SCHIFFLINGEN
PATRICK WELTER

Schifflingen: Der Bau der Eisenbahnunterführung liegt voll im Zeitplan,am Sonntag wird das Tunnelsegment unter die Bahntrasse geschoben

Die Eisenbahn kann Fluch und Segen zu gleich sein. So kann man einen zentralen Teil der Rede des Schifflinger Bürgermeister Paul Weimerskirch zusammenfassen, als er gestern Morgen zusammen mit Infrastrukturminister François Bausch eine Zwischenbilanz der Arbeiten zur Beseitigung dreier schienengleicher Bahnübergänge innerhalb der Stadt zog.

Schon seit 1991 gefordert

Die Eisenbahn brachte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Arbeit und Wohlstand nach Schifflingen. Aus einem Dorf wurde ein Städtchen. 1874 erhielt Schifflingen seinen ersten Haltepunkt, damit waren Esch, Bettemburg und die Hauptstadt leicht zu erreichen. Gleichzeitig begann eine Teilung der Stadt: Hüben und drüben der Bahnlinie. Mit dem steigenden Verkehrsaufkommen der letzten Jahrzehnte auf der Straße kam es an den Punkten, wo sich Straßenverkehr und Schiene kreuzten, zu langwierigen gegenseitigen Behinderungen, oft auch zu Gefahrensituationen. Schon 1991 wurde die Beseitigung der beschrankten Bahnübergänge verlangt.

Nun wird schon seit November 2016 heftig an einer Beendigung der Teilung gearbeitet. Kombiniert mit der Neugestaltung des Bahnhaltepunktes - in Schifflingen gerne „Gare“ genannt - entstehen eine Straßenunterführung, ein Radweg entlang der Bahn, eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie und Lärmschutzwände gebaut. Weimerskirch nannte seinen Amtsvorgänger Roland Schreiner mehrmals als treibende Kraft hinter dem Projekt. An den Baukosten von 43 Millionen Euro ist die Gemeinde mit sieben Millionen Euro beteiligt.

Tunneleinschub am Ostersonntag

Am Ostersonntag erfolgt ein ganz wichtiger Schritt. Die bereits im Rohbau fertig gestellte Tunnelröhre für den Straßenverkehr - eigentlich ein rechteckiger Betonkasten - wird hydraulisch unter der Eisenbahntrasse hindurchgeschoben werden. Auf diese Art und Weise muss der Bahnbetrieb nur für mehrere Stunden und nicht wochenlang, wie bei einem konventionellen Bau, gesperrt werden. Danach müssen sich die Schifflinger an einen neuen Straßennamen gewöhnen. In Zukunft führt die „Rue de Drusenheim“ durch die Unterführung den Verkehr aus Richtung Norden in die Stadt hinein.

Minister Bausch blieb bei seiner Rede etwas allgemeiner und erläuterte vor allem den Willen, die Transportkapazitäten der CFL zu erhöhen. Sei es durch Netzausbau, Neugestaltung von Bahnhöfen oder Beseitigung von Gefahrenpunkten wie den schienengleichen Bahnübergängen. Er kündigte eine Ausschreibung für neues rollendes Material mit einem Volumen von 400 Millionen Euro an. In Bezug auf die Attraktivität der Bahn und den neuen Haltepunkt in Schifflingen brachte es Bausch auf den Punkt: „Bahnhöfe müssen vernünftig aussehen!“