LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Differdinger Bürgermeister tritt zurück - Justiz ermittelt gegen Roberto Traversini

Fehler in der sogenannten „Gartenhäuschen“-Affäre hatte der Bürgermeister von Differdingen bereits am Mittwoch eingestanden, gestern nun kündigte der Grünen-Politiker Roberto Traversini erwartungsgemäß auch seinen Rücktritt als Bürgermeister von Differdingen an. Über sein Abgeordnetenmandat hat er indes kein Wort verloren.

Bis Montag Bürgermeister

Mit tränenerstickter Stimme hielt Traversini auf einer kurzen Pressekonferenz - Fragen waren allerdings keine zugelassen - fest, dass er in seiner Amtszeit als Bürgermeister, das er am Montag abgebe, viel erreicht habe und ihm der Schritt nicht leicht gefallen sei.

Da er als Politiker eine Vorbildfunktion innehabe, ziehe er nun die Konsequenzen, nachdem er in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Vorwürfen konfrontiert worden sei. „Das bin sei er den Bürgern schuldig“. Er brauche jetzt ein paar Tage Ruhe, und Zeit für seine Familie, so Traversini.

Da wusste er noch nicht, dass die Staatsanwaltschaft einige Stunden später mitteilen würde, dass die Justiz wegen des Verdachts auf Veruntreuung öffentlicher Gelder, illegaler Vorteilsannahme, Verschleierung und Verstoßes gegen das Gesetz über kommunale Einrichtungen Ermittlungen gegen ihn aufgenommen habe. Der Untersuchungsrichter hat gestern auch Durchsuchungen der Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung und der Büros des CIGL angeordnet.

Der Differdinger Bürgermeister, der Präsident des Verwaltungsrates der Beschäftigungsinitiative CIGL ist, hatte CIGL-Mitarbeiter damit beauftragt, Arbeiten an seinem Haus in Niederkorn durchzuführen, das er Anfang 2019 geerbt hatte. Dort ließ er ohne Genehmigung des Umweltamts Umbauarbeiten am Gartenhäuschen durchführen, das sich im Naturreservat „Prënzebierg“ befindet.

Koalition „déi gréng-CSV“wird weitergeführt

Wer Traversini auf dem Bürgermeisterstuhl in Differdingen folgt, ist noch nicht gewusst, Nächstgewählter auf der Liste von „déi Gréng“ ist Georges Liesch, der Bautenschöffe von Differdingen, der damit natürlich für die Fragen zuständig ist, um die es in den Ermittlungen der Justiz geht. Sollte Liesch Bürgermeister werden, würde die junge Lehrerin Julie Werecki in den Gemeinderat Differdingen nachrücken. Die Koalition zwischen „déi gréng“ und CSV in der drittgrößten Stadt des Landes soll indes weitergeführt werden, wie beide Parteien am Abend mitteilten. Die Vertreter der beiden Gemeinderatsfraktionen würden in den kommenden Tagen über die personelle Besetzung des Schöffenrats beraten und die Öffentlichkeit darüber zeitnah in Kenntnis setzen, wie es in der Mitteilung heißt.

Interessant indes die Reaktionen aus der grünen Partei. Derweil die grüne Fraktionspräsidentin, Josée Lorsché in einem Gespräch mit unseren Kollegen vom „Luxemburger Wort“ angibt, dass das Menschliche auch in der Politik Vorrang haben müsse, niemand perfekt sei, und das Abgeordnetenmandat von Roberto Traversini nicht infrage gestellt sei, reagiert „déi gréng“-Präsidentin, die Abgeordnete Djuna Bernard, weitaus zurückhaltender. Momentan sei noch nicht klar, wie Traversinis Zukunft im Parlament aussehe, hierüber würden in den nächsten Tagen Gespräche innerhalb der Parteigremien und zusammen mit Traversini geführt werden.

Sollte Traversini auch sein Mandat in der Abgeordnetenkammer abgeben, so würde dort die Nächstgewählte Laura Pregno nachrücken...