LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Eine junge Zirkusartistin erzählt über ihr filmreifes Leben im Zirkus

Die erst 19 Jahre junge Geraldine Philadelphia ist ein echtes Zirkuskind. Trotz ihres doch recht jungen Alters ist die Reifenperformerin in der Zirkuswelt schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Noch bis am Sonntag, den 3. Mai kannst Du dir das Programm des Circus Roncalli ansehen. Wie Geraldine zu ihrem außergewöhnlichen Beruf gekommen ist, wie das Zirkusleben so ist, und wie sie Arbeit und Abitur unter einen Hut bekommt, erzählt sie exklusiv im Interview mit dem „Journal“.

Wie würdest Du das Zirkusleben beschreiben?

Geraldine Philadelphia Das Zirkusleben ist ganz anders als das „normale Leben“. Man sieht total viele Städte und lernt stets neue Leute kennen. Das Leben ist sehr abwechslungsreich. Der Zirkus ist eigentlich wie so ein kleines Dorf oder sogar wie eine kleine Familie. Da ich hier aufgewachsen bin, kennen die meisten mich schon seit meiner Kindheit. Wir verstehen uns alle sehr gut hier.

Wie bist Du zum Zirkus gekommen?

Geraldine Mein Vater kommt aus einer Zirkusfamilie und meine Mutter war eigentlich „ganz normal“. Sie hatte nichts mit dem Zirkus zu tun. Durch ihre Sportgymnastik ist sie dann irgendwann mit einer Truppe zum Zirkus gekommen. Ich bin also auch hier geboren und habe nichts anderes kennen gelernt.

Vermisst Du nicht manchmal ein wirkliches Zuhause?

Geraldine Eigentlich ist hier mein Zuhause. Wir haben zwar ein Haus in der Nähe von Köln, aber da sind wir nur während der zweimonatigen Winterpause. Meine Familie ist ja auch hier, deshalb habe ich eigentlich nie Heimweh. Wenn ich allerdings für ein paar Wochen den Zirkus verlassen muss, dann habe ich Heimweh.

Ist Dein Beruf mit viel körperlicher Anstrengung verbunden?

Geraldine Natürlich, aber man gewöhnt sich daran und hat ja auch Spaß daran. Niemand wird gezwungen, im Zirkus zu arbeiten. Ich arbeite hier, weil ich das möchte und weil ich Freude daran habe. Es gibt natürlich Leute die körperliche Probleme haben und dann öfters zum Arzt müssen, aber davon bin ich nicht betroffen. Ich habe zwar manchmal Rückenschmerzen, aber das ist ganz normal. Dann lässt man sich vom Arzt durchchecken und dann geht das schon wieder.

Du machst gerade dein Abitur - wie bekommst du Beruf und Schule unter einen Hut?

Geraldine Damals, zu Schulzeiten meines Vaters, besuchte man in jeder Stadt eine neue Schule, das ist allerdings sehr schwierig. Heute versucht man, einen Privatlehrer zu organisieren und es gibt auch eine Zirkusschule, die in ein paar Städten vertreten ist. Da ich jetzt mein Abi mache, habe ich das meiste online gemacht und dann für mich gelernt. Das erfordert natürlich sehr viel Organisation und manchmal war ich dann auch in schwierigeren Situationen, in denen meine Organisation hätte besser sein können. Man muss eben das Gleichgewicht zwischen Schule und Arbeit finden, denn ich möchte keines der beiden vernachlässigen. Mit der nötigen Einteilung und Organisation ist das aber gut zu schaffen.

Möchtest Du später in Deinem Leben einen anderen Beruf ausüben?

Geraldine Das weiß ich noch nicht. Vielleicht entscheide ich irgendwann, dass ich studieren möchte, aber zur Zeit möchte ich hier im Zirkus bleiben. Ich habe keine anderen beruflichen Zukunftspläne oder Wünsche. Mir gefällt mein Leben so wie es jetzt ist.


www.roncalli.de