LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Mutmaßliche Tankstellenräuber sollen für jeweils zwölf Jahre ins Gefängnis

Zwei mutmaßliche Tankstellenräuber sollen für jeweils zwölf Jahre ins Gefängnis. Dies forderte gestern die Staatsanwaltschaft. Der dritte mutmaßliche Täter war zur Tatzeit noch minderjährig. Ihm wird später der Prozess gemacht.

In der Nacht des 9.Oktober 2015 begingen sie die erste Tat. Bewaffnet betraten sie gegen 23.00 die Aral-Tankstelle im Rollingergrund und forderten Bargeld. 535 Euro und sieben Päckchen Zigaretten war die Beute. Das war ihnen zu wenig. Am 14. Oktober 2015 überfielen die drei maskierten Täter gegen 21.00 die Total-Station in Howald. Die Beute ist erneut mager: Drei Stangen Zigaretten. Dank eines Hinweises konnten die Polizisten eine Menge an Beweisen sammeln, um die drei zu fassen. Außerdem wurden die Überfälle von Kameras gefilmt.

„Angeklagte ist hyperaktiv“

In seinem Plädoyer greift der Anwalt tief in die Trickkiste, um seinen Mandanten François L. zu verteidigen. Mildernd zu werten sei neben dem jugendlichen Alter auch die Hyperaktivität des Angeklagten, sagt Maître Rosario Grasso. Die hochgradige Verantwortungslosigkeit seines Mandanten würde stark mit seiner Impulsivität zusammenhängen. Er sei ja noch jung, sagte der Anwalt. Sein Mandant hätte eine Chance verdient. Grasso plädierte für eine Strafe auf Bewährung. Es gäbe gute Gründe dafür, dass sein Mandant den Weg zu einer Rehabilitierung schaffen würde. Er hätte den Unterschied zwischen richtig und falsch verstanden.

„Das hatten wir noch nicht“, sagte der Vertreter der Anklage. Es sei eine Premiere in der luxemburgischen Justizgeschichte, dass Männer wegen eines Adrenalinschubs zwei Tankstellen überfallen. Bei dem Angeklagten L. seien 9.000 Euro und Drogen gefunden worden. Für den Ankläger waren die Taten detailliert vorbereitet und ausgeführt worden. Auch das spreche für eine normale Entwicklungsstufe der beiden jungen Männer. Dass sie zwei Tankstellen überfielen, hielt er für „eine horrende Dreistigkeit“.

Die Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie alle anderen Strafpunkte (Diebstahl mit Gewalt, Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz) wurden von der Staatsanwaltschaft aufrecht gehalten. Für die Beschuldigten forderte der Vertreter der Anklage Freiheitsstrafen von jeweils zwölf Jahren.

Die Angeklagten bedauerten ihre Taten. Sie baten um eine „zweite Chance“. C. versicherte noch einmal, er wolle sich bei allen Geschädigten entschuldigen.

Das Urteil fällt am 13. Juli.