DÜDELINGEN
PATRICK WELTER

Düdelingen setzt bei Nutzung und Umgestaltung der „Neischmelz“ auf Bürgerbeteiligung

Wenn die Sache einmal fertig ist, dann hat es wirklich dreißig Jahre gedauert - von der Schließung des Stahlstandortes „Laminoir“ in Düdelingen 2005 bis zur vermutlichen Fertigstellung der letzten Wohnungen im neuen Stadtviertel „Neischmelz“, das in einer Bauzeit von 15 Jahren, gerechnet ab 2019, auf diesem Gelände entstehen soll. Damit würden 2034 die letzten neuen Bewohner dort einziehen. Mit dem neuen Stadtviertel wird auch eine Verbindung der bisher voneinander isolierten Stadtviertel „Italien“ und „Schmelz“ entstehen.

Zur Ehrenrettung von Stadt, Staat und „Fonds du Logement“, sollte man aber festhalten, dass schon bald nach der Schließung des „Laminoir“ ein internationaler Wettbewerb zur Umnutzung ausgeschrieben wurde, aber dennoch unzählige Stolpersteine blieben. Planungssicherheit besteht erst seit 2016, als die Regierung das ehemalige ARBED, dann ArcelorMittal-Gelände erwerben konnte.

1.000 Wohnungen in 15 Jahren

In Düdelingen stellte sich die Frage, was tun mit 40 Hektar Industriebrache, die nur sukzessive bebaut werden kann? Dort sind auf einer Bruttogeschossfläche von 270.000 Quadratmetern, Flächen in einer Größenordnung von 160.000 Quadratmetern für den Wohnungsbau vorgesehen. Aufgeteilt in vier Teilbebauungspläne will die staatliche Wohnungsbaugesellschaft Fonds du Logement mindestens eintausend Wohnungen bauen, im Schnitt einhundert Stück pro Jahr. Allerdings muss fast das ganze Gelände - bis auf die Standorte der ehemaligen Verwaltungsgebäude - umfassend von Altlasten, insbesondere Schwermetallen, im Boden saniert werden. Derzeit wird mit „Hochdruck“ an den planerischen Formalien gearbeitet.

Viele temporäre Projekte

Auf die Frage „Was tun in der Zwischenzeit?“ gab Bürgermeister Dan Biancalana, zusammen mit dem ersten Schöffen Loris Spina und einem Experten des Fonds du Logement eine ausführliche Antwort. Er verwies auf eine ganze Reihe „transitorischer“ und temporärer Projekte, die auf dem Gelände des alten Stahlwerks untergebracht sind oder dort untergebracht werden. Während an anderen Stellen des Geländes schon Bauarbeiten beginnen können, sollen sich die anderen Bereiche mit Leben füllen.

Schon jetzt tut sich eine Menge am Sitz des alten Stahlwerks, zahlreiche Projekte unter den verschiedensten Aspekten - Unterbringung von Flüchtlingen, Kultur und Kunst, Startups, Jugend und Sport, Umwelt und Natur - haben sich dort schon angesiedelt. Zu den bekanntesten gehören das Künstlerkollektiv „Dkollektiv“, das „Innovation Hub Dudelange“ für Jungunternehmer und der Skatepark für Jugendliche. Für große und kleine Veranstaltungen auf dem Gelände hat die Stadt Düdelingen 160.000 Euro im Haushalt 2018 vorgesehen.

Konkrete Bürgerbeteiligung

Bürgermeister Biancalana geht es vor allem darum, dass Bürgerbeteiligung kein Schlagwort bleibt, sondern konkret wird. Schon bei Ausarbeitung des Allgemeinen Bebauungsplans (PAG) habe man Workshops mit den Bürgern veranstaltet. Er wolle den Düdelingern eine „niederschwellige“ Beteiligung und das konkrete Mitgestalten ermöglichen. Vor allem aber, so Biancalana weiter, müsse man die Vorschläge der Bürger ernst nehmen. Schon seit 2013 sind die Bürger an den Planungen für das Viertel „Neischmelz“ beteiligt. Das Angebot zum „Mitmachen“ wird offenbar gerne angenommen.

Gemeinschaftsgarten für das Gemeinschaftsgefühl

Eines der nächsten Projekte ist die Schaffung eines Gemeinschaftsgartens auf dem ehemaligen Werksgelände. Mit Rücksicht auf die - noch - bedenkliche Bodenbeschaffenheit, wird es sich um einen Garten aus Hochbeeten auf Paletten handeln. Was aber gleichzeitig erlaubt, je nach Baufortschritt auf dem Gelände, diesen Garten immer wieder umsiedeln zu können. Dabei geht es nicht nur um Biogemüse oder um den berühmten „grünen Daumen“, sondern darum eine Gelegenheit zu einem Miteinander für die Einwohner der umliegenden Viertel zu bieten.

Wichtigstes Instrument der Bürgerbeteiligung ist das „Forum Citoyen / Bürgerforum“, das die ganzen Urbanisierung „Neischmelz“ begleitet und regelmäßig zu Treffen einlädt.