SCHENGEN
PATRICK WELTER

Weinbau: Bodenprofile machen die mineralischen Quellen der Aromen sichtbar

Das „Terroir“ ist seit einigen Jahren der Begriff, auf den sich immer mehr Qualitätswinzer berufen. Ihr Wein bezieht seine Einzigartigkeit aus ihrem ganz individuellen Boden. Die Struktur der Erde gibt ihren Weinen eine ganz einzigartige Note.

Beim Thema „Terroir“ stellen sich zwei Fragen. Zunächst die wissenschaftliche: Ist das „Terroir“ mehr eine Frage des weinbautechnischen Könnens oder ist die Wirkung des Bodens wissenschaftlich nachweisbar? Die Zweite lautet: Wie macht man das „Terroir“ für den Laien sichtbar? Die Antworten sind wissenschaftlich und künstlerisch zugleich.

Gestern Morgen hatte das Weinbauinstitut Remich die Presse in eine der renommiertesten luxemburgischen Weinlagen, Schengen Markusberg, eingeladen. Der „Markusberg“ mit seiner Südausrichtung ist eine Lage für den bevorzugten Anbau von Riesling und Pinot Gris. Thema der Pressekonferenz waren „Bodenprofile der Luxemburger Weinkulturlandschaft“. Was sich zunächst sehr trocken anhörte, stellte sich als spannende Kombination aus Wissenschaft und Kunsthandwerk heraus. Ein Geländestreifen, der gerade brach liegt und auf seine Neubepflanzung mit jungen Reben wartet, bot die perfekte Möglichkeit zur Erstellung eines Bodenprofils.

Der Geschmack kommtaus dem ersten Meter

Wie Roby Ley, der Direktor des Weinbauinstituts, erläuterte, arbeiten sich die Wurzeln von Rebstöcken auf der Suche nach Wasser bis zu 15 Meter in die Tiefe. Für die aromatische Zusammensetzung der Weine sind aber nur die Mineralien und weitere Bestandteile der ersten anderthalb Meter Boden verantwortlich.

Das mit rund 1.300 Hektar kleine luxemburgische Weinanbaugebiet lässt sich in zwei größere Naturräume einteilen: Von Stadtbredimus bis Wasserbillig wachsen die Reben auf Kalkböden, stromauf von Stadtbredimus wird der Untergrund von Ton-Mergel gebildet, der den Weintrauben gleich eine kräftigere Note gibt. Mittlerweile weiß man, dass die Bodenbeschaffenheit noch viel differenzierter ist. So wird heute bei den wenigen, noch anstehenden kleinräumigen Flurbereinigungen sorgsam darauf geachtet, dass anders als früher kein Bodenaustausch stattfindet.

Zunächst einmal ist ein Bodenprofil ein senkrechter Schnitt durch den Boden. Ähnlich einer gerade angeschnittenen Felswand, auf der man die Schichten der Erdzeitalter sieht. Unter dem Boden eines Weinbergs sieht es so genauso aus, nur um ein Vielfaches verkleinert. Die unterschiedlichen Erd-und Mineralienschichten werden dabei bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern erfasst. Nicht nur fotografisch sondern richtig physisch. Die exakt senkrechte Ausgrabung zeigt die unterschiedlichen durch Mineralien verursachten Verfärbungen des Bodens. Ein Spezialist streicht dieses freiliegende Profil mit einem natürlichen Klebstoff ein und kann nach dessen aushärten einen Bodenstreifen von etwa zehn Zentimeter Stärke aus der Grube heben. Einerseits handelt es sich dabei um ein wissenschaftliches Präparat, anderseits aber auch um dreidimensionales Bild, das durchaus als Wandschmuck gedacht ist. In Zukunft können etliche luxemburgische Winzer das Abbild ihres „Terroir“ in die Probierstube hängen.

Verantwortlich für diese „Bilder“ ist Dr. Michael Veerhoff, der als promovierter Bodenkundler vor einigen Jahren damit begonnen hat, die Bodenprofile in Kunst umzusetzen. Einerseits kommen die Bilder den beteiligten Winzern zugute, zum anderen werden die Profile vom IVV wissenschaftlich ausgewertet. In den letzten 15 Jahren hat Veerhoff an dreihundert Standorten in Weinbaugebieten über 800 Bodenprofile erstellt.

Forschungsprojekt

„Terroirmoselle“ steht seit einigen Jahren für eine Zusammenarbeit aller Moselweinbaugebiete von Toul bis Koblenz. Parallel dazu hat das Weinbauinstitut Remich gemeinsam mit dem Forschungsinstitut LIST ein Forschungsprogramm „Terroir“ aufgelegt. In den unterschiedlichsten Weinlagen, insgesamt 15 entlang der luxemburgischen Modrl, wurden zusammen mit Dr. Veerhoff Bodenprofile entnommen und ausgewertet. Quasi als Gegenprobe diente ein Profil von der Schiefermosel bei Piesport.

Ebenso wurden Weintrauben aus den Jahrgängen 2013/2014/2015 „neutral“ - ohne handwerkliche Zauberei der Winzer - im Keller verarbeitet, um den Einfluss des Bodens, also des „Terroirs“, wissenschaftlich erfassen zu können. LJ

aop.lu
terraimago.de
terroirmoselle.eu