guy Vandenbosch von der Universität Löwen ist klar: „5G kann dazu beitragen, die Strahlungseinwirkung auf Menschen zu reduzieren - wenn die Strahlung pro Zelle sinkt.“ Das sagte er gestern während der Paneldiskussion zum Thema Gesundheit und 5G, die während des 5G-Events stattfand.

Fernand Muller teilt diese Meinung nicht. Er ist für die Umweltagentur in Luxemburg verantwortlich. „Wenn durch 5G mehr Antennen kommen, dann steigt auch das Risiko“, mahnt er.

Gegen solche Ideen wehren sich die Betreiber. Ein Rechenbeispiel aus der Schweiz zeigt: Je mehr Antennen es gibt, die die Werte einhalten, desto teurer wird das. Bei 46.500 Antennen mit strengen Anforderungen an Mikrozellen und adaptive Antennen wären das 13 Milliarden Schweizer Franken, bei 7.500 Antennen und 11.000 Nachrüstungen 3,2 Milliarden Schweizer Franken. Kaum ein Betreiber will aber nach der Ersteigerung der teuren Lizenz noch Geld in einen Antennenpark stecken.

„Im Übrigen ist die Frage bei 5G ja nicht die Qualität der Welle, sondern die Stärke“, betont der deutsche Baubiologe Dr. Martin Virnich, der auch schon mal in Schüttringen nachgemessen hat, ob der Antennenmast ein Problem ist. „Die Emissionen liegen weit unter den Anforderungen.“ Probleme sieht er nicht bei Satelliten, sondern eher bei Minizellen. Gerade deshalb setzt Muller in Luxemburg auf Messungen, Monitoring und Risikominimierung: „In Luxemburg sollen in Zukunft elektromagnetische Felder gemessen werden.“

Einig waren sich alle drei Experten in einem Punkt: Jede Antenne ist nichts im Vergleich zu einem Handy. „Die Wellen eines Smartphones sind zehn- bis hundertmal stärker, als das Gesetz erlaubt. Von dort geht also eine viel größere Gefahr aus, dadurch, dass man es nah am Kopf hält“, unterstreicht Prof. Vandenbosch. Fazit: Auch wenn es noch einiges zu erforschen gibt, sind die internationalen Standards streng, die Luxemburger strenger und die Technik rund um 5G nichts im Vergleich zu den Gefahren, die von einem ganz normalen Handy ausgehen...

5G IM VERGLEICH ZU 4G

Zehnmal schneller

Zum Vergleich hat POST Luxemburg ausgerechnet, wie lange der Download des Kinofilms „Guardians of the Galaxy“ (750 Mb) dauern würde mit:

3G (2003) - 384 Kbit/s
26 Stunden, also die Dauer des Flugs zwischen Paris und Las Vegas, einschließlich Check-in-Zeit

4G (2013) - 100 Mbit/s
6 Minuten, also die Zeit für einen Kaffee

5G (2020) - 1 Gbit/s
3,6 Sekunden, also die Zeit, den Film zu öffnen. 5G könnte aber noch schneller sein:
bis zu 2 Gbit/s oder mehr
Die Anwendungsbereiche von 5G

„Fast and Smart“

Die „International Telecommunication Union“ teilt die Anwendungsbereiche für 5G wie folgt ein:

mMTC Verbindungen zwischen einer Vielzahl von Objekten. Die Zahl der vernetzten Objekte wird in den kommenden Jahren exponentiell steigen

eMBB Ultra-Hochgeschwindigkeitsverbindungen drinnen und draußen mit gleichbleibender Service-Qualität

URLLC Ultra-zuverlässige Verbindungen für kritische Anwendungen, die eine sehr hohe Responsivität benötigen