PASCAL STEINWACHS

Derweil bei uns, wo es nun schon seit einigen Wochen in der Regel pro Tag nur noch eine Handvoll Neuinfektionen gibt, und bei unseren Nachbarn, wo sich die Situation ebenfalls stark beruhigt hat, vermehrt so getan wird, als sei Corona nur ein böser Traum gewesen und als gehe bis auf das Tragen der Schutzmasken und die Abstandsregeln, die allerdings immer weniger eingehalten werden, mehr oder weniger alles wieder seinen gewohnten Gang (was es natürlich nicht tut), ist es in den letzten Tagen in Peking zu einem neuen Ausbruch des Coronavirus gekommen. Und zwar derart massiv, dass inzwischen sogar schon wieder hunderte Flüge gestrichen wurden und die Hauptstadt teilweise abgeriegelt wurde.

Dramatisch ist die Corona-Lage aber auch in Brasilien, wo bisher schon über 45.000 Menschen an Covid-19 gestorben sind und jetzt binnen 24 Stunden mit über 37.000 bestätigten neuen Fällen ein neuer Tageshöchststand erreicht wurde, derweil auch in Israel, das die Situation bis jetzt gut im Griff hatte, zwischen Dienstag und gestern 299 neue Fälle registriert wurden.

Der afrikanische Kontinent ist seinerseits mit seinen rund 240.000 Infektionen bei 1,3 Milliarden Menschen bis jetzt vergleichsweise glimpflich davongekommen, aber das könnte damit zusammenhängen, dass es in den meisten afrikanischen Ländern nur wenige Labore gibt, die überhaupt auf Sars-CoV-2 testen können, und dass es sich hier nur um die bestätigten Fälle handelt, dürfte die Dunkelziffer doch um ein Vielfaches höher liegen.

Das Tempo der Ausbreitung des Coronavirus wird in Zwischenzeit aber auch in Afrika immer schneller, wobei der Kampf gegen das Virus Experten zufolge aber manchmal mehr Schaden anrichtet als die Pandemie selbst. In Ländern, wo die Menschen nicht einfach mal so ins Homeoffice wechseln können, sind Ausgangssperren (die meisten Afrikaner haben gar keine Möglichkeit, sich selbst zu isolieren, da die wenigsten Platz genug dafür haben) und Grenzschließungen nicht nur existenzbedrohend, sondern führen auch dazu, dass noch mehr Menschen an Unterernährung leiden.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt dann auch bereits vor Hungersnöten biblischen Ausmaßes, wie auch der Chef des Welternährungsprogramms dieser Tage vor dem UN-Sicherheitsrat festhielt, dass bis zum Jahresende 65 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sein könnten.

Dazu gesellen sich noch die anderen Probleme Afrikas wie die immer noch anhaltenden Kämpfe im Südsudan oder im Jemen, wo die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen wegen der geschlossenen Grenzen keine Hilfslieferungen mehr ins Land bekommen. Auch ohne Covid-19 sterben auf dem afrikanischen Kontinent tagtäglich weiterhin Menschen an Malaria oder Durchfallerkrankungen.

Dass all diese Krisen nicht ohne Folgen für Europa bleiben, dürfte klar sein. Spätestens wenn die EU vor einer neuen Flüchtlingswelle steht, wird deutlich werden, dass es Afrika auch in der Corona-Krise hätte unterstützen müssen...