PATRICK WELTER

Das Thema ist gerade mal wieder in, dabei ist es sowieso der politische Dauerbrenner im beschaulichen Großherzogtum. Im Vorfeld der Kommunalwahlen spricht jeder, der politisch aktiv ist, davon, in seiner Gemeinde etwas für den „sozialen Wohnungsbau“ zu tun. Gute Idee, da der hiesige soziale Wohnungsbau vielen Mittelklassefamilien zu einem Dach über dem Kopf verhilft. Nur: In den Nachbarländern bedeutet sozialer Wohnungsbau auch, Wohnungen für die sozial Schwächeren zu bauen.

Zum Vergleich: In Luxemburg gelten Häuser zwischen 300.000 und 400.000 als „preiswert“ - dafür gibt’s im nahen Deutschland schon mal eine Villa und in Belgien ein veritables Schloss. Hierzulande gibt’s eine öffentlich geförderte Wohnung oder ein kleines Reihenhäuschen für das Geld. Schon vor 15 Jahren erklärte ein Immobilienmakler in einem Interview mit dem „Journal“ lapidar, Luxemburg sei eine europäische Hauptstadt, da müsse man auch Hauptstadtpreise zahlen. Dummerweise gibt es mittlerweile ein paar europäische Hauptstädte, die preisgünstiger sind als das Zentrum eines kleinen Großherzogtums. Die Weichen wurden schon vor etlichen Jahren falsch gestellt. Unter einem legendären schwarzen Vielfachminister und einem Premier, der Fensterreden über nationale Herausforderungen hielt, der aber nichts, nichts und dreimal nichts konkret in Angriff nahm.

Wer jetzt mal wieder den berüchtigten Wohnungsbaupakt als Argument für eine aktive Wohnungsbaupolitik anführt, hat’s immer noch nicht begriffen. Ich wiederhole mich: Damit wurde Geld mit der goldenen Gießkanne in der Fläche und vor allem in die Gemeindekassen verteilt, aber die Wohnungen, die in den Neubaugebieten entstanden, folgten mehrheitlich dem luxemburgischen Modell des freistehenden Hauses.

Verdichtung und Leerstandsteuer heißen die Lösungsansätze. Im ersteren Fall tut sich einiges in Luxemburg-Kirchberg, dem Ban de Gasperich oder in Belval - gut so. Auch das Baulückenprogramm gehört zu den positiven Entwicklungen. Traut sich aber jemand, die Leerstandsteuer umzusetzen? Außer dem sowieso tiefroten Stadtrat Esch niemand, denn man könnte ja irgendwem auf die Füße treten... Zugegeben eine leidige Feststellung. Die pseudosozialistischen Pläne der Linken oder Rezepte von altkommunistischen Leserbriefschreibern oder Internetkommentatoren laufen alle ins Leere. Regulierung statt Markt.

Zugegeben, der „böse“ Markt funktioniert gerade nach seinem Ur-Gesetz: Der Preis wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Durch die großen Flächenankäufe, meistens Industriebrachen, versucht die Regierung dem entgegenzusteuern. Die neuen Wohnungen brauchen, trotz des erfreulichen Drucks, den der Wohnungsbauminister macht, noch ein paar Jahre. Was dem Betrachter aber nicht in den Kopf will: Wieso ein Land mit extremen Immobilienpreisen auch noch - im Namen des heiligen Klimaschutzes - die Baustandards so weit nach oben setzt, dass zum Hauptpreisfaktor, dem beschränkten und damit teuren Bauland, auch noch die Klimastandards als Preistreiber kommen. Die Frage ist im Luxemburg von heute fast ein Sakrileg: „Könnte es beim Bauen nicht auch ein bisschen einfacher, ein bisschen weniger energetisch passiv und ein bisschen mehr zweckorientiert sein?“ Das würde alles ein Stückchen billiger machen.