PASCAL STEINWACHS

Für Boris Johnson geht eine Horrorwoche zu Ende, die am Montag ihren Auftakt in Luxemburg nahm. Dabei hatte sich der britische Premierminister wahrscheinlich ausgemalt, einfach mal schnell ins Großherzogtum zu kommen, um dort, auf neutralem Boden, mit EU-Kommissionschef Juncker, der zuweilen ja auch einen seltsamen, fast schon britischen Humor hat, gemütlich zu Mittag zu essen und ein klein wenig über den Brexit zu plaudern, anschließend auch noch kurz bei Xavier Bettel vorbeizuschauen - das Treffen war ursprünglich gar nicht geplant -, und dann zurück nach London zu fahren, um dort zu erklären, alles Menschenmögliche zur Rettung des Brexit getan zu haben.

Für den Inselpremier sollte der Luxemburg-Abstecher dann aber zum Desaster werden, liefen die Gespräche mit Juncker doch alles andere als locker ab, sondern gingen EU-Diplomaten zufolge und sehr zum Erstaunen Johnsons derart ins Detail, dass seine Leute ins Schwitzen gekommen sein sollen, wobei vonseiten Boris Johnsons schriftlich immer noch nichts vorlag.

Richtig peinlich wurde es dann aber nach dem Gespräch mit Xavier Bettel, in dessen Anschluss eigentlich eine gemeinsame Pressekonferenz von Bettel und Johnson hätte stattfinden sollen, aber die ließ der britische Regierungschef bekanntlich wegen ein paar demonstrierenden Briten platzen, woraufhin Bettel, der allein vor die Presse treten musste und in Bezug auf die aktuelle Brexit-Situation von einem Albtraum sprach, der Kragen platzte, zumal Johnson ihm immer noch keinerlei konkrete Vorschläge für Änderungen am Austrittsvertrag vorlegen konnte. Und so wurde in Luxemburg aus dem selbsternannten „Hulk“ urplötzlich ein „Invisible Man“, über den - und die Bilder des auf ein leeres Rednerpult zeigenden Xavier Bettel gingen um den Globus - die halbe Welt lachte.

Nicht viel besser lief es zwei Tage später für Boris Johnson bei einer Brexit-Generaldebatte im Europaparlament, wo sein Lunch-Partner vom Montag, Jean-Claude Juncker, von einem „sehr realen“ Risiko eines „No-Deal“-Brexit warnte, derweil Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sich am gleichen Tag erneut für die Abspaltung Schottlands von Großbritannien stark machte.

Und die nächste Hiobsbotschaft für Johnson, die folgte gestern, hat der derzeitige EU-Ratsvorsitzende, der Finne Antti Rinne, Johnson doch nun eine Frist bis zum Monatsende gesetzt, um Änderungswünsche am Brexit-Abkommen einzureichen, und wenn keine Vorschläge kommen würden, „dann ist es vorbei“.

Vielleicht ist sich Boris Johnson hierdurch wirklich des Ernstes der Lage bewusst geworden, auf jeden Fall legte London gestern erstmals schriftliche Dokumente zu den Änderungswünschen vor, die heute bei einem Treffen des britischen Brexit-Ministers mit EU-Chefunterhändler Barnier diskutiert werden sollen. Fristen lasse man sich aber keine setzen, so ein britischer Regierungssprecher, der denn auch von technischen „Non-Papers“ sprach; formale schriftliche Lösungen würden erst vorgelegt, wenn diese fertig seien. Und der 31. Oktober rückt immer näher...