MERSCH
SAMUEL HAMEN

Im Merscher Literaturhaus wurden die neuen „Les Cahiers luxembourgeois“ präsentiert

Die Ahnenreihe der Herausgeber von „Les Cahiers luxembour-geois“ ist beeindruckend: 1923 rief Nicolas Ries die Literatur- und Kulturzeitschrift ins Leben; mit Unterbrechungen wurde sie bis 2008 von Tony Jungblut, Raymon Mehlen und zuletzt von Nic. Weber betreut. Nun übernimmt ein Herausgebertrio bestehend aus Ian De Toffoli, Marc Limpach und Elise Schmit das Ruder, um der hiesigen Literaturszene eine Plattform zum freien und kritischen Austausch zur Verfügung zu stellen.

De Toffoli berichtete, dass es ihm ein persönliches Anliegen gewesen sei, der Zeitschrift neues Leben einzuhauchen. Er sei oft zu Gast bei Nic. Weber und dessen Familie gewesen, dementsprechend verstünde er es als eine Hommage gegenüber dem Literaturbegeisterten Weber, die „Cahiers“ nun weiterzuführen. Schmit fügte hinzu, dass es sich geradezu anböte, die „Cahiers“ erneut aufzulegen - es sei das langlebigste Zeitschriftenprojekt in Luxemburg und ein unverzichtbarer Bestandteil für das intellektuelle und literarische Leben hierzulande.

Nic. Webers beeindruckender Nachlass

Als archivalisches Begleitprojekt zur Neuauflage der Zeitschrift kann die Aufarbeitung des Nachlasses von Nic. Weber betrachtet werden. Weber war von 1988 bis 2008 der letzte Herausgeber der „Cahiers“ und verstarb im September 2013. Er hinterließ eine Fülle an Korrespondenzen, Fotografien, Notizen und Manuskripten, die sein Leben im Dienste der Literatur in Luxemburg illustrieren. Claude D. Conter, der Direktor des CNL, sichtet die Dokumente zurzeit gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Pierre Marson. Der Nachlass beeindruckt alleine aufgrund seiner schieren Menge: Conter berichtete, dass es die bei weitem größte Sammlung sei, die vom CNL betreut werde. Man rechne am Ende mit mehr als 130 Archivkisten. Während sich das Literaturhaus in Mersch also um das literarische Erbe kümmert, widmen sich die drei Herausgeber der „Cahiers“ um die Fortführung desselben.

Schmit betonte, dass die Neuauflage der Zeitschrift nach wie vor einen mehrsprachigen Anspruch habe. Neben Beiträgen auf Luxemburgisch, Deutsch und Französisch soll in Zukunft auch englischen Texten eine Plattform geboten werden. Gleich in der ersten und für dieses Jahr einzigen Ausgabe finden sich dann auch drei Sprachen repräsentiert, darunter ein Prosastück von Anita Gretsch, „L‘Œuil grand fermé“, Gedichte auf Deutsch von Jean-Paul-Jacobs, die letzterer den Herausgebern kurz vor seinem Tod zur Verfügung stellte, sowie Gedichte auf Luxemburgisch, die Nora Wagener beisteuerte. Dem Publikum ist sie bisher wegen ihrer deutschsprachigen Prosa bekannt. Darüber hinaus sind Nico Helminger, Francis Kirps, Nathalie Ronvaux und Lambert Schlechter mit unveröffentlichter Prosa beziehungsweise Lyrik vertreten.

Ein Forum für Debatten und Kritik

Die „Cahiers“ verstehen sich als ein Forum für Debatten und Kritik. Auf den Essay von Guy Helminger, „Europa - eine Idee und ihr Gegenteil“, wird es, so der dritte Herausgeber Marc Limpach im Gespräch, beispielsweise in der kommenden Ausgabe eine Replik geben. Der Theaterexperte Limpach hat für die erste Ausgabe einen Aufsatz zum Leben und Werk des in Berlin tätigen Schauspielers Joseph Noerden (1927-1991) verfasst. Gerahmt wird dieser Beitrag durch kurze Texte namhafter deutscher Schauspieler, die sich an die Zusammenarbeit mit Noerden erinnern.

Ähnlich der früheren Publikationsintervalle werden die „Cahiers“ ab 2017 dreimal jährlich erscheinen. Es wird verschiedene Abonnements geben, die demnächst im Internet unter www.cahiersluxembourgeois.lu einsehbar sein werden. In jeder gut geführten Buchhandlung werden die „Cahiers“ zu erwerben sein. Frühere Leser werden gebeten, sich erneut bei den Herausgebern zu melden, um ihr Abonnement zu reaktivieren. Aus Datenschutzgründen sei es leider nicht möglich gewesen, auf Informationen bezüglich der bisherigen Klientel zuzugreifen.


Die Herausgeber sind zu erreichen unter der Mail info@cahiersluxembourgeois.lu sowie postalisch unter der Adresse: 109, avenue Gaston Diderich, L-1240 Luxemburg