LUXEMBURG
DAMLA KAYAKIRAN

„Man of Medan“ zieht den Spieler an Bord eines im Jahre 1947 verunglückten Schiffs

Auf der Suche nach den Trümmern eines Fliegers aus dem Zweiten Weltkrieg begeben sich vier amerikanische Freunde auf eine Expedition im südpazifischen Ozean. Auf dem Tauchboot „Duke of Milan“ erforschen sie mit Hilfe der Kapitänin die Tiefe und genießen die gemeinsame Zeit. Der Spaß nimmt jedoch bei Anbruch der Nacht ein rasches Ende, und die fünf Protagonisten finden sich an Bord des lang verschollenen Geisterschiffs „Ourang Medan“ wieder. Schon bald beginnt der Kampf ums Überleben und fordert eine Vielzahl an Entscheidungen, die über das Leben und den Tod eines jeden Einzelnen bestimmen werden.

Das Spielprinzip von „Man of Medan“ ähnelt hierbei dem bekanntesten Titel des Entwicklerstudios – „Until Dawn“. Auch hier bestimmen gut positionierte Quick Time Events und die Entscheidungen des Spielers den weiteren Verlauf der Handlung. Einige Spielabschnitte sind somit nur unter bestimmten Voraussetzungen verfügbar. Das Ableben eines Charakters kann somit den Zugang zu verschiedenen Handlungssträngen verhindern, das Schicksal der anderen Charaktere verändern und den kompletten Spielverlauf formen. Interessant werden die einzelnen Charakteraktionen besonders im Multiplayermodus, in dem jeder Spieler die komplette Verantwortung für seinen Charakter trägt. Im Onlinemultiplayer erlaubt das Spiel das gleichzeitige Steuern von zwei Charakteren – während der Offlinemodus den Spielern die Abschnitte des gewählten Charakters zuordnet. Somit können bis zu fünf Spieler gleichzeitig die Geschichte aktiv mitgestalten.

Die grafische Darstellung überzeugt hierbei auf ganzer Linie. Detaillierte Charaktermodelle und stimmungsvolle Hintergründe tragen viel zur Atmosphäre bei und werden von einer passenden musikalischen Untermalung begleitet. Besonders positiv ist hierbei die cineastische Kameraführung, die das Gefühl eines Kinofilms vermittelt. Weniger überzeugend sind jedoch kleine Details wie die trägen Laufbewegungen der Charaktere, die teils unglaubwürdigen Konversationen zwischen den Protagonisten und die plastisch wirkenden Gesichtsanimationen der Charaktere – besonders auffällig bei der Figur Julia, die oft sehr unrealistisch aussieht.

Unzählige Möglichkeiten des Spielverlaufs

Mit rund fünf Stunden Spielzeit ist die Geschichte zwar relativ schnell erzählt, jedoch bieten die unzähligen Möglichkeiten des Spielverlaufs und die daraus resultierenden Enden genug Motivation für einen erneuten Besuch auf der Ourang Medan. Gebremst wird der Wiederspielwert leider von den nicht überspringbaren Zwischensequenzen, die in Kombination mit der trägen Laufgeschwindigkeit der Figuren den Spielspaß eindämmen.

„Man Of Medan“ erfüllt mit seiner spannenden Erzählung, düsteren Atmosphäre und gut eingesetzten Jumpscares die Voraussetzungen für ein gutes Horrorabenteuer – nicht zuletzt, weil die Idee aus einer realen urbanen Legende stammt und die Geschichte des verunglückten Dampfschiffes erzählt wird. Fans des Genres wird hier ein gelungenes Spielererlebnis geboten – wer aber lieber dauerhaft aktiv spielen möchte, wird hier möglicherweise nicht auf seine Kosten kommen.