LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Ja, ist denn jetzt schon Karneval? Die Frage, ob der Corona-Virus neben den beträchtlichen körperlichen und organischen Beeinträchtigungen nicht auch geistige Schäden verursachen kann, lässt sich nur mit einem klaren Ja beantworten, wenn man der Bilderflut von Menschenansammlungen auf der Mattscheibe und in den Printmedien Glauben schenken kann und auch im Alltagsgeschehen über Situationen stolpert, die jeglicher Vorsicht, jeglicher Abstands- und/oder Maskenpflicht spotten. 
Aber hallo!, das Virus ist immer noch mitten unter uns, es befällt jeden Tag in Luxemburg Dutzende, weltweit sogar Hunderttausende Menschen und rafft Tausende hinweg ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Berufs- oder Besitzstand.

Dennoch tun immer noch viele Menschen so, als gäbe es nicht die tödliche Bedrohung, beziehungsweise als wären sie dagegen vollständig immun, über alle Schutzverordnungen hinweg und ärztlichen Mahnungen zum Trotz.

Bislang prominentester Infizierungsfall ist selbstverständlich neuerdings Donald Trump, der amerikanische Präsident, der sich in den vergangenen Monaten konsequent geweigert hatte, Abstand zu halten und Maske zu tragen, der stattdessen sogar seinen Kontrahenten Joe Biden wegen dessen Maskenbekenntnis verspottet und jegliche Vorbildfunktion im Kampf gegen Corona in den Wind geschlagen hat.

Wenn man seinem Wahlkampfberater Jason Miller zuhört, war das sogar Bestandteil einer Strategie, das Virus „herauszufordern“ statt sich vor ihm zu verstecken. Pech nur, dass knapp 210.000 verstorbene Covid-Patienten nicht die gleiche medizinische Zuwendung erfahren konnten wie der Präsident, der sich am Sonntag sogar in der Umgebung des Walter Reed-Militärkrankenhauses seinen Fans im kugelsicheren SUV präsentierte und damit offenbar glauben machen wollte, er sei stärker als das Virus. Warum nur fühlte man sich dabei unmittelbar an einen Fastnachtsumzug erinnert? Wer verspottet hier wen?

Kopfschütteln ruft allerdings nicht nur das unverantwortliche Handeln des US-Präsidenten hervor. Auch bei uns scheinen viele sich nicht mehr oder noch nicht der bedrohlichen Situation zum Auftakt der grippeträchtigen herbstlichen Jahreszeit bewusst zu sein.

Bilder, die uns dieser Tage beispielsweise in der „Muselzeidung“ im Zusammenhang mit dem „Maacher Drauwen- a Wäifest“ präsentiert wurden, das angeblich im Respekt der Schutzmaßnahmen gefeiert wurde, zeigen überdeutlich, wie man es genau nicht machen sollte: Ohne Masken, dafür aber dicht nebeneinander und in inniger Umarmung! Feierlaune hin oder her, aber mit elementarer Vernunft und Verantwortung für sich und andere hat das nichts mehr zu tun!

Wo Familienfeste wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Begräbnisse unter deutliche Einschränkungen gestellt werden, da sollten auch Wein- und andere Königinnen mit ihrem Hofstaat eher auf bescheiden machen. Noblesse oblige!

Trump ist kein Maß für Vernunft. Das Virus nicht ernst zu nehmen, ist sträflicher Leichtsinn, ob in Washington oder in Grevenmacher.