LUXEMBURG
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Christina Daletska gehört zu den besten Mezzosopranistinnen Europas. 1984 im ukrainischen Lemberg geboren, gab sie mit 23 ihr Bühnendebüt als Rosina in „Il barbiere di Siviglia“ am Teatro Real Madrid. Es folgt eine große Karriere in den großen Konzerthäusern Europas. Die heute in der Schweiz lebende Künstlerin ist aber auch aktive „Amnesty“-Botschafterin und wird im Rahmen eines Gastspiels in der Philharmonie am 16. November um 20.00 die traditionelle Kerzen-Kampagne der Menschenrechtsorganisation unterstützen. Wir fragten sie, warum sie sich für Menschenrechte engagiert. 

„Vor vielen Jahren hat mich vor einer Probe in Zürich einmal ein Mitarbeiter von Amnesty angesprochen und wollte mir über die Arbeit der Organisation erzählen. Ich musste mich allerdings entschuldigen, weil ich wenig Zeit hatte, versprach dem Mann allerdings, mich später im Internet über Amnesty zu informieren. Das tat ich dann effektiv am gleichen Abend. Es sollte für mich ein sehr emotionaler Abend werden, denn unter ‚Urgent Actions‘ erfuhr ich, wie ungerecht manche Menschen behandelt werden und wie wichtig der Kampf für ihre Rechte ist. Ich habe dann zunächst beim Briefemarathon ‚Schreib für Freiheit‘ mitgemacht.

Ein paar Jahre später bin ich dann näher mit Amnesty-Mitarbeitern für Fundraising in Kontakt gekommen und habe gemeinsam mit ihnen überlegt, wie auch meine Branche sich für Menschenrechte einsetzen kann. Anders als im Pop-Geschäft gibt es in der klassischen Musik leider wenige Beispiele für solche ein Engagement. Der israelische Dirigent Daniel Barenboim ist da schon eine Ausnahme.

Auch ich will meine Prominenz nutzen, um auf die Wichtigkeit der Menschenrechte hinzuweisen. Ich habe demnach akzeptiert, Amnesty-Botschafterin zu werden. Dazu gehört nicht nur, dass ich das Thema bei meinen Kollegen und dem Publikum anspreche, sondern auch, dass ich bei jedem meiner Auftritte versuche, die Leute in irgendeiner Form mit Amnesty in Kontakt zu bringen. Das funktioniert meistens durch einen Stand mit Informationen über die Menschenrechte, es kann aber auch über den Weg einer Konferenz oder eines Rundtischgesprächs gehen. Das klappt zu 90 Prozent. Bei den zehn Prozent der Fälle, in denen es nicht klappt, gibt es auch Situationen, bei denen Konzert-organisatoren oder Orchester das am liebsten nicht haben wollen, weil sie das für zu politisch halten. Mir wird dann oft gesagt, dass Politik in der Kunst nichts verloren hat.

Ich bin aber der Meinung, dass jeder Künstler sich auch für eine bessere und gerechtere Welt einsetzen sollte und dazu gehört eben auch die Verteidigung der Menschenrechte. Schließlich könnten wir unsere Kunst nicht ausüben, wenn diese Rechte nicht gewährleistet wären.

Also lohnt es sich auf jeden Fall dafür zu kämpfen. Ich hoffe jedenfalls, dass ich mehr Leute davon überzeugen kann.“