LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Kult und Raritäten aus der globalen Musikszene (Teil 6)

Es gibt wohl keine zwei Persönlichkeiten in der Filmgeschichte, die sich besser ergänzten als Federico Fellini und sein Hauskomponist Nino Rota. Obwohl Rota erst durch seinen Ohrwurm „Der Pate“ (The Godfather) aus Francis Ford Coppolas gleichnamiger Trilogie dem breiten Publikum bekannt wurde, waren seine effektvollen, nostalgischen Klangkonstruktionen der Fellini-Filme, für die er während mehr als 25 Jahren, genau von 1952-78, verantwortlich zeichnete, ausschlaggebend für seine unverwechselbaren, melancholischen Melodielinien.

Auf der CD „Armacord“ sind in zehn „Takes“ die bekanntesten Titel dieser Periode von namhaften Interpreten, vorwiegend aus dem Jazzbereich, neu inszeniert worden. Beim originellen Solopiano von Jaki Byard mit Auszügen aus „Armacord“ und „La Strada“ begleiten uns Musiker wie Muhal Richard Abrams, Wynton Marsalis und Ron Carter auf einer Reise durch eine verrückte Welt mit eigenen Versionen der Filmmusik aus „La Dolce Vita“, „Roma“, „Satyricon“ und anderen bis zu einer raffinierten Collage von „8 1/2“, arrangiert von Carla Bley, wobei immer wieder die stilistische Verwandtschaft zu Kurt Weill erkennbar ist. Beide waren der sinfonischen E-Musik eng verbunden und schrieben anerkannte Sinfonien, Konzerte und Ballettmusiken.

Die skurrile Musik von Kurt Weill

Kaum ein zweiter Song aus einem Singspiel wurde so oft und von Interpreten verschiedenster stilistischer Richtungen interpretiert wie „Mack The Knife“ aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“.

Auf der inzwischen zur Kult-CD eingestuften „Lost In The Stars - The Music Of Kurt Weill“ finden wir eine besonders gelungene Aufnahme dieses Evergreens von „Sting“, begleitet von einer hochkarätigen Jazzband.

Das Besondere an dieser Produktion ist, dass die unverkennbare, manchmal skurrile Musik des „Komponisten der sich für alles interessiert“ von der „Crème de la crème“ der Interpreten, die sich für alles interessieren, in meist ungewohnten Arrangements verewigt wurden.

Beste Beispiele sind ein schaurig-wehmütiges Meisterwerk von Marianne Faithfull mit „A Soldiers Wife“, ein lyrisches, spannungsgeladenes Basssolo von Charlie Haden über „Speak Low“ oder der nostalgisch anmutende „Youkali Tango“ mit dem Armadillo String Quartet. Weitere Legenden aus der Rockszene wie Tom Waits oder Lou Reed mit dem berühmten „September Song“ oder Avantgarde-Musiker wie John Zorn und Henry Threadgill, alle in bester Form, bieten ein farbenreiches Spektakel.

Jazz-Innovator Thelonius Monk

Auch die groß angelegte Produktion „That’s The Way I Feel Now“ mit Kompositionen des Pianisten und Wegbereiters des Be Bop Thelonius Monk hat sich zu einem Sammlerstück entwickelt. Noch nie hat man die Musik Monks in solch verschiedenartigen, abwechslungsreichen, stilistischen Varianten gehört wie auf diesem einzigartigen Album, dessen Botschaft nachhaltig vermitteln soll: „Monk Lives“.

Drei Ausnahmekompositionen

Neben kammermusikalischen Duointerpretationen des Sopransaxofonisten Steve Lacy mit dem kraftvollen Schlagzeuger Elvin Jones, Pianist und Arrangeur Gil Evans und Charlie Rouse am Tenorsaxofon, der selbst eine runde Dekade seiner Karriere in einer Combo des Komponisten wirkte, ist die Bandbreite von Blues über elektronische Spielereien bis zum Hard Rock meisterlich vertreten. Namen wie Steve Kahn, Markus Miller, John Scofield und Peter Frampton bürgen für beste Qualität. Ein Leckerbissen ist Carla Bleys großorchestrales Arrangement über „Misterioso“ mit dem früheren Sideman Monks, dem Saxofonisten Johnny Griffin, als Solist.

Drei Ausnahmeproduktionen, die drei Ausnahmekomponisten mit feinfühliger geschmackssicherer Professionalität porträtieren und die in diesen Sparten nicht zu toppen sind.