TRIER
CHRISTINE MANDY

Das steckt hinter der Tradition der Studenten-„Daf“

Sie ist der wohl umstrittenste Brauch bei den Luxemburger Studentenvereinen: Die Taufe („Daf“), der sich die Neustudierenden stellen, die einem Studentenverein beitreten wollen. Doch was genau muss man sich überhaupt darunter vorstellen?

Im Feuer der Kritik

Fest steht, dass sich viele haarsträubende Mythen um das bekannte Aufnahmeritual ranken und fest steht auch, dass diese wohl nicht alle wahr sind, lebt die Taufe doch gerade von dem Geheimnis und der Ungewissheit, sowie der damit einhergehenden Angst, andernfalls wüsste ja jeder, der teilnimmt, bereits genau, was ihn erwartet und die Taufe würde ihren Reiz verlieren. Wilde Gerüchte kursieren, die nicht nur angsteinflößend sind, sondern auch Bewunderung und Anerkennung hervorrufen sollen, die dem gebührt, der sie überstanden hat. Wer hat nicht von der Studentin gehört, die angeblich an zwei Matratzen gefesselt und aus dem Fenster geworfen wurde? Und wer schluckt nicht bei der Vorstellung, jemand habe einen Herzinfarkt erlitten, weil er an Eisenbahnschienen festgebunden worden war und sich ihm ein Zug genähert hat? Ob sich dies alles tatsächlich so zugetragen hat ist zweifelhaft, genau kann man das nicht sagen, da jeder etwas darüber zu wissen glaubt und jeder doch etwas anderes berichtet.

Sicher ist nur, dass diese bewährte Tradition die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und durchaus auch in Verruf geraten ist, so dass man sie sogar gesetzlich verbieten wollte.

Pit Weber, Vizepräsident des „LST“ (Lëtzebuerger Studenten zu Tréier), sieht dies als unnötig an. „Niemand wird gezwungen, an der Taufe teilzunehmen und selbst dann muss man auch nur das mitmachen, womit man selber einverstanden ist. Falls einem einmal eine Aufgabe zu unangenehm sein sollte, stellt das überhaupt kein Problem dar und niemand wird einem deswegen böse sein. Zudem wird eine Taufe ja von älteren Studenten organisiert, die sich der Verantwortung, die sie tragen, bewusst sind. Wir haben noch immer darauf geachtet, dass es den „Erstis“ gut geht und dass niemand zu Schaden kommt. Auch sind die meisten Aufgaben eher peinlich und nicht wirklich gefährlich. Es kann vorkommen, dass man sich mal blamiert aber auch nur so weit, dass man hinterher noch darüber lachen kann. Eine etwas extremere Aufgabe ist eher die Ausnahme als die Regel.“.

Gründe zur Teilnahme

Um mir ein besseres Bild machen zu können, stellte ich mich selbst der Herausforderung. Ich hatte mich schon immer gefragt, warum man überhaupt mitmacht und hatte eigentlich nie nachvollziehen können, welchen Zweck die Taufe überhaupt erfüllen sollte, doch plötzlich sah ich das Ganze mit anderen Augen: Ich wollte stolz auf mich selbst sein, etwas haben, wovon ich mein ganzes Leben lang berichten könnte. Ein weiterer Grund war, dass mir durchaus bewusst war, dass dieses Erlebnis uns wahrscheinlich so zusammenschweißen würde, wie keine andere Erfahrung es könnte. „Es geht nicht darum, die „Erstis zu erniedrigen, sondern alle neuen Studierenden eines Jahrganges zusammenzubringen. Besonders den Leuten, die etwas schüchterner sind und denen es schwer fällt, sofort auf andere zuzugehen hilft diese Erfahrung, neue Freundschaften zu knüpfen.“, so Weber. Zusammen übersteht man den Abend und kann die Geschehnisse immer wieder Revue passieren lassen - vorausgesetzt, man erinnert sich daran. Denn das war die Klischeevorstellung, die mich am meisten abschreckte: Der enorme Alkoholkonsum. Zwar war der ein oder andere am Ende tatsächlich leicht angetrunken -um es mal vorsichtig auszudrücken-, das lag aber nicht daran, dass man gezwungen wurde, so viel zu trinken. Niemand protestierte, als ich meinte, ich hätte nun genug . Regelmäßig erkundigte man sich, ob es uns gut gehe. Es liegt auf der Hand, dass ich keine Details verraten darf, aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich mich gut fühlte und am nächsten Tag nicht einmal von Kopfschmerzen geplagt wurde.

Außer einem aufgeschürften Knie, das fürsorglich mit Tequila desinfiziert wurde, ist es zu keinerlei blutigen Zwischenfällen gekommen. Die meisten Aufgaben waren ohne Weiteres zu meistern, obwohl der Verkäufer im Dönerladen schon ein wenig verwundert war, als sich einer von uns mit einer Windel auf dem Kopf erkundigte, ob er etwas „Silberpapier“ haben könne...

Positives Fazit

Ich bin auf jeden Fall froh, dabei gewesen zu sein und meine Angst überwunden zu haben und ich habe diese Entscheidung auch keine Sekunde lang bereut. Claire Boden, der ACEL- Delegierten des LST, erging es damals ähnlich. „Ich wollte die Taufe schon mitmachen aber ich hatte Angst und wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Im letzten Moment wollte ich mich sogar noch davor drücken, dann habe ich mich aber am Riemen gerissen und als ich an der Porta Nigra angekommen war, ging es mir besser. Ich war zwar immer noch aufgeregt aber auch motiviert. Im Endeffekt hat sich der Abend für mich wirklich gelohnt und hat auch viel Spaß gemacht“.

Wie sie werde ich mich wohl mein ganzes Leben lang daran erinnern und es wäre schade, wenn man eine so tolle Tradition abschaffen würde, wenn der Abend doch so komplikationslos verlaufen und so viel Spaß und Freude bereiten kann.