YVES KUHN

Italiens neuer Rettungsfonds „Atlante“ wird die Belastung für den angeschlagenen Bankensektor verringern. Doch mehr Kapital und eine umgehende Reform des italienischen Konkursrechts sind notwendig.

Die Szenerie erinnerte an Gespräche über Rettungspakete für die Wall Street, als italienische Bankenvorstände und Regierungsvertreter kürzlich in Rom bei Krisengesprächen eine gemeinschaftliche Lösung für den angeschlagenen italienischen Bankensektor aushandelten. Das Ergebnis der Gespräche war ein Entwurf für einen neuen Rettungsfonds namens „Atlante“ (zu Deutsch: Atlas). Atlante könnte von Italiens gesünderen Banken mit vier bis sechs Milliarden Euro ausgestattet werden.

Unicredit und Intesa Sanpaolo, die beiden nach Bilanzsumme größten italienischen Banken, werden das meiste Geld beisteuern, doch auch die mehrheitlich staatliche Cassa Depositi e Prestiti, Stiftungen und Versicherungsgesellschaften werden ihren Teil beitragen.

Der Fonds soll Italiens schwächste Banken mit Kapital ausstatten und anderen die Möglichkeit bieten, ihre toxischen Kredite abzustoßen. Auf den italienischen Banken lasten notleidende Kredite im geschätzten Volumen von 200 Milliarden Euro. Dies entspricht rund zwölf Prozent der insgesamt ausstehenden Kredite in Italien. Trotz der Versuche, Kapitalpolster aufzubauen, macht es der Anstieg der notleidenden Kredite schwierig für die Banken, ihre Bilanzen zu stärken. Das Ziel von Atlante ist es, das kurzfristige Risiko von Bankenpleiten zu mindern, indem notleidende Vermögenswerte auf eine „Bad Bank“ übertragen werden.

Der Fonds wird dies auf zwei Arten tun. Zum einen wird er die im Rahmen der Neuemissionen von Popolare di Vicenza und Veneto Banca (zwei Banken mit dringendem Kapitalbedarf) ausgegebenen Aktien zeichnen. Der Kapitalbeitrag von Atlante für diese beiden Banken könnte sich auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro belaufen.

Zum anderen wird er notleidende Kredite aus den Büchern italienischer Kreditgeber übernehmen und an eine Zweckgesellschaft übertragen. Anschließend werden die Kredite in vorrangige Tranchen mit Investment-Grade-Rating, die durch den Staat garantiert werden, und nachrangige Tranchen mit geringerer Bonität unterteilt. Man schätzt, dass der Fonds, sobald er mit Kapital ausgestattet ist, notleidende Kredite für 14 bis 23 Milliarden Euro kaufen kann. Möglicherweise wird mehr Geld nötig sein.

Es besteht auch die Gefahr, dass mit diesem Plan die Risiken lediglich von einer Bank auf eine andere verlagert werden. Die Ratingagentur Fitch hat gewarnt, dass Unicredit, einer der größten Geldgeber des Rettungsfonds, ein Verlust des Investment-Grade-Ratings drohen könnte.

Atlante ist mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug. Reformen des italienischen Konkursrechts sind aber unverzichtbar, wenn das Vorhaben ein Erfolg werden soll. Die Verwertung von Sicherheiten kann in Italien durchschnittlich sieben bis acht Jahre dauern. Bei einer Beschleunigung des Konkursverfahrens können die Banken beginnen, ihre notleidenden Kredite abzubauen.

Banque Internationale a Luxembourg

Die älteste Bank Luxemburgs

Gegründet 1856 zur Finanzierung der Eisenbahn und er Stahlindustrie ist die Banque Internationale à Luxembourg (BIL) eine der ältesten Banken Luxemburgs. Im vergangenen Jahr verzeichnete sie einen Nettogewinn von 134 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das verwaltete Vermögen war deutlich von 30,8 Milliarden Euro auf 35,5 Milliarden Euro gestiegen. Im Jahr 2000 wurde die BIL Teil der Dexia-Gruppe, die 2008 in der Finanzkrise gerettet werden musste, und gehört seit 2012 zu 90 Prozent dem katarischen Fonds Precision Capital und zu zehn Prozent dem Großherzogtum Luxemburg. Insgesamt beschäftigt die Bank heute über 2.100 Mitarbeitern in Belgien, Dänemark, Singapur, der Schweiz und im Mittleren Osten; rund 1.900 davon in Luxemburg.