LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Tausende Sekundarschüler zum Unterricht zurückgekehrt – Ministerium: „gut verlaufen“

Nach den Primanern vorige Woche hieß es heute nach Wochen zum ersten Mal für die Hälfte der Schüler der anderen Sekundarklassen wieder: zurück zur Schule. Die andere Gruppe von insgesamt rund 48.000 Schülern ist dann nächste Woche dran. In diesem Rhythmus wechseln sich beide Gruppen dann bis zum Ende des Schuljahres ab. Dazwischen soll von zuhause aus die Materie vertieft werden.

Aus Sicht des Bildungsministeriums sei „auch“ die heute „Rentrée gut verlaufen“, hieß es am Montagnachmittag auf „Journal“-Nachfrage. Dem Ministerium seien mit Blick auf den Schultransport keine außergewöhnlichen Vorfälle gemeldet worden. Eine detaillierte Bilanz sei allerdings erst nach ein paar Tagen möglich. Auch für die erste Woche auf den Abschlussklassen fällt die Bilanz des Ministeriums positiv aus. „Es wurden keine Probleme signalisiert.“ „Social Distancing“ und Mund- und Nasenschutz würden gut von den Schülern akzeptiert und respektiert werden.

Mit Nuancen wird diese Einschätzung von Gewerkschaftsseite geteilt. Die „Rentrée“ der Primaner scheint „einigermaßen gut über die Bühne gegangen zu sein“, erklärte Jules Barthel, Vizepräsident des „Syndikat Erzéiung a Wëssenschaft“ (SEW) auf „Journal“-Nachfrage mit Blick auf die Lage im Wiltzer Lyzeum. Die meisten Schüler hätten sich darüber gefreut, zur Schule zurückzukehren. Viele hätten sich allerdings auch unwohl gefühlt, weil sie befürchteten, sich anzustecken. „Niemand wäre froh, wenn das über längere Zeit anhalten würde“, so Barthel über die Umstände, unter denen die Rückkehr zur Schule nun stattfindet.

Immer wieder erklären

Nach dem Eindruck von Raoul Scholtes, dem Präsidenten der Lehrergewerkschaft Féduse (CGFP), fielen die Reaktionen seiner Schüler „von bis“ aus – und es seien nicht einmal die „üblichen Verdächtigen“, die lieber noch gerne im Fernunterricht verblieben wären. Manche Schüler seien auch verunsichert.

„Im Prinzip hat das am Morgen gut funktioniert“, sagte Scholtes heute. Die Rückkehr zur Schule unter besonderen Vorkehrungen – Maskenpflicht, „Social Distancing“, Aufteilung der Klassen auf verschiedene Eingänge, Handhygiene – erfordere immer wieder Erklärungen. Einige Schüler würden sich sofort an alle Regeln halten, bei anderen dauere es länger. „Wir machen ein Maximum, um die Schüler zu trennen“, führte Scholtes aus. Doch wie sieht es vor und nach der Schule aus? Das könne die Schule natürlich nicht beeinflussen.

Er selbst habe den Eindruck, dass die geltenden Regeln dann nicht mehr unbedingt eingehalten werden. Barthel gibt etwa zu bedenken, dass die „études surveillées“ für Schüler verschiedener Klassen weggefallen sind, es in den Bussen dann aber zu Vermischungen kommt. Zudem müssten noch etliche Detailfragen rund um die Schulorganisation geklärt werden, so der Féduse-Präsident. Der auch bemerkt, dass räumliche und technische Diskrepanzen zwischen den Schulgebäuden die Umsetzung dieser „Corona-Rentrée“ erschwerten. Wenn beispielsweise in einer Schule der Unterricht vergangene Woche aus einem Klassensaal in den andern live übertragen werden konnte, in einer anderen der Lehrer ständig den Saal wechseln musste. Auch die Verfügbarkeit von in diesen Zeiten so wichtigen Informatikern sei ein Faktor.

Gewerkschaften hätten sich Einbindung gewünscht

Einig sind sich Barthel und Scholtes darin, dass die Einbindung der Gewerkschaften stark verbesserungswürdig ist. Scholtes zeigt Verständnis dafür, dass in Krisenzeiten eine „intensive Konsultation nicht immer möglich ist“. Dennoch hätten bislang lediglich zwei kurze Austausche (mit Blick auf die Sekundarschule) stattgefunden, bei denen die Gewerkschaften informiert worden seien. Dabei hätte man noch „andere Lösungen“ finden können, um die Rückkehr in die Schulen zu planen.

„Vier Augen sehen mehr als zwei. Wir sind gerne bereit, Teil der Lösung zu sein“, meinte Scholtes. Jules Barthel ergänzte, dass es beim ersten Austausch einen „gewissen Dialog“ gegeben habe. Beim zweiten Mal spricht der Gewerkschafter indes von einer „Generalprobe“ für die Pressekonferenz, auf der die Wiedereröffnung der Schulen in Etappen angekündigt wurde. Auf die drei Pressemitteilungen dazu – davon eine von allen Gewerkschaften und Schülervereinigungen unterzeichnet – habe es dann „absolut null Reaktion“ gegeben.

Offener Brief des SPEBS

Inklusion „kein Thema mehr“

Für die Gewerkschaft des Lehrpersonals, das mit Kindern mit spezifischen Bedürfnissen arbeitet, ist die Inklusion der Covid-19-Krise zum Opfer gefallen. Das hält das „Syndicat du Personnal de l‘Éducation nationale oeuvrant spécifiquement dans l´intérêt des élèves à besoins éducatifs spécifiques“ (SPEBS) in einem offenen Brief fest. „Das Wohlergehen und die Gleichbehandlung der Schüler mit spezifischem Förderbedarf werden in der Corona-Krise über Bord geworfen mit dem Argument, die Gruppen müssten klar getrennt bleiben und sich nicht vermischen“, schreibt die der CGFP angehörige Gewerkschaft. So dürfen Schüler, die in einem sonderpädagogischen Kompetenzzentrum beschult werden, derzeit nicht an einem oder mehreren Tagen in der Woche ganztags oder stundenweise in ihre „Classe d’attache“ oder in die „Maison Relais“ in der Gemeinde, in der sie leben. Dabei trage eben das zum sozialen Austausch mit Gleichaltrigen bei, der „zumindest eine Heranführung an ein gesamtgesellschaftliches Leben ermöglicht“. Darüber hinaus stellen die Autoren in anderen Punkten eine Ungleichbehandlung fest. Die Anzahl der Schulstunden werde für Schüler der Kompetenzzentren nicht angepasst. Auch gebe es für sie keinen alternierenden Wochenrhythmus, in dem sie jede zweite Woche von zuhause aus lernen könnten. „Besagte Schüler werden hauptsächlich an ihre Schulbank gebunden sein, ihre Bewegungsfreiheit wird auf ein Minimum eingeschränkt, und das in den CC (Kompetenzzentren, d. R.) an mehr als doppelt so vielen Stunden als in der Regelschule. Wird das schulisch, physisch und emotional förderlich sein für die EBS (Schüler mit spezifischem Förderbedarf, d.R.)? Nein!“, heißt es in dem dreiseitigen Schreiben an Bildungsminister Claude Meisch.