WILTZ
NORA SCHLEICH

„Colab“ öffnet seine Türen für begeisterte Heimwerker

Maker-Spaces, also Räumlichkeiten, in denen sich Interessierte Platz und Material untereinander teilen, um an eigenen oder gemeinsamen Projekten zu arbeiten, gibt es in Amerika bereits zuhauf. In Luxemburg herrscht diesbezüglich noch ein wenig „Ellenbogenmentalität“, wie Dany Haas, der Gründer des „Colab“ in Wiltz es ausdrückt. Um dem Bedarf an Gemeinsamkeit im handwerklichen Schaffen nachzukommen, hat er mit seiner Frau Sarah Haas und seinem Freund Kim Laplume eine fruchtbare Idee verwirklicht. Das „Colab“ in Wiltz bietet Heimwerkern und Bastlern eine Möglichkeit mit zur Verfügung gestellten Maschinen und Werkzeug zu arbeiten, die man sich selbst nicht unbedingt anschaffen könnte.

Von klein auf hat Dany, beruflich als IT-Ingenieur aktiv, Gefallen am heimwerklichen Basteln und Tüfteln gefunden. Nach der Arbeit am Bildschirm freut er sich, den Feierabend mit praktischeren Tätigkeiten füllen zu können. Die Idee zum „Colab“ entstand aus der persönlichen Situation. „Nachdem meine Frau und ich unser Haus gekauft hatten, wollten wir unsere Möbel selber bauen. Dies war eine bewusste Entscheidung gegen das gängige Konsumverhalten, denn wir wollten uns nicht einfach die teuren Geräte kaufen und diese dann nach einem Jahr in der Garage abstellen“, erklärt Dany. Um sich dennoch eine Möglichkeit zum produktiven Werkeln zu schaffen, kam die Idee der kooperativen Werkstatt auf. Mit Sarah, Coach und Schreinertochter, sowie Kim, der im 3D-Druck arbeitet, wurde der Verein „Colab“ gegründet. Um die Idee Realität werden zu lassen, mussten sich die Drei noch viel durch den Kopf gehen lassen: Wie sieht ein geeigneter Raum aus? Was muss der Businessplan beinhalten? Welche Bedürfnisse haben die Leute vor Ort?

Von der Idee zur Realität dank Unterstützung

„Ein großes Glück war, dass die Gemeinde Wiltz Projekte unterstützt, die in das Konzept der ,Economie Circulaire‘ passen. Wir sind sehr froh, dass uns diese Räumlichkeiten zu Verfügung gestellt werden“, berichtet Dany. Glücklich waren die Gründer auch, als sie ihr Projekt im letzten Jahr beim Ideenwettbewerb „Äre Projet mam Naturpark“ vorstellten und dort den zweiten Platz belegten. Mit den 5.000 Euro Prämie konnten die Heimwerker sich an den Ausbau des Ateliers machen. Ab Dezember wurde dann fleißig gewerkelt, die Innenausstattung der Werkstatt ist natürlich Marke Eigenbau. Unterstützung erhielten Dany, Sarah und Kim dann noch von Zahrée Veerman und Daniel Kerschen, beide ausgebildete Schreiner und künstlerisch aktiv. „Ihr professionelles Know-How in der Holzbearbeitung bringt natürlich ein Plus mit sich“, ergänzt Dany. Er selbst kann durch seinen Beruf im IT-Bereich den 3D-Drucker bestens programmieren und bedienen.

Momentan ist in der Werkstatt noch viel Platz. Zuerst wurde das Holzatelier ausgebaut, da der Bedarf hier am Größten war, zudem ist die Handhabe der Geräte dort zugänglicher. „Wir haben bewusst genügend Raum leer gelassen. Die Idee ist, dass die Werkstatt mit den Mitgliedern gemeinsam wächst. Es gibt auch keine Beschränkungen, sodass jeder aktiv mitentscheiden kann, was wir alles abdecken“, berichtet Dany.

Faktor der Gemeinschaft ist der Grundpfeiler

Der Faktor der Gemeinschaft ist ohnehin ein Grundpfeiler des Konzeptes. Neben dem Anbieten von Platz und Maschinerie, will das „Colab“ den sozialen Aspekt des Miteinanders deutlich hervorheben. Kreativität und Know-How sollen im Austausch stehen, wie Dany betont: „Dazu gehört auch, dass man dem anderen auch einfach mal zur Hand geht, Ideen und Tipps und Tricks teilt. Oft haben wir hier schon gehört: Warum machst du das nicht so, das geht viel einfacher? Dies nimmt einem viel Frust, wenn man mal bei einer Arbeit nicht weiterweiß!“

Um die Community zu fördern hat der Verein den „Maker Mëttwoch“ ins Leben gerufen. Am jeweils ersten Mittwoch des Monats werden sich die Mitglieder treffen, sei dies um sich kennenzulernen oder eigene Projekte vorzustellen. Das Publikum ist dabei bunt gemischt, die Alterspalette reicht momentan von 24 bis 74 und vertreten sind sowohl Professionelle als auch Laien. Um die Werkstatt nutzen zu können, muss man dem Verein beigetreten sein. Neben der jährlichen Mitgliedsgebühr fallen dann je nach Nutzungsfrequenz unterschiedliche Gebühren an. Hier kann man sowohl Abonnements wie auch Token kaufen, mit denen man die Werkstattnutzung flexibel angehen kann.

Im Moment finanziert sich der gemeinnützige Verein ausschließlich über Spenden und Mitgliederbeiträge. Dany und seine Crew arbeiten alle auf freiwilliger Basis in ihrer Freizeit in der Werkstatt, verdienen tut dabei niemand etwas. Über Materialspenden freut sich die „Colab“-Truppe besonders. Wer Maschinen oder Werkzeuge zu Hause rumstehen hat, die nicht mehr gebraucht werden, kann diese gerne im Atelier in Wiltz vorbeibringen. Auch gutes Holz oder anderes verwertbares Material, wie etwa Schrauben, Schleifpapier oder ähnliches, wird gerne angenommen.

Das Interesse von außen ist ohnehin sehr hoch. „Seit unserer Eröffnungsfeier vor einem Monat kommt fast jeden Tag jemand hierhin, um sich umzuschauen. Samstags sogar zwei bis drei Interessierte. Viele unterstützen uns durch eine Mitgliedschaft, und ein Drittel der Besucher kommt dann auch mit einem eigenen Projekt zu uns“, erzählt Dany.

Als nächstes wird „Colab“ Workshops und Weiterbildungen anbieten. Thematisch gesehen ist vieles abgedeckt, vom 3D-Design bis zum Druck oder auch die Arbeit an der Holzdrehbank. Jeder kann lernen, seine Projekte und Ideen zu verwirklichen. Genügend Raum, Motivation und gute Tipps gibt es dazu im „Colab“ mit Sicherheit, sodass der Entwicklung der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Die gute Atmosphäre zum Werkeln ist durch das gesellige Miteinander auch gesichert!

Adresse: Campingstrooss 10, L-9560 Wiltz; Öffnungszeiten: Dienstags und donnerstags von 17.00-21.00 sowie samstags 10.00-16.00. Zusätzliche Infos www.colab.lu oder info@colab.lu