LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Egal ob Eier braun, weiß oder gesprenkelt sind, wenn man sie aufschlägt kommt immer Dotter und Eiweiß raus. Das gilt auch, wenn man auf die Eier ein Kreuz, einen Davidstern, einen Halbmond oder ein A für Atheist/Agnostiker malt – es wird immer das gleiche Rührei. Das allen Rassisten ins Stammbuch geschrieben. Dennoch, die ganze Weltgeschichte aus „political correctness“ nur noch ex-post zu betrachten ist falsch, grundfalsch. Genauso wie weiland in der sozialistischen Geschichtswissenschaft der DDR die „Antike“ zum „Zeitalter der Sklavenhaltergesellschaften“ wurde… Bilder- und Denkmalstürmerei war immer ein Zeichen des Exzesses, egal ob unter Cromwells Puritanern oder unter den Wiedertäufern. Vorschlaghammer statt Debatte.

Auch unter Denkmälern gibt es solche und solche. Die afro-amerikanische Bevölkerung hat jedes Recht die Verehrung von Denkmälern der Konföderierten zu ächten. Dennoch gibt es ein historisches Aber: Direkt nach der Niederlage der Südstaaten folgte eine Amnesty der Union für alle führenden Köpfe des Südens. Selbst Jefferson Davis, der Präsident der CSA wurde nie belangt, General Lee übrigens auch nicht. Nur der Kommandant des Kriegsgefangenenlagers Andersonville wurde als einziger (!) konföderierter Soldat hingerichtet. Aus dem Signal der Versöhnung wurde für die Unterlegenen so ganz schnell ein „so schlimm war’s ja nicht“ – also kein Grund an ihrer rassistischen Grundhaltung zu zweifeln. Die Neubewertung der Geschichte der Südstaaten macht also Sinn.

Keinen Sinn macht es „Vom Winde verweht“ aus Bibliotheken oder Streamingdiensten zu verbannen, das ist ex-post Besserwisserei. Genauso wie über „Dschungelbuch“ oder „Kim“ die Nase zu rümpfen. Das könne man nicht lesen, schließlich war Rudyard Kipling ja „Imperialist“! So what? Damals bestand die ganze weiße Welt aus Imperialisten, inklusive Gevatter Marx.

Es gibt natürlich Denkmäler, da dreht sich einem der Magen um. In Barcelona, ungefähr da, wo die Ramblas auf den alten Hafen treffen, steht eine gewaltige Säule auf deren Spitze Columbus nach Westen blickt. Übel wird es am Sockel, wo der „befreite“ Indianern auf Knien liegend einem segnenden Pfaffen huldigt. Das ist echt zum Kotzen, aber selbst ein solches Denkmal reißt man nicht ab, sondern klärt drüber auf. In Arlon erinnert in der Altstadt ein Denkmal an die im Kongo gefallenen Soldaten und Eisenbahner – ätzend. Kongo ist ein „gutes“ Stichwort. Denn bei Lichte betrachtet gehört Belgiens Leopold II in die Riege historischer Massenschlächter. Leopold hat wirklich keine Denkmäler verdient.

Womit man ganz und gar nicht einverstanden sein kann, ist die These der sogenannten „Post-kolonialistischen Studien“ der Holocaust sei nichts Besonderes. Die industrielle Tötung von Menschen sei kein singuläres Verbrechen, sondern im Verhältnis zu den kolonialistischen Verbrechen nur eines unter vielen… So verpackt man Antisemitismus auf wissenschaftliche Art.

Die volkstümliche Fassung sieht so aus: Vorletztes Jahr in Southampton in einem indischen Lokal. Der Chef setzt sich zu uns. Nach zehn Minuten wird das Gespräch politisch und bald unangenehm: „Was regt ihr Euch über die sechs Millionen tote Juden auf? Churchill hat 30 Millionen Inder umgebracht…“

Das Essen ist gut, aber mir ist trotzdem schlecht.