Auch die dritte Ausgabe der Cross Border Distribution-Konferenz, die gemeinsam von Deloitte und der Kanzlei Elvinger, Hoss & Prussen organisiert wurde, brachte gestern wieder lokale und internationale Fondsfachleute in Luxemburg zusammen unter dem Motto: „Was hält die Zukunft bereit für UCITS und AIFs?“
Der luxemburgische Fondssektor ist gut aufgestellt, wenn es um geregelte Investmentsfonds (UCITS) und auch alternative Investments (AIF) wie Hedgefonds oder Immobilienfonds geht. Dass Luxemburg dabei als kleines Land naturgedrungen nicht den heimischen Markt im Visier hat, liegt auf der Hand. „Seit UCITS 1985 ihre erfolgreiche Reise zu einer herausragenden Position als heute weltweit anerkannte grenzüberschreitende Investitioninstrument begannen“, weist Deloitte im Prospekt der Veranstaltung hin, „widerspiegeln mehr als zwanzig Jahre grenzüberschreitenden Vertriebs mehr als zwei Jahrzehnte an Evolution und an Wachstum.“
Auch die nächsten zwei Jahrzehnte werden nicht frei von Herausforderungen sein. Altersvorsorge und Sparformen ändern sich, die Märkte der Finanzdienstleistungen werden globaler.
Als Diskussionsthemen standen nun gestern drei Fragen im Mittelpunkt: Umdenken bei Absatzweg-Strategien, Identifizierung von neuen Vertriebsmöglichkeit weltweit und welche Änderungen die neuen Regulierungen beim grenzüberschreitenden Vertrieb mit sich bringen.
Möglichkeiten in China
Eine der gestrigen Gesprächsrunden beschäftigte sich mit Investitionsmöglichkeiten in China und wie umgekehrt China die Möglichkeiten, in Europa zu investieren, sieht.
Wie Nicolas Mackel von der Interessenvereinigung „Luxembourg for Finance“ bei der Einführung in die Diskussion erklärte, verdient China viel Aufmerksamkeit, da das Land nicht nur die USA als größte Volkswirtschaft eingeholt, sondern sich auch als Wirtschaftsmacht etabliert hat. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wird das Reich der Mitte schneller als gedacht, noch vor dem Jahr 2020, ein Bruttoinlandsprodukt von 27 Billionen Dollar aufweisen. Die Prognose des IWF für die USA lautet für diesen Zeitpunkt 22 Billionen Dollar.
Das bedeutet nach Mackel eine Ausweitung der monetären Kraft Chinas, was auch dadurch untermauert wird, dass der Renminbi bereits auf Platz fünf der im internationalen Handel meistbenutzten Währungen liegt. In absehbarer Zeit wird die chinesische Währung, so Mackel, noch vor dem Euro als internationales Zahlungsmittel im Handel gebraucht werden.
Was kann Luxemburg zu Chinas Wachstum beitragen, so die Frage. Dass Luxemburg stets offen für Innovationen sei, belege die Tatsache, dass das Großherzogtum das erste Land war, das Renminbi-Investmentprodukte autorisierte. Gast Juncker von Elvinger, Hoss & Prussen verweist auf die Kooperation zwischen der luxemburgischen Börse und der von Hong Kong, eine starke Verbindung, die durch eine positive Dynamik gekennzeichnet sei.
Michael Chow, Managing Director von Fullgoal Asset Management in Hong Kong, sieht in UCITS die Möglichkeit für Luxemburg, seine Fonds global zu vertreiben. Umgekehrt könne Hong Kong als Plattform dienen, um in China zu investieren. Allerdings sehe Peking, dass noch einige Fragen zu klären seien, darum könne man nicht einfach auf einen Knopf drücken. Insgesamt, so attestiert Chow, sie Luxemburg hier aber schon weiter als viele andere Länder. Joseph Ho, General Manager, bei ICBC Private Banking, weiß freilich, dass es zwischen Europa und China kulturelle Unterschiede gibt und man Dinge oftmals aus verschiedenen Richtungen betrachte. Doch China suche eine Plattform zu anderen Märkten, und die könne Luxemburg sein. Dass chinesische Banken hier im Land seien, sei auch von Vorteil für China, so Ho.
Digitalisierung des Vertriebs
Dass China nun schon lange Jahre als Fabrik der Weltwirtschaft fungiert, hat auch viel Geld in das Land gespült. Und dieses Geld sucht Anlagemöglichkeiten. Der vom chinesischen Onlinehändler Alibaba aufgelegte Geldmarktfonds für Kunden erhielt in kürzester Zeit so viele Zuflüsse, dass er binnen Monaten zu einem der größten Money Market Funds der Welt anschwoll.
Die ICBC hatte als erste chinesische Bank letztes Jahr einen eigenen luxemburgischen RMB-Anleihefonds aufgelegt. Kommen bald auch Aktienfonds hinzu?
Eines steht für Ho und Chow fest: Digitalisierung ist auch beim Fondsvertrieb ein wichtiger Trend. In China und wohl auch darüber hinaus könnte dies ein erfolgreiches Zukunftsmodell, ja die Digitalisierung auch für luxemburgische Investmentprodukte in China ein Schlüssel sein.


