BERDORF
MADY LUTGEN

Annick Mersch ist eine von wenigen Goldschmieden in Luxemburg

In Luxemburg gibt es nicht viele Goldschmiede; Annick Mersch ist eine davon. Sie arbeitet kreativ, fertigt Unikate an, bespricht genau mit ihren Kunden, was sie sich erwarten. In ihrem Atelier ist es sehr gemütlich. Man merkt: die 29-Jährige liebt ihren Beruf über alles.

Wie bist du zum Goldschmiede-Beruf gekommen?

Annick Mersch Nach der „13ième design graphique“ wurde mir bewusst, dass ich nicht im grafischen Bereich arbeiten wollte. Mir hat das handwerkliche Arbeiten gefehlt. Deswegen erkundigte ich mich, was beruflich für mich in Frage käme und begann ein einjähriges Praktikum bei einem Goldschmied. Ich war vom ersten Augenblick an von diesem Beruf begeistert! Also beschloss ich, Edelstein- und Schmuckdesign zu studieren, ein Studium, das ich mit dem Gesellenbrief im Goldschmieden abgeschlossen habe.

Was gefällt Dir am besten an diesem außergewöhnlichen Beruf?

Mersch Ich finde die Vielseitigkeit des „Schmuckmachens“ sehr interessant. Natürlich arbeite ich sehr viel an Edelmetallen und Steinen, aber ein Schmuckstück kann aus allen erdenklichen Materialien entstehen. In den letzten Monaten habe ich sehr viel mit Holz gearbeitet, zuvor hatte ich das Emaillieren für mich wiederentdeckt und demnächst werde ich mich mit Keramik auseinandersetzen.

Ist Gold einfach zu verarbeiten? Wo liegt die Schwierigkeit?

Mersch Ich arbeite am liebsten mit 18-Karat Gelbgold. Es ist ein sehr angenehmes Material. Es ist weich und hat doch eine gute Festigkeit. Es lässt sich gut verformen, zudem hat man keine Probleme mit Tiefenoxydationen, wie etwa beim Silber. Es lässt sich auch ganz leicht löten und ist nicht so „störrisch“ wie das Weißgold, ich mag es wirklich sehr.

Die Schwierigkeit besteht eher darin, die Idee in Metall umzusetzen. Man muss die richtige Technik finden und etwas tüfteln, um Lösungen zu finden. Es kam auch schon vor, dass ich mir ein Schmuckstück schön vorgestellt habe und als es dann fertig kreiert war, „funktionierte“ es nicht.

Es harmonierte nicht mit dem Körper. Dann heißt es eben, den Fehler zu suchen und herauszufinden, wie man es besser formen kann.

Was bestellen Deine Kunden am meisten?

Mersch Ich fertige hauptsächlich Ringe, u.a. Trauringe, an. Momentan stelle ich jedoch auch sehr viele Taufkettchen her. Die Kunden mögen das Individuelle an meinem Schmuck. Sie sind bei dem Entwurf zugegen und können Ihre Wünsche und Ideen mit einbringen. Somit besitzt jeder Kunde ein Unikatschmuckstück.

Trägst Du selbst gerne Schmuck?

Mersch Ich trage sehr gerne lange Ohrringe und meine Kette, welche aber sehr unauffällig ist, da sie eher die Funktion eines Talismans hat. Ich würde allerdings jedes Schmuckstück, welches ich bis jetzt hergestellt habe, auch selber tragen.

Wo kriegst Du dein Gold her?

Mersch Ich benutze sehr viel das Altgold der Kunden, welches ich dann zu neuem Schmuck verarbeite, wenn es irgendwie nur möglich ist. Ansonsten kann man das Gold bei diversen Goldscheideanstalten einkaufen. Ich gebe dort das Altgold ab, die Einrichtungen scheiden es dann und schicken mir das gesäuberte Gold wieder zurück. Ich kann dann die Legierung und die Form bestimmen. „Die Form bestimmen“ will heißen, ob ich das Gold als Granulat, Goldblech oder Golddraht haben möchte..

Seit November letzten Jahres habe ich aber auch die Möglichkeit, meinen Kunden „Fairtrade“, bzw. „Fairmined“ Gold anzubieten. Das ist Gold, welches aus Südamerika kommt, wo die Minenarbeiter einen gerechten Lohn erhalten und welches auch noch mensch- und umweltschonend abgebaut wird.

Wo kann man das Goldschmieden erlernen?

Mersch Die Möglichkeit hierzu besteht in Luxemburg. Das erweist sich allerdings als etwas schwierig, da es einerseits nicht viele Goldschmiede im Land gibt. Andererseits sind sie nicht bereit, Gesellen einzustellen, sei es aus finanziellen Gründen oder weil sie schon welche in der Ausbildung haben. Zudem gibt es keine Schule hierzulande; man muss sich also die Theorie selbst aneignen und dann jemanden finden, welcher einem die Prüfung abnimmt. Das ist mein letzter Wissensstand. Es kann natürlich sein, dass sich im letzten Jahr etwas geändert hat. Es gibt jedoch gute Goldschmiedeschulen im Ausland.
www.annickmersch.com