LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

30. Ausgabe des Schlossfestes in Ansemburg: Ein Publikumsmagnet

Bereits zum 30. Mal bereits hatte das „Grand Château d’Ansembourg“ gestern zum Schlossfest geladen und wieder kamen Tausende, um sich das barocke Kleinod im „Tal der Sieben Schlösser“ anzusehen und an den zahlreichen Aktivitäten teilzunehmen, die sich für Groß und Klein an diesem Tag anboten. Die Organisatoren waren in diesem Jahr speziell darauf bedacht, einige Ateliers unter das Thema der ökologischen Verantwortung zu stellen und gute Umweltschutzpraktiken zu präsentieren.

Die Schmelzherren

Alles vor der imposanten Kulisse des Schlosses, das einst als Sitz eines Schmelzherrn begann. Bereits Mitte der 1620er hatte der aus Dinant (heute Belgien) stammende Geschäftsmann Thomas Bidart eine Schmiede in Ansemburg und einen Hochofen in Simmern gebaut, wo das in der Gegend reichlich vorkommende Rasenerz verhüttet wurde. Auch reichlich vorhanden waren Holz und Wasserquellen, die für die Aktivitäten dieses Pioniers der Eisenindustrie unerlässlich waren. Bidart ließ zwischen 1639 bis 1647 das Herrenhaus in Ansemburg bauen, das bis heute den Kern der Anlage darstellt.

Seine Erben sollten das Schloss nach und nach ausbauen. Während in der Nähe die Kapelle von Mont Marie entstand, später mit Pfarrhaus und Schule, ließ Thomas Bidarts Neffe Thomas de Marchant ab 1719 zwei große Flügel und zwei quadratische Türme bauen. Sein Sohn Lambert Joseph de Marchant et d’Ansembourg, Graf des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, verschönerte das Schloss weiter und ließ vor allem die barocken Gärten und Terrassen anlegen, die bis heute besucht werden können und sich auf dreieinhalb Hektar erstrecken.

Aufwendige Restaurierung

Nach der französischen Revolution verlor die Familie de Marchant et d’Ansembourg allerdings das Interesse an ihren Liegenschaften in Luxemburg. Das Große Schloss in Ansemburg wurde nur mehr als Jagdpavillon benutzt. Im Laufe der Zeit wurde es mangels Instandhaltung nach und nach zu einer Ruine, die feuchten Wände ließen den Hausschwamm sprießen, der Holz und Putz arg zusetzt. Als die japanische Religionsgemeinschaft Sukyo Mahikari die insgesamt elf Hektar großen Liegenschaft 1986 für rund eine Million Euro vom Grafen von Ansemburg erwarb, stand demnach ein umfangreiches Restaurierungsprogramm ins Haus, das gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt ausgearbeitet und ab 1993 in Angriff genommen wurde. Heute gibt es noch viel zu tun, zumal im ältesten Teil des Komplexes aus dem 17. Jahrhundert. Den Hausschwamm habe man im Verbund mit Spezialisten, die unter anderem auch an der Kathedrale von Straßburg arbeiteten, besiegen können, sagt Christophe Déage, CEO der Sukyo Mahikari Europe-Afrique asbl und Präsident des Event-Veranstalters Grand Château d’Ansembourg - LH Europe. Durch einen speziellen Kalk-Hanf-Putz würden die Gebäulichkeiten nun trocken liegen und dem Hausschwamm keine Einnistungsfläche mehr bieten.

Rund sechs Millionen Euro sollen laut Christophe Déage bislang bereits in die Wiederherstellung des Großen Schlosses von Ansemburg geflossen sein, das etwa 10.000 bis 12.000 Besucher im Jahr zählt, davon 3.000 bis 4.000 beim jährlichen Schlossfest.

Die Spuren der Renaissance

Am 21. und 22. September sind im Großen Ansemburger Schloss eine Reihe von Werken von Renaissancekünstlern aus einer Privatsammlung zu betrachten. Die Ausstellung findet im Rahmen des 500. Todestags von Leonardo da Vinci, des europäischen Tages der Denkmäler und des internationalen Tages des Friedens statt. Vorgesehen ist auch ein Vortrag von Jean-Claude Menou, Ehren-Generalinspektor des französischen Denkmalschutzes über die Spuren der Renaissance. Daneben gibt es Ateliers für Kinder und geführte Besichtigungen des Schlossgartens.
Die Gärten des Schlosses sind übrigens frei zugänglich, außer an Tagen, während denen die Anlage für Veranstaltungen gebucht ist.

 Die Agenda und mehr Informationen zum Schloss: www.gcansembourg.eu

Gärtnern wie einst

Die Gärten des „Grand Château d‘Ansembourg“, die jahrein, jahraus von fünf bis sechs Gärtnern betreut werden, sind eine Augenweide. Aber es geht hier nicht nur darum, die ausgefeilten Heckenkonstruktionen aus barocker Zeit zu rekonstruieren und zu pflegen: im Gemüsegarten werden auch Pflanzen gezogen, die einst geläufig waren, seit längerem aber von unseren Tellern verschwunden sind. Amaranth zum Beispiel. Aus den Gemüsegärten von Ansemburg wandern so Samen seltener Pflanzen in ein interregionales Samenaustauschnetzwerk. Ein Highlight der Gärten ist zweifelsohne die „Charmille“, ein Laubengang aus Hainbuchen längs der Eisch. Hier befindet man sich quasi in einem Tunnel aus Bäumen, von denen einige noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Das Licht- und Schattenspiel an diesem erfrischenden Ort ist etwas ganz Besonderes. Beim Gemüsegarten, gleich neben der fast 250 Meter langen Hainbuchen-Laube steht ein über 220 Jahre alter Gigant: eine riesige Platane mit einem Stammumfang von fast sieben Metern, deren Stamm sich in knapp drei Meter Höhe zweiteilt. Der Riese gehört zu den „sehenswerten Bäumen“ in Luxemburg.