LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Mit dem „Luxembourg Convention Bureau“ will man mehr Events und Meetings nach Luxemburg holen

Hotels sind gewissermaßen sinnlos, wenn ihr Umfeld nicht stimmt, beziehungsweise sie keines haben. Während die Hotels in der Hauptstadt zwei Standbeine haben, Geschäftsreisen und Tourismus, ergeht es den Beherbergungsbetreibern auf dem Land – mit Ausnahme von Bad Mondorf – deutlich schlechter, sie sind „nur“ auf Touristen angewiesen.

In Zukunft sollen auch Hotels in anderen Landesteilen als der Hauptstadt vom MICE-Tourismus profitieren. MICE steht für Meetings, Incentives, Congress und Events. Dafür wurde im letzten Jahr die strategische Entscheidung getroffen ein „Luxembourg Convention Bureau“ (LCB) als Joint venture (G.I.E.) zwischen dem Staat und dem „Luxembourg City Tourist Office“ (LCTO) zu gründen. Es gehört zu einem der ausgewiesenen Zielen des LCB, den – vereinfacht gesagt – Kongresstourismus auch in die Fläche zu bringen.

Im Rahmen der „Journée de l’hôtellerie“ stellte der Direktor des LCB, François Lafont, sich und die Aufgaben seines Büros den luxemburgischen Hoteliers vor. Lafont ist nicht neu im Convention-Bereich, zuvor leitete er ein Convention Office in Toulouse.

Das grundlegende Motto lautet „Uniting People“, schlicht: Leute zusammenbringen. Anhand von Stichpunkten und Schaubildern zeigte Lafont den Zuhörern aus der Hotelbranche die Grundlagen dieses „Tourismus“-Sektors. Der Markt für Konferenzen und Kongresse boomt. Der gegenwärtige Trend, dass die internationalen Meetings kleiner, von der Zeitdauer kürzer werden aber öfter stattfinden kommt den luxemburgischen Verhältnissen sehr entgegen. Hinzu kommt, dass Universitätsstandorte als reizvoll für Kongresse betrachtet werden, weil auch die Inhalte wichtiger werden, erklärte Lafont.

Von einem Business Event profitieren viele, sogar mehr als man auf den ersten Blick wahrnimmt. „Er hat starke ökonomische Auswirkungen.“ Lafont nahm hier den Vergleich mit einem Eisberg zur Hand, von dem auch der größte Teil nicht zu sehen ist. Die Kette der Nutznießer eines Kongresses reicht „hinunter“ bis zu den Taxifahrern.

Minister Lex Delles (M.) und François Lafont, Chef des LCB, flankiert von Francis Koepp (l.). Generalsekretär der Horesca und Alain Rix (2.v.r.) Präsident der Horesca. Prof. Dr Klemens Skibicki (r.) hielt den Fachvortrag über Digitalisierung Foto: Editpress/Isabella Finzi - Lëtzebuerger Journal
Minister Lex Delles (M.) und François Lafont, Chef des LCB, flankiert von Francis Koepp (l.). Generalsekretär der Horesca und Alain Rix (2.v.r.) Präsident der Horesca. Prof. Dr Klemens Skibicki (r.) hielt den Fachvortrag über Digitalisierung Foto: Editpress/Isabella Finzi

Luxemburg will unter die Top 50

Das LCB hat sich anspruchsvolle, aber keine unrealistischen Ziele gesetzt. Luxemburg soll unter die Top 50 Adressen der ICCA (International Congress and Convention Association ) kommen, die Zahl der Events soll um zwanzig Prozent steigen und sich die Zahl der internationalen Kongresse verdoppeln. Für das LCB gibt es zwei Zielgruppen, die offensiv angegangen werden: Einerseits internationale Verbände und Assoziationen, andererseits multinationale Firmen, die sich regional oder gesamteuropäisch treffen wollen. Die für Werbung und Marketing vorgesehenen Gelder werden zu 30 Prozent in Print und zu 70 Prozent in digitale Medien investiert.

Damit die Sache auch klappt müssen natürlich die einzelnen Partner, etwa die Hotels, die mit dem LCB zusammenarbeiten, vorgegebene „Guidelines“ erfüllen. Gleichzeitig stellt das LCB den Partnern aber auch Dienstleistungen zur Verfügung. Kongresskundschaft ist eine anspruchsvolle Klientel.

Reine Kopfsache

Digitalisierung verlangt auch in der Hotelbranche radikales Umdenken

Wer gehofft hatte beim zweiten Vortrag der „Journée de l’hôtellerie“ ein paar Typs zur Nutzung seines Computers oder seines Buchungsprogramms zu erhalten, wird erstaunt drein geschaut haben.
Der Fachvortrag von Professor Klemens Skibicki von der der „Cologne Business School“ in Köln hatte den Titel „Digitale Transformation – Auch in der Hotellerie mehr Kopfsache als Technologie“ - und die „Kopfsache“ war Programm. Kein kleinliches Referieren: Machen sie das so und das andere dann so, sondern ein harter Rundumschlag. Der Wirtschaftshistoriker stellte fest, dass sich mit der digitalen Welt alles geändert hat, wirklich alles – auch die Regeln. Skibickis These: Alte Regeln gelten nicht mehr, da die digitale Welt nicht linear – wie alle bisherigen Wirtschaftsmodelle – funktioniert, sondern vernetzt.
Nach Auffassung von Skibicki ist mit den erlernten Regeln nichts mehr zu machen. „Wir brauchen neue Regeln, die zum digitalen Wandel passen.“ Das Orientieren am althergebrachten ist ein Fehler, wer die Digitalisierung nützen will, muss neu denken, so die Überzeugung des Kölner Professors.
Als Beispiel für altes – falsches - Denken zog Skibicki die europäische Politik heran, die sich das Leben mit der Datenschutzgrundverordnung selbst schwer macht und den Offensiven Umgang mit Daten den USA und China überlässt.
Konsequente Digitalisierung bedeutet konsequentes Umdenken, Denken in Netzstrukturen – eben Kopfsache.