BUDAPEST
AP

EU-Ratspräsident fordert europäische Grenzpolizei

Die Europäische Union sollte eine gemeinsame Grenzpolizei schaffen, um ihre Außengrenzen wieder effektiv zu kontrollieren. Dafür warb EU-Ratspräsident Donald Tusk am späten Donnerstagabend im polnischen Fernsehsender TVP nach dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs. Eine Entscheidung sollte angesichts des massiven Flüchtlingsstroms schnell getroffen werden. Denn ohne Schutz der Außengrenzen „haben wir keine Einwanderungspolitik, sondern totales Chaos“, sagte Tusk.

Die ungarische Regierung kündigte gestern die baldige Fertigstellung ihres Grenzzauns zu Kroatien an. Zehntausende sind in Kroatien angekommen, nachdem Ungarn den Grenzzaun zu Serbien fertiggestellt hatte. Ungarn hat zudem Stacheldrahtsperren nahe eines Grenzübergangs zu Slowenien installiert.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban und der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann vereinbarten unterdessen tägliche Kooperation der Behörden zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms. Faymann betonte nach Angaben seines Büros, dass Europa gemeinsame Standards beim Umgang mit Asylsuchenden habe.

Viele Flüchtlinge in Deutschland behaupten, Syrer zu sein

Das deutsche Innenministerium teilte mit, dass fast ein Drittel der in Deutschland eintreffenden Flüchtlinge fälschlich behaupte, Syrer zu sein. Das ist offenbar Folge der Ankündigung, vorübergehend auf die Rücksendung syrischer Flüchtlinge in die EU-Länder zu verzichten, die sie vorher durchquerten.

Der frühere tschechische Präsident Vaclav Klaus forderte einen Volksentscheid in seinem Land über die in der EU vereinbarte Verteilung von 120.000 Flüchtlingen. Zu der damit verbundenen Aufnahme von Menschen in Tschechien sollte es ein Referendum oder eine vorgezogene Parlamentswahl geben, sagte Klaus am Donnerstagabend im tschechischen Fernsehen.

Die Mehrheit der EU-Innenminister hatte am Dienstag die Verteilung gegen den Widerstand Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Rumäniens beschlossen. Die Slowakei will dagegen klagen, die tschechische Regierung will die Mehrheitsentscheidung respektieren. Klaus sagte, dazu habe sie kein Mandat, weil es sich „um eine außerordentliche Situation handelt, die die Souveränität unseres Landes bedroht“.

Die Anzahl der Kinder auf der Flucht nach Europa hat sich laut UN-Angaben in den vergangenen Monaten dramatisch um 80 Prozent erhöht. Von Januar bis Ende Juli hätten bereits 133.000 Minderjährige in Europa Asylanträge gestellt und damit durchschnittlich 19.000 pro Monat, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) gestern mit.