LUXEMBURG
MARCO MENG

Der erste Satellit von GovSat vor dem Start

Der erste Satellit von GovSat soll kommenden Montag mit einer wiederverwerteten Falcon-9-Rakete von SpaceX von Cape Canaveral aus ins All geschossen werden.

Der GovSat-1 bietet hochsichere Funktionen für Regierungen und Institutionen - und ist laut Wirtschafts- und Verteidigungsminister Etienne Schneider unter anderem ein Beitrag Luxemburgs zur Nato-Verteidigung. Wie Schneider am Montag erklärte, stehe Luxemburg mit seinen Verteidigungsausgaben von 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei allen Pakt-Mitgliedern auf dem letzten Platz. Die geforderten zwei Prozent seien nicht leistbar, wobei Schneider darauf hinwies, dass Luxemburg auch viel Geld für Konfliktvermeidung durch seine Kooperationspolitik ausgebe. Dennoch will das Land bis 2020 die Verteidigungsausgaben auf 0,6 Prozent des BIP erhöhen. Dazu trägt der Satellit von GovSat bei.

„Wir wollen auch unsere Verteidigungsausgaben so tätigen, dass sie der heimischen Wirtschaft zugutekommen“, erklärte Schneider. Da Luxemburg Pionier im Bereich der Satellitentechnologie und der Staat auch Mehrheitsaktionär des weltgrößten Satellitenbetreibers SES ist, was lag näher als diese erste große militärische Investition in Satellitentechnologie zu tätigen?

Im Februar 2015 wurde GovSat von Staat und SES gegründet, die zu je 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligt sind. Langfristig plant die Regierung beim Unternehmen GovSat mit einem „Return on Investment“ - also der Rentabilität der Investitionen - von zwölf bis 14 Prozent. Mit einem Kapital von 225 Millionen Euro - je 50 Millionen von SES und Staat, die restlichen 125 Millionen hat die Gesellschaft selbst aufgebracht - hat GovSat den Kommunikationssatelliten „GovSat-1“, der nun auf seine Weltraummission wartet, in Auftrag gegeben und dafür bereits ein Kontrollzentrum in Betzdorf eingerichtet.

Der Multi-Mission-Satellit leistet Datenübertragung mit maximaler Sicherheit auf militärischen Frequenzen. Gebaut von Orbital ATK gebaut wird er Europa, den Nahen Osten und Afrika bedienen, einschließlich einer beträchtlichen maritimen Abdeckung des Mittelmeeres und der Ostsee sowie des Atlantischen und Indischen Ozeans. Die Regierung hat sich dazu verpflichtet, in den ersten zehn Jahren Kommunikationskapazitäten in Höhe von 100 Millionen Euro zu erwerben (zehn Millionen jährlich).

Sowohl militärisch als auch zivil nutzbar

Wie Karim Michel Sabbagh , Chef des GovSat-Aktionärs SES erklärt, wächst der Markt für institutionelle Satellitendienstleistungen rasant. Dazu gehören nicht nur militärische Aufklärungssatelliten wie jenen, den die luxemburgische Regierung erst letzten Freitag in Auftrag gegeben hat, sondern auch Kommunikationssatelliten, die für Katastrophenschutz und Erdüberwachung genutzt werden können. GovSat-Geschäftsführer Patrick Biewer erklärt, dass es sich bei dem Satelliten um den weltweit ersten „dual-Use“ handelt, der zur Kooperation ausgelegt sei und sowohl militärisch wie zivil genutzt werden könne, sei es für Datenübertragung zu Schiffen und Flugzeugen oder in Kriosenregionen. „Damit haben wir eine Vorreiterrolle“, sagt Biewer.

Frequenzen des ersten GovSat-Satelliten, so Schneider, können an Partnerländer von Nato, EU oder OSZE verkauft werden, sobald der 4,2 Tonnen schwere Satellit seine Position 21,5 Grad Ost in 36.000 Kilometern Höhe erreicht hat.

Wer als Kunde in Frage käme, dafür gebe es aber genaue Kriterien, so Schneider gestern. Interessenten gebe es schon, sie warten nun auf den Raketenstart. Den können nun eigentlich nur noch zwei Dinge verzögern: das Wetter oder die Budgetprobleme („Shutdown“) in den USA.