LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Julie Adalsteinsson spielt seit ihrer Kindheit Geige und tritt am Samstag in Mersch auf

Mit 17 Jahren als Solist mit großem Orchester vor großem Publikum aufzutreten, diese Vorstellung begeistert junge Instrumentenlerner und flößt ihnen aber gleichermaßen auch Respekt ein. Für Julie Adalsteinsson wird das am Samstag Realität. Dann wird die junge Musikstudentin mit ihrer Geige und dem Symphonieorchester „Luxembourg Philharmonia“ im Kulturhaus Mersch spielen. Gespielt werden bei dem „Russischen Konzert“ Werke von Aram Katschaturjan, Dmitri Kabalewski und Dmitri Schostakowitsch.

Julie Adalsteinsson, 1997 in Luxemburg geboren, nimmt im Alter von sieben Jahren zum ersten Mal Geigenunterricht bei Sofie Vermeersch, im „Conservatoire du Nord“. Hier absolviert sie 2016 ihr „Diplôme Supérieur“. Wichtige Orchestererfahrungen sammelt sie im „Luxembourg Philharmonia“, Jugendsinfonieorchester Eifel-Ardennen, im CMGR und im „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“. Sie nimmt Meisterkurse und gewann erst neulich einen ersten Preis im „International Forum“ in Wien.

Kommst Du aus einer musikalischen Familie?

JULIE ADALSTEINSSON Nein, eigentlich nicht, mein Halbbruder ist jedoch in der Musik- und Kulturbranche tätig. Abgesehen von einem Großonkel, der Opernsänger war, sind keine Musiker in meiner Familie.

War Geige Deine erste Wahl oder wolltest Du auch noch andere Instrumente lernen?

JULIE Ich wollte bis zum Alter von sechs Jahren eigentlich immer Klavier lernen. Als ich mir dann jedoch ein Klavierkonzert von Schülern aus dem „Conservatoire du Nord“ anhören wollte, aber die Geigenklasse leicht verspätet war mit ihrem Konzert, habe ich sofort meine Meinung geändert. Im folgenden Schuljahr fing ich dann mit dem Geigenunterricht an und habe es bis heute nicht bereut. Später habe ich dann aber während ein paar Jahren Klavierunterricht genommen und ich war nie von der Idee abgeneigt, Cello und Flöte zu lernen - aber man kann ja leider nicht alles machen.

Wie oft musst Du üben, um Dein Niveau zu halten und wie oft, wenn Du dich steigern willst?

JULIE Eigentlich zähle ich meine Übungsstunden nicht, an manchen Tagen könnte ich endlos üben, an anderen wiederum nicht. Auf der Musikhochschule fällt es mir eigentlich fast immer sehr leicht, da man da den ganzen Tag von Musik umgeben ist. Ich versuche im Durchschnitt drei Stunden am Tag zu üben. Die Frage, ob ich jetzt mein Niveau halte oder mich steigere, stelle ich mir eigentlich nicht, da ich immer versuche, Freude daran zu haben und mich gleichzeitig anhand der vielen wertvollen Erfahrungen, die ich sammle, zu steigern.

Wie bereitest Du dich auf ein Konzert wie das am Samstag vor?

JULIE Zuallererst informiere ich mich über den Hintergrund der Komposition. Dann fange ich an daran zu arbeiten, und gleichzeitig höre ich mir Aufnahmen von anderen Geigern an, zur Inspiration. Denn meiner Meinung nach kann man die Atmosphäre und Stimmung eines Werkes nur dann dem Publikum rüberbringen, wenn man selbst eine genaue Vorstellung und ein klares Bild zur Musik im Kopf hat. Dieses Konzert ist schon etwas Besonderes, da ich seit über fünf Jahren oft selbst im „Luxembourg Philharmonia“ mitspiele. Ich versuche am Samstag mit Freude und Dankbarkeit gegenüber dem Orchester, Dirigenten und Publikum zu spielen.

Welche Komponisten magst Du besonders und warum?

JULIE Ich kann leider nicht präzise auf diese Frage antworten, da es zu viele gibt. Ich habe nicht einmal eine Lieblingsepoche oder Stilrichtung.

Was bedeutet es für dich, ein Instrument auf diesem Niveau zu spielen?

JULIE Als ich vor 13 Jahren mit dem Geigenunterricht bei Sofie Vermeersch angefangen habe, hätte ich nie erwartet, dass ich mein Hobby zu meinem Studium und später hoffentlich zu meinem Beruf machen könnte. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Niveau erreicht habe, da es wie gesagt ein Geschenk ist, seine ehemalige Freizeitbeschäftigung soweit zu bringen.

Warum hast Du dir die Musikhochschule Codarts in Rotterdam ausgesucht?

JULIE Da meine ehemalige Geigenlehrerin Sofie Vermeersch dort ihr Studium abgeschlossen hat, und mir regelmäßig Meisterkurse mit Misha Furman, der auf Codart unterrichtet, ermöglicht hat, habe ich dort bei meiner jetzigen Geigendozentin, Natasja Morozowa, vorgespielt und mich sofort in die Stadt und die Uni verliebt. Ich habe das Aufnahmeexamen bestanden und alle anderen Aufnahmeprüfungen auf anderen Musikhochschulen abgesagt, was ich bis heute noch keine Minute bereut habe.

Welche musikalischen Zukunftspläne hast Du?

JULIE Seit ich zum ersten Mal mit ungefähr zwölf Jahren in einem Sinfonieorchester mitgespielt habe, hatte ich immer den Traum, dies zu meinem Beruf zu machen. Vor drei Jahren habe ich dann angefangen, gelegentlich zu unterrichten, was mir auch mehr Freude macht, als anfangs erwartet. Da es immer schwieriger wird, einen Beruf als Musiker zu finden, wage ich mich fast nicht, den Wunsch nach einer Kombination von Orchestermusikerin und Geigenlehrerin zu äußern, aber für mich wäre dies die ideale Zukunft.


„Russisches Konzert“ am Samstag, 20.00, im Kulturhaus in Mersch, es spielt das „Luxembourg Philharmonia“ unter dem Dirigat von Martin Elmquist, als Solistin Julie Adalsteinsson. Weitere Informationen unter www.philharmonia.lu. Tickets gibt es für 20/10 Euro