LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Mit teils originellen Einfällen überflügelt „Scary Stories to Tell in the Dark“ Erwartungen

In den letzten Tagen sah man wieder viele blödsinnige Filme im Kino, allen voran „Dora and the Lost City of Gold“ von James Bobin, ein Film, den niemand braucht. Auch Quentin Tarantino enttäuschte mit „Once Upon a Time in Hollywood“, wo man sich bis auf ein paar interessante Momente, zum Beispiel den brutalen Schluss, fragt, was Tarantino denn nun damit bewirken wollte. So geht man dann mit sehr gemischten Gefühlen ins Kino, um sich den neuen Gruselfilm „Scary Stories to Tell in the Dark“ von André Øvredal anzusehen, weil das Programm diese Woche recht dürftig ausgefallen ist. Nach Ablauf des Abspanns ist man schließlich froh, dass man nicht wirklich enttäuscht wurde, auch wenn der Film kein Meisterwerk ist. Der Film basiert auf den Gruselgeschichten des amerikanischen Kinderbuchautors Alvin Schwartz.

Das geheimnisumwitterte Haus

1968, Mill Valley. Mit dem Vietnamkrieg und den Wahlen, bei denen Richard Nixon als neuer US-Präsident hervorgehen wird, im Hintergrund, feiern die Jugendlichen der Kleinstadt Halloween. Stella (Zoe Margaret Colletti), Chuck (Austin Zajur) und Auggie (Gabriel Rush) nutzen die Gelegenheit, um sich an dem widerwärtigen Tommy (Austin Abrams) zu rächen. Sie werfen rohe Eier und Fäkalien auf sein Auto, in dem er, seine Kumpels und auch Ruth (Nathalie Ganzhorn), Chucks Schwester, sitzen. Sie entkommen dem wütenden Kotzbrocken, und verstecken sich im Auto von Ramón (Michael Garza), der sich im Autokino einen Film ansieht. Stella schlägt ihren Freunden ein ganz besonderes gruseliges Erlebnis vor. Sie besuchen das verfallene Haus der Familie Bellows. Deren Tochter Sarah soll im Haus spuken und verantwortlich für den Tod vieler Jugendlicher sein. Stella berichtet, dass niemand Sarah je sah, sie aber den Kindern durch die Mauern hindurch Geschichten erzählte. Im Untergeschoss finden sie Sarahs Buch mit den Geschichten, die sie mit ihrem eigenen Blut schrieb. Tommy hat die vor ihm Flüchtenden entdeckt. Er wirft Ruth zu ihnen in den Keller und verschließt die Tür. Als Stella fragt, ob Sarah ihr eine Geschichte erzählen könnte, öffnet sich der Eingang wie von Geisterhand. Tommy wird dagegen die Hauptfigur einer neuen Geschichte von Sarah.

Spannend und teilweise originell

Dem Regisseur gelingt es, diese doch mit einigen originellen Elementen gespickte Geschichte in einer spannenden Art und Weise zu erzählen. Er benutzt einfach nur Großaufnahmen, passende Musik (von Marco Beltrami und Anna Drubich) und einen effektvollen Schnitt. Ein paar der üblichen Schock-Elemente finden sich auch wieder, aber Unwohlsein wird beim Zuschauer eher durch die sich permanent steigernde Spannung erzeugt. Recht originell sind die Verwandlung von Tommy und die Angriffe auf Ramón. Die Jugendlichen suchen keine Hilfe bei irgendwelchen Exorzisten, auch wenn man dies einen kurzen Moment lang vermuten könnte, sondern versuchen herauszufinden, was damals passierte. Mit der Wahrheit hoffen sie, Sarahs neue Schreibwut zu besänftigen und somit ihr Leben zu retten. „Scary Stories to Tell in the Dark“ überrascht somit und man kann sich den Film getrost ansehen.